Spenden mit Ansage

Auf den Spuren der Khmer vom 29.10. bis 27.11.2011
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Hinweis: Dieser Blogeintrag wurde von der Teilnehmerin Renate Exner verfasst. Vielen herzlichen Dank!
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Uns zieht es weiter nach Nordosten, in den Isaan, eine Region, die flächenmässig fast ein Drittel von Thailand ausmacht und sich auf der Khorat-Hochebene in 800 bis 1000 m Höhe erstreckt. Dieses weite Land, in den Jahrhunderten davor umkämpft zwischen Laos und Thailand, befindet sich heute kulturell irgendwo zwischen beiden Ländern.

Bevor wir mit den Rädern den Spuren der Khmer folgen, wollen wir noch unsere Wasservorräte im Begleitbus großzügig auffüllen und werden endlich mal thailändische Großstadtluft einatmen. Auf der Fahrt nach Khorat, der Hauptstadt der Provinz Nakhon Ratchasima, lockt uns neben der Straße ein imposantes, sakrales Bauwerk, der Virhan (=Gedächtnisstätte) Luang Phor Toh. Ein in Thailand sehr populärer Schauspieler, Sorapong Chatree, läßt diesen Tempel zu Ehren des buddistischen Mönchs Luang Phor Toh errichten. Wie berühmt und beliebt dieser Mönch aus dem 19. Jahrhundert in Thailand immer noch ist, läßt sich für uns auch ohne große Kenntnis erahnen, so beeindruckend und gepflegt ist die große Anlage, an der seit Jahren weitergebaut wird. Luang Phor Toh lebens- und überlebensgroß, mit und ohne Gold, als Statue und gemalt, ist wieder und wieder abgebildet.

Als einzige Farangs (=Ausländer) dürfen wir nach der Besichtigung der Anlage gemeinsam mit mehreren hundert einheimischen Besuchern Nudelsuppe schlürfen. Das Essen ist eine milde Gabe, aber es darf gerne gespendet werden. Der Spender wird dann von einem Spendenwächter mit Mikrophon in ein Kurzinterview verwickelt und alle dürfen neben der Nudelsuppe erfahren, woher der edle Spender kommt und was ihm Gutes in Zukunft widerfahren soll. Danach trinken wir – noch immer auf dem Gelände der Anlage – in einem schnuckeligen Café ganz westlich Cappuchino, abgerundet mit einem Bananenmuffin.

Am Abend schieben wir uns durch das Großstadtgewühl von Khorat. Während des Vietnamkrieges war in dieser Stadt eine wichtige Air Base der US Army stationiert. Von hier aus wurden Nordvietnam und Kambodscha angegriffen. Mittlerweile ist das bald vierzig Jahre her und da 60 Prozent der Thais jünger als 25 sind, schwindet die Anzahl der Einwohner, die sich noch an diese Katastrophe und die GIs erinnern. 1967 allerdings waren ca. 40.000 US Soldaten in ganz Thailand stationiert, mehrere tausend davon sicher auch in Khorat. Heute abend scheinen wir aber die einzigen Westler in der Stadt zu sein – sie ist nicht gerade als Touristenhochburg bekannt.

Unser Abendessen ist ein Fest für den Gaumen, verschiedene Köstlichkeiten aus der Region. Währenddessen tobt eine heftige Geräuschkulisse um uns, zwei Fernseher wetteifern miteinander, der Verkehrslärm ist unermüdlich und die vielen Gäste des Lokals kämpfen sich mit ihren Stimmen durch diesen Geräuschpegel. Welcome to Asia!


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Das Blutbad

Auf den Spuren der Khmer vom 29.10. bis 27.11.2011
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Hinweis: Dieser Blogeintrag wurde von der Teilnehmerin Renate Exner verfasst. Vielen herzlichen Dank!
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Mental waren wir von Tommy bereits vorbereitet auf die Gefahren im Nationalpark: Bis zu den Elefanten könnten wir mit dem Rad an einem Tag leider nicht vordringen, dazu sei der Nationalpark zu groß. Die Tiger würden sichohnehin nicht zeigen und die Kobras seien im Grunde zu scheu. Worauf wir uns aber gefaßt machen müßten – sie sind nicht gefährlich, tun auch nicht weh, und manche Leute zahlen sogar dafür – seien die Blutegel. Bis wir zu diesen Blutsaugern vorgedrungen waren, lag allerdings eine Route mit mehr Anstieg als gedacht vor uns. Leider auch mit mehr Autoverkehr als üblich. Die Straße durch den Nationalpark ist tagsüber für PKWs geöffnet und wird momentan wegen der Überflutung der normalen Verkehrswege ausgiebig genutzt. So bekommen wir indirekt doch Auswirkungen der großen Flut zu spüren.

Am Eingang des Parks, gleich vor einem kleinen Tempel, erwarten uns dann alle Tiere auf einmal – allerdings aus Holz, sauber aufgereiht, als ob sie gleich in die Arche Noah einsteigen wollten. Leider ist der geplante Wanderweg gesperrt und wir müssen uns mit einem kurzen Abstieg zu einem kleinen Wasserfall begnügen. Das reicht aber, um einige scheue Warane und weniger scheue Hirsche und Affen zu sehen. Für die Blutegel müssen sich schließlich nur zwei tapfere Recken aus unserer Gruppe, Edgar und Ernst, opfern. Alle anderen kommen mit heiler Haut davon.

Hand auf’s Herz: Wer weiß, daß es auch einen weiblichen Buddha gibt? Auf unserer Radtour zurück ins Hotel werden wir angelockt von einer mehrere Meter hohen, goldenen Buddhastatue. Es handelt sich um Avalokiteshvara, den einzigen weiblichen Buddha, erzählt uns Andreas, unser Reiseleiter. Der Name stammt aus dem Sanskrit und sie ist die Göttin des universellen Mitgefühls. Wie passend – obwohl in unserem Fall ja schon das Mitgefühl mit Edgar und Ernst reichen würde. Avalokiteshvara steht auf einem gepflegten Rasen neben einem Kloster und einem prächtigen buddhistischen Tempel und kümmert sich sicherlich auch um die Kinder in der angeschlossenen Klosterschule.

Süßes Highlight am Nachmittag ist eine Spezialität der Region, die unser Foodscout Johann mit sicherem Auge auf einem quirligen Markt findet: Khao Lam! Klebreis gegart in einem Bambusrohr, vermischt mit schwarzen Bohnen und Kokosmilch. Einfach köstlich, und wir dürfen alle mal probieren!


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Wo ist das Wasser?

Auf den Spuren der Khmer vom 29.10. bis 27.11.2011
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Hinweis: Dieser Blogeintrag wurde von der Teilnehmerin Renate Exner verfasst. Vielen herzlichen Dank!
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Bangkok sollte der Ausgangspunkt für unsere Reise durch Thailand, Laos und Kambodscha sein. Nachdem die Wasserstandsmeldungen für den Chao Praya, der mitten durch Bangkok fließt, in den letzten Tagen vor dem Abflug aber immer dramatischer ausfielen und die Warnung vor einer möglichen großen Flut jetzt auch von offizieller Seite ausgesprochen wurde, mußten Andreas, unser Reiseleiter, und Tommy, unser thailändischer Guide, kurzfristig ein Auffanglager für die ersten zwei Tage finden. Morgens um sieben kommen wir in der Stadt der Engel an, alles in uns schreit nach einem Bett, denn ist es doch gerade 23 Uhr, das sagt meine innere Uhr mir unmißverständlich, aber Tommy, der uns am Flughafen in Empfang genommen hat, setzt uns in einen gut gekühlten Bus und findet, es sei doch gerade die richtige Zeit für einen Café, nicht wahr, Baby?

Unser Ziel ist also Khao Yai (= großer Berg), der älteste Nationalpark und eines der letzten Monsunwaldgebiete in Thailand. In diesem Jahr ist der Park genau 50 Jahre alt geworden und bietet noch mehr als 100 wilden Elefanten Lebensraum. Dort werden wir die ersten beiden Nächte in einem Resort Hotel verbringen.

Zwischen Dahindämmern, Zwischenstop am Früchteparadies und der ersten Version von Som Tam, dem fruchtig-scharfen Papaya-Salat, ohne den in Thailand kein Essen vollständig zu sein scheint, und der in den nächsten Tagen noch viele Versionen folgen werden, sind unsere Augen immer auf der Suche nach Zeichen der Überschwemmung. Aber die großen Becken neben unserer Route stellen sich als Fischfarmen heraus und die staubigen Straßen scheinen seit Wochen kein Wasser gesehen zu haben. Nach fünf Stunden Fahrt für 200 km wird aber klar, daß Tommy, bei dessen Schwester im Garten hinter ihrem Haus in Bangkok schon die ersten Krokodile gesichtet wurden, uns nur findig und mit Hilfe eines größeren Umwegs um alle „Wasserstellen“ herumgeleitet hat.

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