{"id":22579,"date":"2015-10-17T19:16:27","date_gmt":"2015-10-17T17:16:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.china-by-bike.de\/blog\/?p=22579"},"modified":"2019-04-09T14:53:54","modified_gmt":"2019-04-09T12:53:54","slug":"yangshuo-mein-yangshuo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/china-by-bike.de\/blog\/2015\/10\/yangshuo-mein-yangshuo\/","title":{"rendered":"Yangshuo, mein Yangshuo"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/china-by-bike.de\/touren\/shan.php\" target=\"blank\">Berg und Wasser <\/a>, 04. bis 26.10.2015<\/strong><\/p>\n<p><em>Knapp 30 Kilometer in die Umgebung am Vormittag, Freizeit am Nachmittag.<\/em><\/p>\n<p>Jetzt mal eine ganz weite R\u00fcckblende.<\/p>\n<p>In den 1980er Jahren war Yangshuo ein verschlafenes Nest, idyllisch am Ufer des Li Flusses inmitten der Karstkegel gelegen, dazu noch mit reichleich alter Bausubstanz. Und somit der ideale Ort f\u00fcr ausl\u00e4ndische Backpacker auf der Flucht vor dem damals schon recht touristischen Guilin. Die notwendige Infrastrucktur war schnell geschaffen, in der mit Naturstein gepflasterten Hauptstra\u00dfe, der West Street, er\u00f6ffneten kleine Kneipen und Restaurants, in denen es Banana Pancakes und gek\u00fchltes Bier f\u00fcr die hungrigen und durstigen Rucksacktouristen gab.<\/p>\n<p>Bei meiner ersten Reise durch China, 1988\/89, waren K\u00fchlschr\u00e4nke dort noch ein Luxusgut. Kaum ein Restaurant hatte einen, und wenn, dann um Lebensmittel haltbar zu lagern. Nicht jedoch Bier kalt zu stellen. Sehr zum Leidwesen verw\u00f6hnter Langnasen. Die Ausl\u00e4ndercaf\u00e9s in Yangshuo wussten von unserer Not, r\u00fcsteten K\u00fchlschr\u00e4nke nach und eines von ihnen warb sogar mit dem \u201eColdest beer in town\u201c. Selbstredend sind wir dort eingefallen wie die Heuschrecken. Aber nur ein mal, denn das k\u00e4lteste Bier der Stadt war nicht nur kalt, sondern tiefgefroren. Es dauerte ungef\u00e4hr eine halbe Stunde, bis aus der Flasche ein Tropfen floss. So lange wollten wir zuk\u00fcnftig nicht mehr auf unser Erfrischungsgetr\u00e4nk warten und mieden die Kneipe fortan.<\/p>\n<p>Legend\u00e4r war auch das Meiyou Caf\u00e9. \u201eMeiyou\u201c hei\u00dft so viel wie \u201egibt es nicht\u201c, \u201ehaben wir nicht\u201c, \u201ewollen wir nicht\u201c oder auch \u201eich habe jetzt absolut keinen Bock f\u00fcr dich irgend etwas in Bewegung zu setzen\u201c und war damals eine Standardantwort auf viele Fragen. Zugticket f\u00fcr morgen? Meiyou! G\u00fcnstiges Hotelzimmer? Meiyou! Gebratener Reis? Meiyou! Kaltes Bier? Meiyou! Meiyou war die Floskel, die jeder ausl\u00e4ndische Rucksacktourist als erstes lernte, wenn er damals nach China kam. Leider oft auch die einzige. Im Meiyou Caf\u00e9 gab es kein Meiyou, daher der Name.<\/p>\n<p>1994 war ich dann das zweit mal in Yangshuo. Kleine Chinarundreise mit den Eltern w\u00e4hrend meines Studienjahrs in Chengdu. Das St\u00e4dtchen hatte sich seit meinem ersten Besuch nicht gro\u00df ver\u00e4ndert und war noch immer eine Hochburg f\u00fcr ausl\u00e4ndische Rucksacktouristen. Hinzugesellt hatten sich lediglich ausl\u00e4ndische Pauschaltouristen, aber die waren nur auf Durchreise. Die Fahrt auf dem Li Fluss von Guilin nach Yangshuo hatte sich n\u00e4mlich im Programm der Pauschalreiseanbieter etabliert, man wurde in Massen nach Yangshuo geschippert, kurz durch den Ort getrieben und anschlie\u00dfend in Bussen wieder zur\u00fcck nach Guilin gekarrt. Auch das hat sich bis heute kaum ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Aber dann kam der innerchinesische Tourismus. Mit dem chinesischen Wirtschaftswunder, welches etwa zur Jahrtausendwende so richtig an Fahrt gewann, kam auch der inl\u00e4ndische Touismus. Die Leute hatten pl\u00f6tzlich so viel Geld und Freizeit wie nie zuvor in ihrer Geschichte und beides, sowohl das Geld als auch die Zeit, mussten ausgegeben werden. Und was den Ausl\u00e4ndern recht ist, ist den Chinesen billig.<\/p>\n<p>Yangshuo \u00e4nderte sich binnen weniger Jahre von einer Hochburg f\u00fcr langnasige ausl\u00e4ndische Backpacker zu einer Hochburg f\u00fcr kurznasige chinesische Touristen. Chinesische Touristen z\u00e4hlt man nicht wie ausl\u00e4ndische Rucksackreisende im Dutzend, sondern mindestens in Hunderttausend. Dementsprechend wurde Yangshuo ausgebaut. Die einst recht idyllische West Street ist inzwischen eine Fu\u00dfg\u00e4ngerzone, durch die sich die Massen an Besuchern vorbei an einem Touristenshop nach dem anderen w\u00e4lzen. Dem Ansturm nicht gerecht werdend hat man die Seiten- und Parallelstra\u00dfen gleich entsprechend mit saniert. Rothenburg ob der Tauber, Chinese Version.<\/p>\n<p>So pr\u00e4sentiert sich Yangshuo, mein Yangshuo, im Jahre 2015.<\/p>\n<p>Was es seit meinem ersten Besuch 1988 noch immer gibt sind Leihr\u00e4der. F\u00fcr Ausfl\u00fcge in die wundersch\u00f6ne Umgebung. Man mietet sich ein Rad und f\u00e4hrt einfach drauf los. \u00dcber Stra\u00dfen, Feld- und Schotterwege, frei nach Schnautze und der Nase nach und irgendwann landet man dann wie durch ein Wunder immer wieder in Yangshuo. Anfangs waren es nur die Ausl\u00e4nder, die sich durch die Landschaft kurbelten. Die ersten chinesischen Touristen mieden das Fahrrad, sie konnten sich endlich mal einen Urlaub leisten und wollte diesen nicht auf dem Transportmittel f\u00fcr arme Leute verbringen.<\/p>\n<p>Inzwischen ist es aber auch unter Chinesen Hipp geworden ein Fahrrad (oder gar ein Tandem, Chinesen reisen bevorzugt in Gruppen) auszuleihen f\u00fcr einen kleinen Trip aus der Stadt heraus. Zum Beispiel in Richtung Mondberg, acht Kilometer s\u00fcdlich von Yangshuo. Die Strecke dort hin ist inzwischen so popul\u00e4r geworden, dass man die Stra\u00dfe, die zu \u201emeiner\u201c Zeit noch ein Schotterweg war, nicht nur bestens asphaltiert hat, sondern momentan dabei ist sie mit breiten, rot markierten Fahrradwegen rechts und links abzuteilen (siehe Foto unten). Ganz nach europ\u00e4ischem Vorbild. Das d\u00fcrfte wohl der erste Radwander\u201efernweg\u201c in ganz China sein.<\/p>\n<p>Der Mondberg war auch einer unserer Ziele f\u00fcr den heutigen Halbtagesausflug. Nach einem Fr\u00fchst\u00fccksbuffet beim Paulaner in der West Street, ohne das Bier aber trotzdem unter deutscher F\u00fchrung, sattelten wir die R\u00f6sser und folgten den Massen auf besagtem Radweg Richtung S\u00fcden. Dass wir nicht die einzigen Radfahrer auf der Strecke sein w\u00fcrden war mir vorher schon klar. Aber dass dabei fast ein Gef\u00fchl wie bei der j\u00e4hrlichen Fahrradsternfahrt in Berlin, die mit j\u00e4hrlich um die 250.000 Teilnehmer gr\u00f6\u00dfte Fahrraddemo der Welt, aufkommen sollte, damit hatte ich wahrlich nicht gerechnet.<\/p>\n<p>Zugegeben, ganz so schlimm war es nicht. Jedoch bef\u00fcrchtete ich bei Kilometer f\u00fcnf noch, dass sich diese Massen auch mit uns gemeinsam zum Mondberg hochw\u00e4lzen w\u00fcrden. Weit gefehlt, die Masse bog einen Kilometer vor dem Mondberg rechts ab. Dort hatte man in meiner Abwesenheit zwei weitere Karstkegel touristisch erschlossen. Im Vorbeifahren sahen wir zum Beispiel eine H\u00e4ngebr\u00fccke, welche die beiden Berge miteinander verbindet.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich am Mondberg angekommen waren wir so gut wie unter uns. Ich war baff erstaut. \u201eWarum kommt denn kaum noch jemand hier her?\u201c frage ich den Parkplatzw\u00e4chter. \u201eDie Leute wollen nicht mehr so viele Treppen steigen\u201c ist seine knappe Antwort. Aha. Der chinesische Durchschnittstourist ist also noch immer ein Faultier. Ein wenig mit dem Fahrrad fahren geht inzwischen, aber danach bitte nicht noch mehr k\u00f6rperliche Anstrengungen!<\/p>\n<p>Der Aufstieg zum Mondberg, immerhin 170 H\u00f6henmeter \u00fcber teilweise steile Treppen, ist wahrlich keine Angelegeneit f\u00fcr St\u00f6ckelschuhe und einen flachen Atem. Aber in etwa 20 Minuten zu schaffen. So lange haben wir jedenfalls gebraucht. Der Mondberg ist ein Zuckerhutkegel mit Durchschuss, einem Loch in der Form einer Halbmondsichel noch vor dem Gipfel. Daher auch der Name. Zu sehen in der Galerie dort unten.<\/p>\n<p>Im Durschschuss und dahinter hat man einen netten Ausblick auf die Umgebung. Soweit der Dunst es eben zul\u00e4sst. Die Gegend hier ist \u00fcberwiegend feucht und warm, daher beschr\u00e4nkt der Dunst an gesch\u00e4tzten 353 Tagen im Jahr die Sichtweite. Heute hatten wir eher einen der besseren Tage erwischt.<\/p>\n<p>Abstieg vom Mondberg und weiter auf zwei R\u00e4dern. Wie bereits geschrieben f\u00fchren alle Wege zur\u00fcck nach Yangshuo. Ich hatte geplant, dass wir uns auf irgendwelchen Nebenpfaden zur\u00fcck in die Stadt schlagen statt wieder die Hauptstra\u00dfe zu nehmen. So ganz ist mir das nicht gegl\u00fcckt, denn nach einer wirklich sch\u00f6nen Runde, teilweise \u00fcber Stock und Stein, teilweise auf gut betonierten oder asphaltierten Wegen landeten wir wieder um die Ecke vom Mondberg. Auch gut, immerhin kannten alle von dort den Weg zur\u00fcck nach Yangshuo von selbst.<\/p>\n<p>Das war unsere Vormittagsbesch\u00e4ftigung. Der Nachmittag war zum freien Vergn\u00fcgen. Wiedersehensfreude am Abend zum gemeinsamen Nachtmahl. Das haben wir wie gestern schon unter fast freien Himmel zu uns genommen und mit einer Gesangseinlage von unserem Fahrer Xiao Yang beendet.<\/p>\n<p>Ach Quatsch, was schreibe ich denn da? Beendet haben wir den Tag auf der Dachterrasse unseres Hotels. Dort haben unsere M\u00e4dels noch ein wenig gesungen und wir uns allgemein k\u00f6stlich am\u00fcsiert. Oder wie nennt man es sonst, wenn man noch ein Bier oder\/und einen Schnapps kippt?<\/p>\n<p>Yangshuo, mein Yangshuo! Dir habe ich eine weitere sch\u00f6ne Erinnerung in meinem Leben zu verdanken.<br \/>\n\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 33%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-22579 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/china-by-bike.de\/blog\/2015\/10\/yangshuo-mein-yangshuo\/dsc00427\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/china-by-bike.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/DSC00427-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail 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