{"id":3209,"date":"2011-12-28T15:09:16","date_gmt":"2011-12-28T14:09:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.china-by-bike.de\/blog\/?p=3209"},"modified":"2019-04-09T17:01:08","modified_gmt":"2019-04-09T15:01:08","slug":"der-appetit-nach-dem-wellenreiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/china-by-bike.de\/blog\/2011\/12\/der-appetit-nach-dem-wellenreiten\/","title":{"rendered":"Der Appetit nach dem Wellenreiten"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/china-by-bike.de\/touren\/lao.php\" target=\"blank\">Land der Tausend Elefanten<\/a>, 16.12.2011 bis 8.1.2012<\/strong><\/p>\n<p><em>Von Muang Khua nach Oudomxay<\/em><\/p>\n<p>Unsere Tour \u00fcber den Ou hat uns den Grenzen zu den vietnamesischen und chinesischen Nachbarn sehr nahe gebracht; entsprechend viele dieser Landsleute trifft man hier in der n\u00f6rdlichsten Provinz Phongsali, es gibt vietnamesische M\u00e4rkte, chinesisch anmutende Hotels und vieles mehr. Das hat sein Gutes, denn unsere heutige Fahrradetappe ist zwar lang, aber wir radeln mit der Kraft zuversichtlicher Waden: Zum Abendessen werden wir uns Chinesisch bekochen lassen! Klebereis und Salat aus Gehacktem mit Kr\u00e4utern, Chili und Limette sowie die anderen f\u00fcnf oder sechs Paradegerichte der laotischen Kochkunst haben wir schon eingehend verkostet und sind mehr als bereit f\u00fcr eine Abwechslung. Die meisten aus der Gruppe haben mit China by Bike auch schon einmal China beradelt und wissen deshalb genau, worauf sie sich freuen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Um zum Festbankett zu gelangen, das uns in Oudomxay erwartet, gilt es sich in einer neuen Disziplin zu beweisen, dem Wellenreiten. Die kaum befahrene Stra\u00dfe 2E schl\u00e4ngelt sich \u00fcber 100 km immer am Nam Thag entlang in die Nachbarprovinz Oudomxay und ist m\u00e4chtig gewellt. Sie \u00fcberbietet mit Leichtigkeit die mickrigen Wellen, die der Fluss aufwirft und stellt uns eine echte Ausdaueraufgabe: Die ersten 20 km hat man noch seine Freude am st\u00e4ndigen Auf und Ab, langweilig ist das auf keinen Fall. Je mehr Kilometer man jedoch sammelt, desto mehr sp\u00fcrt man, dass die kleinen Anstiege ein klein wenig zu lang sind, um mit dem Schwung des letzten Gef\u00e4lles bequem hochzurollen. Es wird m\u00fchsam. Und immer m\u00fchsamer. Von jeder Kuppe sieht man schon h\u00e4misch den n\u00e4chsten Mikroanstieg her\u00fcberwinken. Und sp\u00fcrt mittlerweile immer deutlicher, dass es nicht einfach nur auf und ab, sondern in der Summe sogar stetig aufw\u00e4rts geht. Es sind nur wenige Dutzend Meter, aber was verstehen verkrampfende Waden schon von Zahlen?<\/p>\n<p>Fast schon m\u00f6chte man aufatmen, als wir nach dem wilden Ritt auf den Wellen zu guter Letzt noch zwei richtige Anstiege erklimmen d\u00fcrfen, bevor wir uns bei der heldenhaften Einfahrt in die Provinzhauptstadt von den Massen bejubeln lassen d\u00fcrfen, die die Stra\u00dfe s\u00e4umen und frenetisch kleine Deutschland-F\u00e4hnchen schwenken. Wie bitte? Ob dort wirklich so viele Menschen von uns Notiz genommen haben? Also ICH jedenfalls habe sie gesehen UND geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Ger\u00fchrt stellen wir am Ziel beim routinierten Griff in den Schmutzbier-K\u00fchlschrank fest, dass auch unsere heutigen Gastgeber sich f\u00fcr uns etwas Besonderes \u00fcberlegt haben: Wir d\u00fcrfen zwischen sage und schreibe drei Beerlao-Variationen w\u00e4hlen, : Das altbew\u00e4hrte Lager, dazu Beerlao Gold und das Kleine Schwarze. Festlich gestimmt fiebern wir unserem Abendmahl entgegen.<\/p>\n<p>Dieses f\u00e4llt tats\u00e4chlich denkw\u00fcrdig \u00fcppig aus, denn als ich mit dem Koch (und Besitzer in Personalunion) vor seinem K\u00fchlschrank stehe und seine Frischware begutachte, um das Men\u00fc zusammenzustellen, unterl\u00e4uft mir eine Art chinesisch-laotische Bestellverwirrung. Ich gebe wie gewohnt den Hinweis, dass von jedem Gericht zwei Portionen aufgetischt werden sollen. Das hat sich bei der \u00fcberschaubaren laotischen K\u00fcche bisher so bew\u00e4hrt, weil wir sonst an zwei oder drei Abenden bereits das gesamte Repertoire ausgesch\u00f6pft h\u00e4tten. Im Verlauf des Bestellvorgangs schalte ich aber unwillk\u00fcrlich auf die <em>chinesische Methode<\/em> um &#8211; die funktioniert nach der Daumenregel <em>Zahl der bestellten Gerichte = Personenzahl+1<\/em>, allerdings ohne doppelte Portionen &#8211; um die Vielfalt chinesischer Gerichte bestm\u00f6glich auskosten zu k\u00f6nnen. Muss wohl an der Sprache gelegen haben, denn wir waren beide froh, uns miteinander Chinesisch verst\u00e4ndigen zu k\u00f6nnen. Erst viel sp\u00e4ter zur\u00fcck im Hotel d\u00e4mmert mir, dass ich im Schwung des Gefechts die Zwei-Portionen-Anweisung \u00fcberhaupt nicht zur\u00fcckgenommen habe und wir uns daher abends am Tisch der doppelten chinesischen Portion gegen\u00fcbersehen d\u00fcrften. Zum Gl\u00fcck habe ich die Telefonnummer des Kochs da und rufe gleich an, um ihn zu bremsen. Der ist jedoch &#8211; wie nicht anders zu erwarten &#8211; ganz chinesischer Gesch\u00e4ftsmann und behauptet standhaft, s\u00e4mtliche bestellten Gerichte bereits vorbereitet zu haben (obwohl es noch fast zwei Stunden hin sind). Ein Abspecken der Bestellung sei deswegen v\u00f6llig ausgeschlossen. Ich lasse es wohl oder \u00fcbel erst einmal auf uns zukommen.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich wird die Tafel mit gro\u00dfen Ohs und Ahs quittiert; die Teller stehen \u00fcbereinandergestapelt, weil selbst der gro\u00dfz\u00fcgige chinesische Tisch mit der ber\u00fchmten faulen Susanne nicht genug Platz bietet f\u00fcr die enorme \u00dcppigkeit der Auberginen, H\u00fchnchen, Bohnen, Kartoffelstreifen, S\u00fc\u00dfkartoffeln und und und. Wir z\u00fccken die St\u00e4bchen, legen los und &#8211; oh Wunder &#8211; eine halbe Stunde sp\u00e4ter ist nahezu der gesamte Tisch ger\u00e4umt. Die \u00fcberschaubaren Reste werden f\u00fcr die morgige Mittagspause in Picknickboxen verstaut.<\/p>\n<p>Mir gibt das Wunder dieses grenzenlosen Appetits noch lange R\u00e4tsel auf, dessen Zeuge ich soeben geworden bin. Sollte das etwa der sagenhafte <em>Appetit nach dem Wellenreiten<\/em> sein?<\/p>\n<p>[map style=&#8220;width: auto; height:400px; margin:20px 0px 20px 0px; border: 1px solid black;&#8220; gpx=&#8220;https:\/\/china-by-bike.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/20111228-lao.gpx&#8220;]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Land der Tausend Elefanten, 16.12.2011 bis 8.1.2012 Von Muang Khua nach Oudomxay Unsere Tour \u00fcber den Ou hat uns den Grenzen zu den vietnamesischen und chinesischen Nachbarn sehr nahe gebracht; entsprechend viele dieser Landsleute trifft man hier in der n\u00f6rdlichsten Provinz Phongsali, es gibt vietnamesische M\u00e4rkte, chinesisch anmutende Hotels und vieles mehr. Das hat sein Gutes, denn unsere heutige Fahrradetappe ist zwar lang, aber wir radeln mit der Kraft zuversichtlicher Waden: Zum Abendessen werden wir uns Chinesisch bekochen lassen! 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