Am Tuul entlang zu Dschingis Khan

120. Reisetag, von Ulanbaataar bis Terelj, 93 km. Von Simon Preker.

Wir sammelten uns morgens zu einem Geburtstagsständchen, bevor wir das Stadtgebiet hinter uns ließen und eine etwas ruhigere Straße am Fluß Tuul entlang rollten. Die Strecke führte uns durch das noch unter der Verwaltung Ulanbaataars stehende Bergarbeiternest Nalaikh. Nur noch der neben dem Ort liegende Friedhof, auf dem die kasachischen Bergleute begraben liegen, zeugt noch vom inzwischen eingestellten Kohleabbau.

Sonntäglicher Ausflugsverkehr und Stände am Straßenrand, an denen Raubvögel, Kamele und Kostüme für Fotos herhalten dürfen, kündigten unser erstes Ziel an, das Bildnis Dschingis Khans.

Seit 2008 türmen sich rund 57 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt 250 Tonnen Edelstahl in 30 Meter Höhe. Damit wird der mongolische Eroberer und Nationalheld mit der größten Reiterstatue der Welt geehrt. Das Pferd, auf dem er thront, kann durch den Schweif bestiegen werden. In seiner Rechten hält er eine goldene Gerte.

Anders als am Vortag wurden uns angenehme Temperaturen und gutes Wetter zuteil. Selbst die Straßenverhältnisse waren uns trotz des streckenweise hohen Verkehrsaufkommens gewogen und manchmal unterstützte uns gar ein Rückenwind. Die Nachmittagsetappe in den Gorkhi-Terelj-Nationalpark war unter diesen Umständen ein entspanntes Vergnügen. Abwechslungsreiche Landschaften, Kamele, Yaks, Schafe, Ziegen und natürlich jede Menge Pferde säumten die grünen Hänge, aus denen beeindruckende Gesteinsformationen emporragten.


Airag auf dem Weg nach Ulanbaataar

119. Reisetag, vom Jurtencamp bei Bornuur bis Ulanbaataar, 115 km. Von Simon Preker.

Nach einem angenehmen Start erwartete uns ein feucht-kalter Reisetag mit einigen Strapazen. Da uns ein kleiner Pass bevorstand, stärkten wir uns vormittags mit einem Schluck fermentierter Stutenmilch. „Airag“, auch bekannt unter ihrem mongolischen Namen „Kumis“, schmeckt intensiv, leicht alkoholisch und hinterlässt den Geschmack von einem starken Parmesan auf der Zunge. Es scheint aber kein Ladenhüter zu sein, denn die Hälfte aller Jurten bietet aufgrund der beachtlichen Nachfrage am Straßenrand große PET-Flaschen mit der weißen Flüssigkeit feil.

Bis zur Mittagspause waren wir nass bis auf die Knochen und vesperten in einer Jurte, in der wir uns am Ofen wärmen konnten. Der Großteil der Gruppe ließ sich jedoch von Regen und Kälte nicht entmutigen und stellte sich der langen und zähen Einfahrt nach Ulanbaataar. Hatte uns die Landschaft bis dahin noch an Schottland erinnert, zeichnete sich am Horizont langsam der 1,4 Millionen Einwohner-Moloch mit seinen Nebenerscheinungen ab. Wir näherten uns der Stadt von Westen. Kilometer um Kilometer wechselten sich Industriegebiete und Plattenbauten ab. Nach der Ankunft hießen wir schließlich mit einem gemeinsamen Abendessen unseren Neuzugang willkommen.


Radreise-Auszeit in der Geheimen Mongolischen Geschichte

Bilderbuch vom 118. Reisetag am Ruhetag im Jurtencamp „Mongolian Secret History“ an einem bewölkten und nieselnassen 18-20°C-Sommertag. Von Peter Frenzel.

„Den heutigen Tag verbringen wir in der näheren Umgebung.“, steht im Reiseprogramm. Diese Umgebung ist ca. 120 km von Darkhan entfernt und liegt 7 km abseits der Autostraße Richtung Ulaanbaatar.
Ja, wir sind seit 2 Tagen in der Mongolei (amtlich Монгол Улс/Mongol Uls; /mongɣol ulus, wörtlich: Mongolischer Staat) unterwegs.

Das Land ist immerhin viereinhalb mal so groß wie Deutschland, aber mit rund 3 Millionen Einwohnern der am dünnsten besiedelte Staat der Welt mit weniger als 2 Einwohnern pro km² . [Mehr darüber u.a. auf https://de.wikipedia.org/wiki/Mongolei]

Links und rechts der Straße tauchen nah und fern regelmäßig weiße Punkte auf, die dann aus der Nähe zum traditionellen Zelt der Nomaden in West- und Zentralasien werden, zur Jurte (Yurt bedeutet z.B. auf türkisch „Heim“). Die Mongolen nennen die Jurte „Ger“ (гэр, s.u.a. auch unter https://de.wikipedia.org/wiki/Jurte). Der Eingang zeigt immer nach Süden. Das hat zum Einen mit dem Schutz vor Nordwinden und zum Anderen mit der Orientierung zu tun. Die Nomaden können so auf der Wanderschaft jederzeit ohne Kompass die Himmelsrichtungen bestimmen.

In solche Jurten (in die weißen auf den Fotos unten) sind wir gestern Abend auf 1240 Meter Höhe nach einem aufreibend hügeligen Radeltag bei Wind und Gewitterregen eingezogen und entspannen heute in traumhafter Landschaft. Zum Camp gehört ein großes Blockhaus mit Restaurant und gemütlichen Sitzecken zum Lesen, „Statistik“ nacharbeiten, Blog schreiben oder einfach „gar nichts machen“.

Die Küche des Restaurants ist exzellent, die Speisekarte dick und die Portionen sind echt mongolisch: Riesenportionen, vor allem mit Fleisch. Wer es lieber vegetarisch mag wird aber auch gut versorgt. Eine Eiswaffel „Plombir w stankantschike“ (Мороженое «ПЛОМБИР» в стаканчике) kostet hier 1300 Tögrög (oder Tugrik / төгрөг, 1 €uro wird z.Zt. in 2864,46 ₮ getauscht). Auf den Tischen ist selbstverständlich das originellste Spiel der Mongolen präsent: „Schagai“ (ein Knochenspiel). Es wird normalerweise mit Schafsknöcheln gespielt und unsere nette Betreuerin Byambaa (Byambasuren Batnasan von www.mongolei-reise.de) animiert uns immer wieder, mitzuspielen.

„Mongolian Secret History“ – Bilderbuch auf:


Durch die grün-violetten Täler Selenges

117. Reisetag, von Darkhan bis zum Jurtencamp bei Bornuur, 119 km. Von Simon Preker.

Aus der Stadt hinaus fuhren wir zunächst gemütlich neben der Eisenbahn entlang, bevor wir nach der ersten Pause gleich drei Gegner gestellt bekamen: Es regnete in unregelmäßigen Abständen, wir hatten eine kontinuierliche Steigung zu bewerkstelligen und der Gegenwind ließ uns nur unter großer Anstrengung nach Süden voran. Die letzten 20 Kilometer vor der Mittagspause waren hingegen ein reines Fahrvergnügen mit langen und malerischen Abfahrten im Trockenen.

Nach dem Mittagessen zogen rechter Hand von violetten Blumen überzogene Hänge vorbei und wir durchquerten den Ort Bayangol. Bei einer Pause stärkten wir uns mit reifen Nektarinen und genossen die Sonne, die sich nach langem Hin und Her doch wieder blicken ließ. Als jedoch nur noch 15 Kilometer zu fahren gewesen wären, zwang uns ein düsteres Gewitter dazu, auf einem kleinen Pass zu pausieren. Wir sondierten abwartend das Wettertreiben im Tal. Ein Teil der Gruppe fuhr mit dem Begleitfahrzeug vor, um die warmen Duschen im Jurtencamp bei Bornuur zu genießen. Ein anderer Teil fuhr zumindest ins Tal hinab und einer biss sich gar im Fahrradsattel durch das letzte Stück Schotterweg von der Straße weg.

Junge Pferde, runde Jurten (manche weiß, manche rostrot) sowie ein großes Holzhaus mit den Vorzügen der Zivilisation erwarteten uns. Nachdem wir wieder vollzählig waren und Quartier bezogen hatten, nahmen wir dort gemeinsam das Abendessen ein. Stünden die Jurten nicht am Abhang in Richtung der Hauptstraße in ein paar Kilometern Entfernung, könnte man meinen, wir wären in einem mongolisch angehauchten Landgasthof auf der Schwäbischen Alb gelandet. Sogar ein paar Flecken Wald ziehen sich hinter unserer Bleibe über die grünen Steppenhügel.


Durch die trockenen Winde nach Darkhan

116. Reisetag, vom Jurtencamp bei Sükhbaatar bis Darkhan, 121 km. Von Simon Preker.

Nach rund 65 Kilometern und reichlich Gegenwind fand in einem kleinen Landstraßenrestaurant die Staffelübergabe statt. Das Team, das sich über die letzten Monate in Russland bewährt hatte, kehrte nach Norden zurück und wir strampelten weiter nach Süden. Der mongolische Verkehr stellte sich im Vergleich zum russischen als weniger halsbrecherisch dar. In unregelmäßigen Abständen zogen vor allem gebrauchte Toyatas (trotz Rechtsverkehr mit dem Steuer rechts) mit winkenden Familien, meist ausreichend Abstand haltend, an unserer Gruppe vorbei.

Trotz der Wolken und des kühlenden Windes ließen sich die hohen Temperaturen bei jedem Schluck aus den aufgewärmten Wasserflaschen erahnen. In drei Zügen schafften wir schließlich die verbliebenen knapp 55 Kilometer bis zum Ziel; vorbei an saftig grünen Hügeln, den Himmel spiegelnden Gewässern, berittenen Hirten und „Obo“ (den für die Mongolei und Tibet typischen kultischen Steinhaufen).

In der erst 1961 durch sowjetische Hilfe gegründeten Stadt Darkhan wartete eine zwangsläufig erfrischende Dusche auf uns. Denn die zentralisierte Warmwasserverorgung in der Stadt — immerhin eines der wichtigsten urbanen Zentren des Landes — wird leider im Juli gewartet und war nicht funktionstüchtig.


Sommerhitze in Kjachta

114. Reisetag, von Gussinoosersk bis Kjachta, 124 km bei 28°C. Von Olga Korolenko.

Morgens nach dem Frühstück fuhren wir weiter zur russisch-mongolischen Grenze. Die ersten 51 km waren sehr angenehm – frisch und nicht zu sehr bergauf. Nach einem Anstieg von nur 2 km ging es dann wieder bergab. Unterwegs haben wir 4 Stupas gesehen (in dieser Region liegt der Geburtsort von vier Hauptlamas in Russland), dann ein buddhistisches Kloster und ein paar Kilometer weiter ein orthodoxes Kloster. Danach wollten plötzlich viele, viele Schafe und Ziegen die Autobahn überqueren. Für die Einheimischen ist das eine ganz normale Situation ?

Die Landschaft hat sich später total geändert – es gab keinen Wald mehr, sondern nur noch Hügel und Steppe. Dann kam wieder ein Nadelwald mit Pinien (pinus daurica) und wir dachten, dass dies ein schöner Ort sei, um ein Picknick zu organisieren. Viktor und ich haben einen Platz auf der Spitze eines Hügels gefunden. Nach dem Picknick ging es drei Kilometer den Berg hinunter, gerade nach dem Essen eine herrliche Abfahrt! Aber danach kam die Hitze, über 28 Grad – eine echte Herausforderung.

Acht Kilometer vor unserem Hotel stand eine Passkontrolle. Dort darf man keine Fotos machen, aber die Beamten waren sehr nett gewesen und auch ein bisschen erstaunt, dass einige von der Gruppe schon von Berlin mit dem Fahrrad gekommen sind.

Dann radelten wir noch 8 km in Richtung des Hotels. Als wir in die Stadt ankamen, wollte ich zum ersten Mal GPS benutzen, um den Weg zu finden. Das war keine gute Idee, wir haben eine Runde gemacht; es war unmöglich, mit diesem GPS auf der Straße zu fahren. Aber wir haben schöne Fotos von der höchsten Stelle der Stadt gemacht, und ebenso ein sehenswertes Monument entdeckt.

Bevor wir im Hotel angekommen sind, hat Viktor noch 8 Flaschen Bier für uns besorgt. Nach so einem heißen Tag war das etwas wirklich Gutes. Das Abendbrot haben wir in eine “Jurte” bestellt. Und dazu haben wir einheimisches Bier probiert, das “Der Schamane” hieß. Normalerweise bekommt man in diesem Restaurant kein Bier, sodass wir es schon vorher kaufen mussten.

Morgen werden wir die russisch-mongolische Grenze überqueren. Heute war somit der letzte Tag und das letzte Stück mit dem Fahrrad in Russland.


Das buddhistische Kloster Iwolginsker Datzan und Gartenmarkt in Orongoj

113. Reisetag, von Ulan-Ude bis Gussinoosersk, 124 km bei 15° bis 27°C. Von Olga Korolenko.

Morgens nach dem Frühstück im Hotel “Ulan-Ude” sind wir wieder weitergefahren. Nach 36 km Fahrt haben wir eines der Hauptklöster des Buddhismus in Russland erreicht – Iwolginsker Datzan (es wurde 1946 errichtet). Dort haben wir einen Rundgang gemacht und einige Tempel besucht (Tempel heißt auf Russisch “Dugan”, und buddistische Stupa heißt hier “Suburgan”). Dieses Kloster ist eigentlich eine Universität (mit nur drei Fächern: Astrologie, Medizin und Kunst) und stellt gleichzeitig das Zentrum des Buddhismus in Russland dar. Hier befinden sich die heiligen Gebeine des Hambo-Lama Itigelow. Er hat sich für den Lamaismus geopfert und ein Wunder vollbracht: Hambo-Lama Itigelow lag 70 Jahre unter der Erde; als er in den 90er Jahren ausgegraben wurde, hatte er noch flüssiges Blut und bewegliche Gelenke. Aber die heiligen Gebeine haben wir nicht gesehen – es ist nur acht Mal im Jahr möglich.

Nach dem Klosterbesuch fuhren wir weiter. Der nächste Stopp war ein Gartenmarkt in der Nähe der Siedlung Orongoj. Dort haben wir Honigmelonen und Wassermelonen vom Gewächshaus gekauft und drei Kilometer weiter einen kurzen Halt für eine Mittagspause eingelegt. In Orongoj kocht man die berühmten “Orongoj buuza (posy)”, diese Art von Teigtaschen ist zweimal größer als normale Teigtaschen ? Drei von uns haben das bestellt. Es war sehr lecker.

Fürs Mittagessen hat Viktor frisch gesalzene Gurken gekauft. Es war wirklich eine gute Idee. Nach dem Essen wollten wir nicht so viel fahren. Aber 46 km warteten auf uns. Gegen Abend sind wir dann beim Gästehaus angekommen und haben unsere Fahrräder in einem ganz kleinen Zimmer geparkt. Danach gab es Abendessen und eine Wassermelone. Morgen wird unser letzter Tag in Russland. Wird es heiß wie heute oder regnet es? Das werden wir morgen genau wissen. Dann – bis morgen!


Wasserwandern in Ulaan-Ùde, der Hauptstadt Burjatiens

Bilderbuch vom Ruhetag am 112. Reisetag in Ulan-Ude, bedeckt und regnerisch bei 18-20°C. Von Peter Frenzel.

Ein letztes städtisches Highlight auf russischem Boden erleben wir noch, genauer gesagt, auf burjatischem. Hier in Ulan-Ude (Улан-Удэ; burjatisch Улаан-Үдэ, Ulaan-Ùde), der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Burjatien leben mehr als 400.000 Menschen. Die russisch-orthodoxe und die buddhistische Religion harmonieren friedlich miteinander. Ulan-Ude ist das kulturelle, politische und wirtschaftliche Zentrum der Region.

Gegründet im Jahre 1666 wechselte der Ort mindestens viermal den Namen: Udinskoje simowje (Siedlung Udinskoje / Уди́нское) bis 1680, Udinski ostrog (1680–1690), Udinsk (1690–1735), Werchneudinsk bzw. Werchne-Udinsk (Верхнеуди́нск, 1735–1934) und seit dem 27. Juli 1934 nun Ulan-Ude (burjatisch für Rote Uda). Das Stadtrecht hat sie seit 1775. Übrigens, auch das Untere Udinsk (Nishneudinsk), die Geburtsstadt Innas, hatten wir besucht! Nachzulesen hier im Blog unter „Fahrt durch meine Heimatstadt mit besonderem Gefühl“ von Inna Popowa (7. Juli).

Von 1923 bis 1992 war Werchneudinsk / Ulan-Ude Hauptstadt der Burjatischen ASSR innerhalb der RSFSR, heute ist sie Hauptstadt der autonomen Republik Burjatien innerhalb Russlands. Von hier sind es rund 4.400 km Luftlinie bis Moskau und auch schon wieder 150 km bis zum Baikalsee … In der Stadt mündet der Fluß Uda in die Selenga.

In Ulan-Ude gibt es mehrere Universitäten und Hochschulen. Am Verkehrsknotenpunkt Ulan-Ude treffen sich die Transsibirische und dier Transmongolische Eisenbahn. Die Fernstraße P-258, über die wir hierher radelten, führt noch weiter bis ins ferne Tschita und hier beginnt auch „die Fernstraße föderaler Bedeutung“ A340, die die Republik Burjatien über 245 Kilometer mit der Grenze zur Mongolei bei Kjachta verbindet. Genau dahin radeln wir ab morgen weiter.

Olga begleitet uns beim Rundgang durch das Stadtzentrum und wir erfahren viel Interessantes über Burjatien. Beschriftungen an „offiziellen Gebäuden“ sind immer zweisprachig burjatisch und russisch.
Wie gefällt euch das Profilfoto unserer Gruppe am größten Lenin-Kopf der Welt aus Granit? Er ist allein 5 Meter hoch, das gesamte Monument 7,20 m! Übrigens, das Karl-Marx-Monument („dor Nischl“) in Chemnitz, der früheren Karl-Marx-Stadt, ist nur 60 cm „kleiner“ und damit immerhin die zweitgrößte Porträtbüste der Welt.

Nach etwas mehr als eineinhalb Stunden versuchen wir in einem Café etwas zu trocknen, was eher nicht gelingt, so durchgeweicht wie wir mittlerweile sind. Der Rückweg zum Hotel wird zu einer Art Kneipp-Kur, also Wassertreten auf allen Wegen im ablaufenden Regenwasser. Wir nehmen trotzdem einen sehr guten Eindruck und beste Erinnerungen an Ulan-Ude mit auf die weitere Reise.

Regenbilderbuch auf:


Eine echte Herausforderung mit kleinem Gebirgspass

111. Reisetag, von Possolskoje nach Ulan-Ude, 147 km bei 20°C. Von Olga Korolenko.

Am frühen Morgen sollten wir uns von Ulyana (der Gastgeberin) verabschieden und noch ein Stück von knapp 150 km weiterfahren. Das Wetter war sehr angenehm, nicht heiß und kein Regen. Wir sollten 12 km in Richtung Possolskoje zurückkehren und dann weiter die Hauptstraße entlang fahren. Kurz vor Ende von diesem Stück haben wir ein Schild gesehen mit dem Hinweis „40% Steigung“, solche steilen Steigungen sind uns noch nie begegnet. Aber ich vermute, es sollte 4% sein.

Danach ging es die Hauptstraße entlang, wo auf einmal der Wind aufkam. Die Landschaft war ganz flach, aber bei dem starken Wind war es ziemlich anstrengend, mit dem Fahrrad zu fahren (und natürlich blies der Wind ganz schön ins Gesicht). Es wurde von der Gruppe entschieden, die Mittagspause in einer Kantine zu machen; anfangs gab es dort keinen Tisch mehr, aber wir haben uns dann einfach selbst einen besorgt. Nach dem Mittagessen fuhren wir weiter und ca. 20 km später sollten wir einen ganz kleinen Gebirgspass überwinden. Um ehrlich zu sein, für einige von unserer Gruppe war diese Strecke von knapp 150 km plus der Gebirgspass eine Herausforderung. Aber wir wollten alles schaffen. Und das hat geklappt! Bergauf ging es nur die ersten 2 km von 9 km des Gebirgspasses, ich war die Letzte. Und… wir haben eine tolle Gruppe – sie haben auf mich gewartet, mich angefeuert und Sven und Gerhard haben mir noch eine Süßigkeit geschenkt.

Auf der höchsten Stelle des Gebirgspasses haben wir einen Mann aus Novosibirsk getroffen. Er sprach sehr gut Deutsch und wollte sich sehr gerne mit uns unterhalten. Am Ende des Gesprächs hat er uns eine Visitenkarte von sich gegeben. Und wir haben ihm den Aufkleber der „Radweltreise“ geschenkt. Dann konnten wir 7 km bergab fahren.

Nach der Abfahrt gab es einen wunderschönen Ausblick. Wir wollten unbedingt ein Foto machen. Die Landschaft wurde danach wieder flach.

Um 19 Uhr sind wir dann am Hotel angekommen, haben die Zimmer bekommen und um 20 Uhr in einem buryat-mongolischen Restaurant zu Abend gegessen. Als wir zurück zum Hotel kamen, war es fast schon Nacht, wir haben einen kleinen Stopp vor einer Fontäne gemacht (es spielte ein wenig Musik und das Wasser war mit Licht gefärbt). Dann blitzte es in der Ferne und wir vermuteten, dass es später in der Nacht noch gewittern würde.

Es war ein voller, anstrengender Tag, knapp 150 km dem Wind entgegen und mit dem kleinen Aufstieg. Aber wir haben das alles geschaffen, niemand ist im Auto gesessen. Und morgen werden wir dann einen Ruhetag in der Hauptstadt der Republik Buryatien genießen – in Ulan-Ude.


Ausruhen im Fischerdorf am Ufer des Baikal

Bilderbuch vom Ruhetag am 110. Reisetag in Possolskoje (Посольское), sonnig und warm mit frischer Meeresbrise. Von Peter Frenzel.

Das Fischerdorf Possolskoje wurde 1652 gegründet und liegt direkt am Baikal im Kabansker Rayon (Каба́нский райо́н; Burjatisch: Хабаансхын аймаг). Dieser ist 13.470 Quadratkilometer groß und hat ca. 60.000 Einwohner. In Possolskoje leben etwa 800 Menschen. Es gibt eine Schule, einen Kindergarten, ein Kulturhaus, ein Ambulatorium für die medizinische Versorgung, eine Poststelle und hier ist auch die wirtschaftliche Adminstration der Siedlung (администрация сельского поселения) sowie der Absatzgenossenschaft der Kabansker Fischfabrik. (СПК „Рыболовецкая артель“ Кабанский рыбозавод)

Die Grenzen zur Mongolei und zu China sind nicht weit entfernt, sodass es auch im 16./17. Jahrhundert für die Bewohner immer wieder neue Herrscher und Konflikte gab. Seinen Namen verdankt Possolskoje den 1651 hier gelandeten Botschaftern (posol) des russischen Zaren. Die „Botschafter“ waren unterwegs, um Steuern von der Bevölkerung einzutreiben.

Das Schiff, mit dem sie hier landeten, war folglich voll Gold, das ein Geschenk für die Mongolei war, um Brücken zwischen Russland und der Mongolei zu schaffen. Davon wollten sich die damals schon hier lebenden Burjaten und Mongolen einen Teil holen. Sie töteten 8 der „Botschafter“, darunter einen der Anführer, während die anderen mit dem Schiff entkamen. Zu Ihrem Gedenken wurde hier zunächst eine kleine Kapelle und danach die mittlerweile älteste orthodoxe Kirche in Transbaikalien errichtet. An der Kapelle erinnern 7 hölzerne und ein Steinkreuz an die getöteten „Botschafter“.

Dominierendes Bauwerk im Dorf ist ein großes orthodoxes Männerkloster direkt am Ufer. Zwischendurch war es auch Kloster für Nonnen. Es wird seit 18 Jahren vor allem mit Spenden rekonstruiert und neu aufgebaut. Die Mönche lebten früher von Ackerbau und Viehzucht, die Nonnen hatten sich auf die Herstellung von Kerzen spezialisiert. Wir dürfen das Kloster besuchen und erfahren bei einer Führung durch Olga viel Interessantes.

Wir wohnen unmittelbar gegenüber im komfortabel eingerichteten „Gästehaus am Baikal ‚Sofia’“. Ein wunderbares Plätzchen zum Übernachten, Ausruhen und zum Genießen malerischer Sonnenuntergänge.

Possolskoe liegt nicht nur direkt am Baikal, sondern auch am Südwestende des Selenga-Deltas. Die ursprünglich im Reiseplan vorgesehenen Höhepunkte („… Fahrt mit kleinen Motorbooten durch die Flussarme und … Gastfreundschaft der Wärter des ältesten Leuchtturms des Baikals … und das Wandeln … auf einer Sandbank 2 cm hoch über dem Wasser des Heiligen Meeres.“) waren leider vom Tagesprogramm gestrichen worden. ?

Olga, Karin B., Gerhard und Viktor machen mit dem Bus einen Kurzausflug zum Selenga-Delta und Viktor konnte endlich auch mal ein längeres Stück radeln. Gerhard hat dazu Fotos beigesteuert. Danke. Alle anderen genießen den sonnigen Tag beim Bummel durch das Dorf, am Strand, im See und auf der Terrasse.

Zum Abendessen sitzen wir zum dritten Mal im Kafe „Omuljok“,das schon so etwas wie unser Stammlokal in Possolskoje geworden ist.

Den Tag beschließen wir gemeinsam am Baikalsee mit leckerem heißgeräucherten Omul und lokalem Bier. Die Kräfte des ältesten und größten Sees der Erde werden uns auf den weiteren Radelwegen stärken.

Fischerdorf-Bilderbuch auf: