Biking in the rain? – Nö!

Auf dem Dach der Welt, vom 17.09. bis 10.10.2019
Besichtigung des Klosters Sera

Was sagt ein Tibeter, wenn man ihm nach dem Wetter fragt? Er erwidert: Das Wetter ist wie die chinesische Regierung – mal so, mal so. Diese Erfahrung haben wir heute am eigenen Leib gemacht. Also – auf’s Wetter bezogen. Nach einer regenreichen Nacht reißen die Wolken auf und wir frühstücken beim herrlichsten Sonnenschein. Frühestens mit unserem Aufbruch zum Radladen, das ist eine halbe Stunde später, regnet es heftig. Wir springen in unseren Bus, schreiben während der Fahrt einen Einkaufszettel, dann starten wir einen Großeinlauf. In zwei Einkaufswagen türmt sich unsere Beute: Thermoskannen, Suppen, Kekse, Obst, Kaffe, Tee, Cola und so weiter. Die zwei Flaschen Schnaps (bai jiu und yao jiu), standen zwar nicht auf dem Einkaufszettel, dürfen aber nicht fehlen. Auch gibt es keine Einhorntasse und keinen bunten Lolli für Susann, sie wird es hoffentlich verkraften.

Am Radladen angekommen wird gewechselt, geschraubt und justiert. Das braucht seine Zeit und als wir endlich fertig sind, na was wohl? Genau! Da regnet es schon wieder. Wir schieben also unsere Räder zurück in den Laden und flüchten in das benachbarte Restaurant. Hier gibts Jasmin-Tee und heiße Nudelsuppe, der wir ordentlich Chilisoße zusetzen. Und wer sagt’s? Kaum fertig gegessen, scheint auch wieder die Sonne prall und prächtig vom Himmel. Doch der Schock folgt auf dem Fuß, der Radladen mit unseren Rädern drin ist verriegelt und versammelt.Klar, es ist Sonntag und der Laden wurde nur für uns geöffnet. Nach einem kurzen Telefonat ist der Laden, wir satteln die Räder und sind abfahrtbereit. Dachten wir. Denn wir können sagen: René steht ab heute in der Pannenstatistik ganz weit oben und zwar mit dem ersten Platten noch bevor wir losfahren. Das hat beim meinen Touren bisher noch keiner geschafft. Aber der Schlauch ist schnell gewechselt und wir machen uns endlich auf zum Kloster Sera, einem der drei bedeutenden Debattier-Klöster Lhasa. Nach sechs lockeren Kilometerchen empfängt uns ein friedlicher, nahezu touristenfreier Ort. Tibeter aller Altersklassen schreiten die schattige Allee mit den Klosterhallen und Debattier-Höfen hinan. Kinder mit geschwärzten Nassen tollen und springen herum. Alles erscheint uns deutlich entspannter, leichter und freundlicher als direkt in Lhasa.

Nach der Besichtigung ist die Lust auf einen Kaffee groß und da Andrea und Sven in Hotelnähe ein Kaffee ausgemacht haben, was mit dem Slogan: Guten Tag es ist cafe Zeit, Ich spreche Deutsch, wirbt, ist der Entschluss schnell gefasst.

Der Café-Betreiber stellt sich als 40jähriger Tibeter heraus der lange in der Schweiz und auch in Deutschland gelebt hat und René gleichmal auf Schweizerdeutsch begrüßt. Der Kaffee ist wirklich lecker und Delek hat uns schon ganz schlau nicht im Café sondern im gegenüberliegenden Kunsthandwerksladen platziert, den er auch betreibt. Unter den vielen schönen Dingen werden Andrea, Sven und Susann schnell fündig. In einer versteckten Ecke entdecke ich einen wunderschönen gestickten Thanka, den ich Susann und René zeige, die auch sofort begeistert sind (siehe Foto). Zu guter letzt schenkt Delek Susann noch eine originale Kuhglocke für ihre Sammlung.

Was gab es also heute? Ein bisschen shopping, ein bisschen Sport, ein bisschen Kultur und noch ein bisschen shopping. Und da ja bekanntermaßen gutes Essen Leib und Seele zusammenhält, verabschiede ich mich für heute zum Abendessen.

Print Friendly, PDF & Email

Auf und Ab am Mekong

Die Oberen Schluchten des Mekong, vom 12.09. bis 03.10.2019

Von Cizhong nach Weixi, 138 km, über 1.200 Höhenmeter

Nach der obligatorischen Nudelsuppe und dem Gruppenfoto mit der Familie des Gästehauses geht es auch schon los: Auf und Ab, am Mekong entlang, Auf und Ab und Auf und Ab. Dabei sind auf 138 km gute 1.200 Höhenmter zusammengekommen. So genau weiß ich es nicht, weil sich mein Garmin verabschiedet hat. Es will einfach keine Satelliten mehr finden, obwohl über China genügend Satelliten herumkreisen. 

Nach einigen Tunnels ziehen die ersten Reisfelder vorbei. Die Landschaft ist nicht mehr so spektakulär wie gestern, eher lieblich mit vielen Dörfern in den Hängen und noch mehr Landwirtschaft. Der Mais ist geerntet und hängt zum Trocknen an den Balkonen, der Reis wird teils auch schon eingeholt, außerdem ist Walnusszeit. Die ersten Blättter verfärben sich, es wird langsam Herst in Yunnan. Zwei Staustufen passieren wir, danach wird der Mekong wieder zu dem reißenden Fluss, den wir gestern kennengelernt haben. Im letzten Drittel der Fahrt verlassen wir das Mekongtal und biegen in Richtung Yangtze ab. Kurz vor unserem Zielort Weixi, den wir kurz nach sechs erreichen, nimmt der Verkehr dann zu. Es war ein langer Tag und ich bin froh, mal nicht mehr auf dem Sattel zu sitzen, und gleich in mein Kingsize Bett zu fallen, deswegen sollen diese Bilder genügen: 

 

Print Friendly, PDF & Email

Die sechs Heiligen aus dem Abendland mit ihren vierzehn Gesichtern

Auf dem Dach der Welt, vom 17.09. bis 10.10.2019
Besichtigung des Potala-Palastes und des Jokhang Tempels

Die Sonne scheint, es gibt Frühstück und wir haben noch bis 12:30 Uhr Zeit bis zu unserem ersten Besichtigungstermin, dem Potala-Palast. Also lassen wir es entspannt angehen. Erinnern uns an die Ankunft und an die weißen Schals, die wir zur Begrüßung umgelegt bekommen haben. Die Begrüßung mit weißen Schals ist eine tibetische Abwandlung einer indischen Sitte, wo den Neuankömmlingen zur Begrüßung Blumenketten gereicht wurden.

Wir sinnieren darüber, wie diese Schals am besten und nutzbringenden einzusetzen wären und finden die Idee des Schweißtuches am attraktivsten: 14 Radtage -14 Abdrücke unserer tibetstaubbedeckten Gesichter.

Pünktlich 12:30 fahren wir dann die kurze Strecke zum Potala-Palast. Unser tibetischer Guide Sam hat eine ganz besondere Beziehung zu diesem Ort, denn sein Großvater stammt aus der zweiten Linie des Dalai Lama und er selbst lebte bis 1959 auf diesem Gelände. So erfahren wir vieles auch sehr persönliches über die Geschichte und das Leben hier. Gut dreieinhalb Stunden lauschen wir gebannt Sams Ausführungen und Geschichten. Damit unsere Reise unter guten Sternen steht, hat Sam seine Beziehungen spielen lassen und wir erhalten die Segnungen und guten Wünsche zweier Mönche des Ordens.

Es ist bereits später Nachmittag als wir den Potala verlassen. Ein letztes Mal genießen wir die Aussicht, jetzt von der Rückseite des Palastes über das weitgestreckte Lhasa-Tal und die sanften Hügel auf denen die Wolken ihre Schatten werfen. Wir stärken uns mit Kaffee und Tee, dann geht es weiter zum Jokhang, Tibets Nationalheiligtum. Wir müssen uns sputen, denn man wird nur bis 18 Uhr eingelassen, aber wenn ist man erstmal drin, kann man mehr oder weniger bleiben solange man will. Dieser Tempel wurde vom tibetischen König Songtsen Gampo im siebten Jahrhundert errichtet. Dieser für den tibetischen Buddhismus so wichtige Herrscher, ehelichte drei Frauen: eine tibetische, eine nepalesische und eine chinesische. Genauso vereint der Jokhang den tibetischen, nepalesischen und chinesischen Stil. Es ist unglaublich wie gut erhalten und lebendig heute noch die 1400 Jahre alten Wandmalereien und Schnitzereien sind!

Als wir im Innenhof ankommen, wird gerade heilendes Wasser – ein Aufguss aus medizinischen Kräutern- an chinesische Touristinnen verteilt. Dieses Wasser, so unser Guide, heile Augenkrankheiten, sei gut gegen hohen aber auch niedrigen Blutdruck und verschönere die Haut der Frauen. Man müsse nur daran glauben. Einer seiner Freunde konnte eine Augen-OP abwenden, indem er sein krankes Auge dreimal täglich mit dem Heilwasser wusch.

Es sind zwar noch einige Gruppen unterwegs, dennoch wirkt das Areal in der Abendstimmung angenehm ruhig. Das liegt wohl auch daran, dass der Jokhang vor allem morgens und vormittags den vielen Pilgern vorbehalten ist.

Es war ein interessanter, ausgefüllter und schöner Tag. Die vielen Eindrücke, Gerüche, Farben und Bilder müssen erstmal verarbeitet werden.

Morgen steigen wir endlich auf die Räder und schauen mal, wie gut wir schon an die Höhe angepasst sind.

Print Friendly, PDF & Email

Von Kirchen und Wein am Mekong

Die Oberen Schluchten des Mekong, vom 12.09. bis 03.10.2019

Von Deqin nach Cizhong, 70 km, davon etwa 1.500 m Abstieg und meist am Mekong entlang

Die Grillen zirpsen, nebenan raucht der Bach, und auch die anderen Gäste aus Dali verabschieden sich langsam in ihre Betten. Wir sind angenehm satt und haben ausgiebig vom Rotwein gekostet, den wir den Missionaren aus der 1880er Jahren zu verdanken haben.

Heute früh hingen die Wolken tief, auf der steilen Abfahrt Richtung Mekong hat es noch geregnet. Am Mekong wird es dann besser, ein Panorama jagt das nächste. Was ist die berühmte erste Biegung des Jangste schon gegen jene Wendungen, die der Mekong hier nimmt. Gegen halb drei kommen wir in Cizhong an. Der kleine Ort ist bekannt für seine katholiche Kirche, die während der Tibetmission in den 1880er Jahren von französischen Jesuiten hier aufgebaut wurde. Wir unterhalten uns mit einem der beiden Pfarrer. „Wir halten hier unsere Sonntagsmesse mal auf Chinesisch und mal auf Tibetisch. Denn einer unserer Pfarrer kommt aus Tibet.“ erzählt er. Ein Gehalt bekommen sie nicht. Sie sind von den Spenden der 600-Seelen-Gemeinde abhängig. „Sonnatgs ist die Kirche voll, etwa 100 Gläubige kommen hierher“. Der Rest muss auf dem Feld arbeiten oder ist anderswo beschäftigt. Ein ganz guter Schnitt, wie ich finde. Ganz in der Nähe gibt es noch vier andere Kirchen, die die Pfarrer bedienen müssen. Auch in China herrscht ein Mangel an Nachwuchspriestern. Eine Haushälterin haben sie nicht, Rente gibt es keine, also arbeitet der hiesige Pfarrer so lange es geht. Ich frage nach Messdienern. Die kenne er, habe aber keine. Ich erzähle, dass in Deutschland die Pfarrer oft Freundinnen haben, heimlich natürlich. Er lacht, ja, natürlich sei das in China auch so, genauso heimlich. Aber in der Stadt sei es einfacher, in einem kleinen Dorf eher unüblich.

Nach dem Rundgang durch die Kirche finden wir uns bald wieder in unserer Herberge ein. Wir haben schöne Holzzimmer im Obergeschoss, davor eine kleine Dachterrasse, auf der wir unsere Wäsche trocknen. Das Abendessen stammt wieder aus dem Gemüsegarten hinter dem Haus, der Weinberg ist etwas weiter entfernt. Der Wein schmeckt etwas ungewöhnlich, aber nicht schlecht. Schließlich sitzen wir zu zehnt am Tisch. Zu uns sechst gesellen sich unsere Fahrer Xiao Luo und Xiao Ding, ihre Tochter WenWen und die etwa gleichaltrige Tochter des Hauses, die froh ist, eine Spielkameradin gefunden zu haben. Nebenan sitzen ein paar Gäste aus Dali, die sich ihr Abendessen selbst gekocht haben. Bei Wein und Schnaps wird es gesellig, so lässt es sich leben. Unser Dank gilt hier den Missionaren, die mit der Religion auch den Weinanbau in diese Gegend gebracht haben.

Abendessen bei den katholischen Gastgebern:

 

Print Friendly, PDF & Email

Ausspannen mit Aussicht

Die Oberen Schluchten des Mekong, vom 12.09. bis 03.10.2019

Halbtagesausflug zum Feilai Tempel und Ausspannen mit Aussicht

Bilderbuchwetter am Meili Snow Mountain. Deswegen sollen heute auch hauptsächlich die Bilder sprechen. Nur so viel: wir hatten wirklich Glück, die Sonne scheint, es ist warm, und wir haben den Feilai Tempel und die große Aussichtsplattform mit den Stupas wieder einmal fast für uns allein. Bis auf eine Gruppe, die ein Video für den nächsten Vermarktungsfilm dreht. 

„40 Yuan Eintritt zur Plattform? Was gibt es denn da alles zu machen?“ frage ich mal, obwohl der Blick auf die gegenüberliegende Kette der Meili Schneeberge schon umwerfend ist. „Ihr könnt noch 8 Kilometer um den kleinen Hügel fahren, fast flach, mit den Fahrrädern wohl kein Problem“, war die Antwort der Ticketverkäuferin. Das war der Tipp des Tages. Denn die Rundfahrt auf der kleinen Straße gibt nach und nach den Blick in jede Richtung frei. Völlig ohne Verkehr und einfach zum Genießen. Den Rest des Ausflugs verbringen wir damit, auf die Berge zu schauen und abzuschalten. Es war toll, obwohl sich die Spitze des höchsten Gipfels nicht ganz gezeigt hat. 

PS: Der höchste Gipfel der Meili Snow Mountains ist der 6.740 m hohe Karwa Karpo, der noch nie bestiegen wurde. Nachdem eine 17-köpfige Expedition Anfang 1991 an diesem Berg verunglückt ist, wurden weitere Versuche verboten. Wir haben zwar nicht den Karwa Karpo, aber dafür die Spitze des 6.379 m hohen Nairi Dingka Gipfels gesehen.

PPS: Später gab es noch Massage für alle und eines der besten Essen auf dieser Tour.

 

 

 

 

Print Friendly, PDF & Email

Willkommen im Schneeland

Auf dem Dach der Welt, vom 17.09. bis 10.10.2019
Zugfahrt und Ankunft in Lhasa

Es ist 7 Uhr, gefühlt schlafe ich seit etwa 30 Minuten und träume nur Schwachsinn, als mich lautes Gedudel aus dem Lautsprecher weckt. Gerade will ich den verrutschten Ohrstöpsel zurück ins rechte Ohr schieben, da höre ich Svens Stimme: Katharina, der Winter ist da! Ich schaue ungläubig durchs Fenster, glaube ich träume noch. Draußen unendliche weiße Weite über die gerade die Sonne aufgeht. Ich denke nur: Oh je! Kalt!

Wir gehen ins Abteil zu den Anderen. Erstmal Frühstücken. Kaffee, Joghurt, Obst, Kekse. Vor dem Zugfenster ziehen Yakherden vorbei. Der Schnee ist mittlerweile verschwunden und vor unseren Augen breitet sich eine steppenartige, weite Graslandschaft aus, eingerahmt von (scheinbar) flachwelligen Hügeln. Am nahen Himmel strahlt eine Sonne, die das Abteil noch zusätzlich aufheizt.

Wir stellen Berechnungen an, wann wir den Kilometerangaben zu folge die höchste Stelle, den Tanggula-Pass, von 5072 m passieren. Gegen 14 Uhr müsste es so weit sein. Erschöpft vom Müssiggang ziehen wir uns jeder auf seine Liege zurück, verbringen die Zeit bis zum Mittagessen lesend und dösend.
Im Speisewagen warten wir dann auf den Höhepunkt im wahrsten Sinne des Wortes. Die Zeit verstreicht. Gegen 14:30 Uhr wundern wir uns, daß wir immer noch so ziemlich gleichmäßig auf ebenem Gelände auf etwa 4700 m herum fahren. Erfahren dann, dass wir den Pass schon längst passiert haben, gegen 12:30 Uhr! Da haben wir dann wohl geschlafen. Sven und ich erinnern uns, dass etwa um diese Zeit unsere Abteilgenossen sich die Sauerstoffschläuche in die Nase gesteckt haben. Das hätte uns doch ein Zeichen sein können! Mist! Warum haben wir da nicht mal aus dem Fenster geschaut!

Die Einreise in Tibet ist dann zwar chaotisch, aber wider Erwarten ziemlich entspannt. Es ist schon nach acht als wir im Hotel ankommen, deswegen werfen wir nur alles schnell ab um uns ein Restaurant für das Abendessen zu suchen.

Print Friendly, PDF & Email

Der Tag der geschlossenen Türen

Auf dem Dach der Welt, vom 17.09. bis 10.10.2019
Bummeln in Xining und 2000 km nach Lhasa …mit Zug

Unser Zug, der uns auf 22stündiger Fahrt nach Lhasa bringen wird, fährt gegen halb zehn Uhr abends ab. So bleibt uns noch ein voller Tag in Xining- Provinzhauptstadt und einzige Millionenstadt von Qinghai.

Mittlerweile sind auch Andrea und Ulrich eingetroffen und unserer kleine Gruppe ist vollzählig. Wir genießen das reichhaltige Frühstück in dem Bewusstsein, daß sich das bald ändern wird. Danach geht jeder so seiner eigenen Wege. Andrea und Ulrich wollen die Stadt und ihr Leben erkunden und begeben sich in Richtung Moschee.
Obwohl der weitaus größte Bevölkerungsanteil hier han-chinesisch ist (über 75%), ist vor allem im Einzugsbereich der beiden großem Moscheen das muslimische Leben sehr präsent.

Sven begibt sich auf die Suche nach chinesischen Comics für die Nichten und Neffen. Da er schon gestern, trotz umchinesisch großer Füße, erfolgreich beim Schuhkauf war, ist er auch jetzt guter Hoffnung. Wir, Susann, René und ich begeben uns zum Provinzmuseum um etwas mehr über die tibetische Kultur und die Geschichte dieser Stadt zu erfahren. Nach einer Fastumrundung des Museumsgebäudes müssen wir allerdings feststellen, daß das dieses wegen Renovierungsarbeiten bereits seit April diesen Jahres geschlossen ist. Kurz überlegen wir in das benachbarte Kunstmuseum zu gehen, entschließen uns dann aber zurück zu spazieren, anderthalb Stunden auf 5 km, das muss reichen um rechtzeitig zum Auschecken im Hotel zu sein.

Es ist 14 Uhr und wir sind abfahrbereit. Das Problem: Der Bahnhof liegt nur 5 Fahrminuten vom Hotel entfernt, wir aber haben noch etwa 7,5 Stunden bis zur Abfahrt des Zuges, die wir nicht unbedingt auf dem Bahnhof verbringen wollen. Was tun? Erstmal in der Hotelbar gemütlich Kaffee und Tee trinken. Eine Empfehlung unseres Guides ist das hängende Kloster am Lao Shan. Das ist uns schon auf dem Weg zum Museum aufgefallen. Die am roten Sandsteinfelsen klebenden bunten Gebäude haben einen guten ersten Eindruck hinterlassen. Insbesondere die steile Treppe! Ein gutes Konditions- und Höhentraining, das wir gerne absolvieren würden.
Um eine kurzen Einblick in die Geschichte dieses Ortes zu geben: bereits im 2 Jh v.Chr. soll es hier einen Konfuziustempel gegeben haben, der später durch einen lamaistischen Tempel ersetzt wurde, die jetzigen Gebäude dagegen sind relativ neu. In der Qingzeit wurden die Felshöhlen dann von Rebellen als Unterschlupf genutzt.

Vor der imposanten Eingangshalle angekommen, müssen wir allerdings auch hier feststellen, daß geschlossen ist. Oder vielmehr gesperrt. Für die kommenden drei Jahre, denn durch andauernde Regenfälle ist der Boden instabil und der Anstieg zu gefährlich geworden. Wir spazieren noch ein wenig den Weg vor der Anlage weiter bis der sich in einer aufgeweichten Lehm-Piste verliert.

Dann eben zurück.
Mittlerweile sind alle hungrig und wir halten eine ausgiebiges „Linner“ ab. In den dreieinhalb Stunden schaffen wir es auch fast, das ganze Festmahl zu verdrücken. Dann noch Obst, Snacks und Nudelsuppen kaufen und ab zum Bahnhof. Abgesehen von den gefühlt 77.000 Kontrollen unserer Pässe, Tickets und Permits läuft es hier ziemlich entspannt ab. So etwas bin ich von chinesischen Bahnhöfen nicht gewohnt.
Wir geben uns lesend, dösend und sinnierend der Verdauung hin, bis wir zur Ticketkontrolle gerufen werden. Erst da fällt uns auf, daß Andrea verschwunden ist. Also wieder ablegen, hinsetzen, warten – uns bleiben ja noch entspannte 30 Minuten biz zur Abfahrt.

Im Zug dann wird die erste Flasche Schnaps geköpft. Da die Höhe uns eh Kopfschmerzen verursachen wird, brauchen wir uns hier auch keinen Zwang mehr anzutun. Von Innen gut aufgewärmt verschwinden wir in unserer Betten.

Print Friendly, PDF & Email

Waschtag

Die Oberen Schluchten des Mekong, vom 12.09. bis 03.10.2019

Von Benzilan nach Shusong, 35 km, über 1.700 Höhenmeter

Heute haben wir Zeit. Es wird Wäsche gewaschen, gelesen und geschrieben. Harald repariert seinen Koffer. Dabei haben wir auf 35 Kilometer schon 1.176 Höhenmeter gemacht, das Kloster Dongzhulin besichtigt und die obligatorische Nudelsuppe gegessen. Trotzdem erreichen wir das „Ökohotel“, wie Volker es während seiner letzten Tour getauft hat, um halb drei. Es gibt einen gut bestückten Gemüsegarten, eine Wäscheleine und kein WLan. Richtig Urlaub also. Die Temperaturunterschiede sind enorm. Bei der Ankunft auf ca. 3.100 m Höhe hat es leicht genieselt und es war kühl. Jetzt ist die Sonne herausgekommen und wir haben uns optimistisch die Stühle vor die Tür  gestellt. Schließlich hat es nur noch Emmerich ausgehallten, die Sonne ist einfach intensiv.

Im Kloster Dongzhulin hatten wir Glück. Acht Mönche lagen auf einer großen Platte und arbeiteten an einem Sandmandala. Sie nutzen dafür sehr kräftige Farben. Die Farbe besteht aus feinen Körnern und wird zuerst in eine Art Metalltrichter gegossen, und anschießend herausgeklopft. Oder besser gesagt herausgerieben, denn der Trichter hat eine sägezahnähnliche Leiste, auf der vorsichtig gerieben wird, um die Körner auch ja an die richtige Stelle rieseln zu lassen. Ein älterer Mönch begutachtet das entstehende Werk kritisch, um immer wieder Korrekturen anzumahnen. Hier ist es nicht gerade, da muss noch etwas Sand hinzugefügt werden. Für das ganze Bild brauchen sie vier Tage. Heute haben sie angefangen. Das ganze Kloster ist sehr sehenswert, das meiste neu und von hoher Qualität. Wir dürfen die steilen Treppen über zwei Etagen bis ins Obergeschoss hochsteigen, wo ein Mönch eine Trommel schlägt. Vielleicht übt er für Trancetänze? Sie ist jedenfalls laut und rhythmisch ansteigend. Hoffentlich hat der Trommler Ohrstöpsel, denn für uns ist es schon kaum auszuhalten. Weil in den Hallen fotografieren nicht erlaubt ist, ist hier die Fantasie der Leser gefragt.

Unser Mittagessenn nehmen wir in einem kleinen Straßenrestaurant ein. Nudelsuppe und gebratener Reis steht auf der Karte. Unterwegs haben wir auch die Große Biegung des Jangtse bewundert, einer der 180-Grad-Schleifen, die den Kurs des Flusses stark verändert. Eine etwas berühmtere Biegung werden wir noch sehen, wenn wir nach Shigu kommen.

Die recht steilen Hänge sind von kleinen Straßen durchzogen, die sich in Serpentinen bis nach oben winden. Wir folgen der 214, die hier etwas gemächlichere Serpentinen aufweist. Es ist eine alte Handelsroute, die bis nach Lhasa führt. Diese Route wird spätestens seit der Olympiade in Peking 2008 auch gern von einheimischen Radfahrern genutzt. Direkt nach der Olympiade hat es einen regelrechten Boom auf dieser Route nach Lhasa gegeben. Heute haben wir jedenfalls zwei chinesische Radfahrer mit Gepäck getroffen, der eine ist auf dem Weg von Lijiang nach Lhasa und plant dafür 18 Tage ein. Der andere hat wie wir den Meili Snow Mountain zum Ziel. Zwei weitere sind uns entgegen gekommen. Wir biegen ab Deqin nach Süden ab. Mal sehen, ob wir dann auch noch auf andere Radfahrer treffen.

PS: Heute hatten wir auch unseren ersten Platten der Tour. Harald hat den Anfang gemacht. 

Print Friendly, PDF & Email

Wetterwechsel

Auf dem Dach der Welt, vom 17.09. bis 10.10.2019

30 km einfache Fahrt mit Mini-Büschen

Gemächlich geht es los heute. Es ist Eingewöhnen angesagt – zu allererst an die Höhe. Von knapp über dem Meeresspiegel auf etwa 2300 m, denn so hoch etwa liegt Xining, bevor es dann morgen per Bahn nach Lhasa über 5000 m hohe Pässe geht. Das fällt uns eigentlich recht leicht. Viel unangenehmer ist der Wetterumschwung und der Temperatursturz. Während ich in Beijing noch 28°C und blauen Himmel genießen konnte, starten wir hier bei 7°C und Wolken. Steigerung nach unten möglich: Ab nachmittag 7°C und Regen. Was haben wir nur falsch gemacht, dass bei unserer Ankunft schon der Himmel weint?

Während uns unser beheiztes Hotelzimmer noch mollige Wärme vorgaukelte, frösteln wir uns nach kurzer Autofahrt in Richtung Kumbum-Kloster oder chinesisch Ta’er si (Pagodenkloster). Dieses Kloster ist eines der sechs wichtigsten Lehranstalten der „Gelbmützen“ und wurde, so sagt es die Legende, am Geburtsort des Ordensgründers Tsongkhapa errichtet. An der Stelle wo seinerzeit, sprich 1357, die Nabelschnur durchtrennt wurde, entsproß aus dem dabei vergossenem Blut ein weißer Sandelholzbaum, dessen 100.000 Blätter niemals abfielen und die wiederum 100.000 Bildnisse Buddhas trugen. Der tibetische Name Kumbum Champs Ling bedeutet soviel wie Kloster der 100.000 Bildnisse des Buddha Maitreya. Später errichtete Tsongkhapas Mutter zu Ehren ihres Sohnes an dieser Stelle eine Pagode. Wieder später wurde hier zunächst eine kleines Kloster errichtet bis dann im ausgehenden 16. Jh hier die erste Studienfakultät durch den 3. Dalai Lama eingerichtet wurde.

Auf dem weitläufigen Gelände mit den unzähligen Hallen kann man gut vier Stunden verbringen. Mandalas umrunden, trommelschlagenden Mönchen lauschen, den Duft alten Holzes und brennender Butterkerzen einsaugen, der uns alle ein wenig an Weihnachten erinnert.

Ordentlich durchgefroren machen wir uns dann auf dem Weg zurück ins Hotel. Der Wunsch nach Gemütlichkeit verbunden mit einem Heißgetränk läßt uns aber vorerst noch einen Abstecher in die nahegelegene Shopping-Mal machen, in der Hoffnung, da etwas Kaffee- oder Teeartiges aufzustöbern. Und wir werden fündig. Im 5. Stock genießen wir frische Waffeln mit heißem Cappuccino. Gegen halb sechs dann landen wir zufrieden und aufgewärmt im Hotel und freuen uns auf unser erstes richtiges Abendessen in China!

Print Friendly, PDF & Email

Eine unglaubliche Geschichte

Die Oberen Schluchten des Mekong, vom 12.09. bis 03.10.2019

Von Balagezhong nach Benzilan, mit einem halben Tag Staunen in Balagezhong

Unser Hotel ist ein Kaderhotel, das Frühstücksbuffet gibt es in einer großen Halle mit noch größerem Bildschirm. Dort wird schon die Geschichte von Balagezhong erzählt.

Sightseeing auf Chinesisch bedeutet meist: in einen Bus einsteigen, sich vom Guide am Mikrofon berieseln lassen, dann und wann ein Fotostopp und gemeinsames Mittagessen. Alles hübsch bemessen und am besten keinen Schritt von der Masse entfernen. Wir haben Glück, den ersten großen Bus wollen außer uns sechs Langnasen nur noch zwei Touristen aus Vietnam und drei Reisende aus China nehmen. Also keine Gruppen, keine Megaphone, sogar den Guide schenkt man sich, weil die Hälfte der Leute ihn ohnehin nicht verstanden hätte. So muss der Fahrer uns an den fünf Stopps sagen, wann er gern wieder abfahren möchte. Sehr angenehm. Sehr leise und sehr unspektakular für chinesische Verhältnisse. Für das Spektakel sorgt allerdings die Landschaft.

Aus den angekündigten viereinhalb Stunden sind gute sechs Stunden geworden. Und es hat sich gelohnt. Wer braucht die Tigersprungschlucht, wenn es Balagezhong gibt. DIE neue In-Destination in Yunnan. Auch viele chinesische Stars kämen hierher, so berühmt sei der Ort mittlerweile. Aber starten wir von vorn: ein Dorf hoch oben in den Bergen, unten die tiefe Flußschlucht, keine Straße weit und breit, der gefährliche Fußweg in die nächste Stadt dauert fünf Tage. Ein zehnjähriger Junge hat sich am Auge verletzt. Er hat das Dorf bisher noch nie verlassen. Sein Vater aber beschließt, das Risiko auf sich zu nehmen und steigt mit dem Jungen ab, die Felswände fallen steil ab und auf dem schmalen Pfad ist Ankommen auch Glückssache. Im Krankenhaus dann die Enttäuschung. Es ist zu spät, das Auge des Jungen kann nicht mehr gerettet werden.

Das soll niemandem mehr passieren, denkt sich der Junge und macht es sich zur Lebensaufgabe, eine Straße in sein Dorf zu bauen. Diese Geschichte wird von einer der berühmtesten Moderatorinnen Chinas über Millionen Bildschirme verbreitet. Bei den Zuschauern im Studio kullern die Tränen. Sehr ergreifend. Leider hat der Vater des Jungen die Vollendung seines Werks nicht mehr miterlebt. Noch mehr Tränen, da heult man vom Zuschauen fast mit. Denn das alles läuft natürlich auch im Bus während der kurvigen, steilen Fahrt hinauf und hinauf. Wie es auch immer geschehen ist, die Straße ist da, und mittlerweile fest in den Händen des Tourismus. Und wir finden uns plötzlich irgendwo zwischen Himmel und Erde wieder, über uns Wolkenfetzen, tief unter uns der Fluss.

Busparkplatz, Skywalks, Aussichtsplattformen mit Glasböden, Museumsdörfer und neu erbaute Tempelanlagen. Das alles weit oben in den einst so unzugänglichen Bergen. Und Flying Fox gibt es auch. Puh, soviel muss man erst einmal verkraften. Hier die Bilder. 

Wie um wieder geerdet zu werden, folgt unten abgekommen ein Spaziergang am Fluss und Treppen in enge Schluchten hinein. Nur der Wasserfall war gesperrt. Jammern auf hohem Niveau. Unglaublich, dass wir diese Landschaft fast für uns allein hatten, denn die Busse fahren im 40-Minutentakt, so dass wir einen guten Vorsprung vor den anderen wesentllich volleren Bussen hatten.

Dann rollen wir noch knappe zwei Stunden mit dem Rad nach Benzilan, wo uns ein Festessen erwartet. Denn die Tochter unseres Fahrerpäarchens hat heute Geburtstag. Ich denke, für einen Tag reicht das.

Print Friendly, PDF & Email