Willkommen im Reich Lang Sam

Land der Tausend Elefanten, 16.12.2011 bis 8.1.2012

1./2. Tag, Anreise nach Vientiane

Jede Fernreise beginnt mit einem beherzten Schritt durch die Raum-Zeit-Schleuse. Sie wissen, was ich meine. In früheren Zeiten war man Tage, Wochen oder auch Monate unterwegs. Mit der Postkutsche. Oder dem Schiff. Durch eine sich vor dem Fenster ganz allmählich wandelnde Landschaft.

Heute reichen für vergleichbare Reisen bereits einige Stunden aus, dank der rasanten Raum-Zeit-Schleuse. Wer sie betritt, dessen Welt scheint sich schlagartig von jetzt auf gleich aufzulösen, verschwindet einfach. Das ist aber nicht schlimm. Denn sobald man die Schleuse wieder verlässt, findet man eine neue und mit etwas Glück gar nicht so unangenehm veränderte Welt vor.

Wir waren jedenfalls sehr zufrieden, als wir gestern aus der Schleuse traten. Es hatte uns nach Vientiane verschlagen. Aus dem Main war der Mekong geworden. Aus Orkanböen eine sanfte, milde Brise. Aus Frostgraden tropische Wärme. Und aus einer Gruppe deutscher Radler ein furchtloses Expeditionsteam, zu allem entschlossen.

Das ist gut so. Schließlich lautet unsere Mission, in den nächsten Wochen die wilden Landschaften des nördlichen Laos zu erkunden. Nur unsere Fahrräder und wir. Dazu können wir solch ideale Bedingungen gebrauchen.

Yong und Laa sind noch dabei, unsere laotischen Begleiter von Green Discovery. Nicht dass wir Hilfe bräuchten. Die beiden sind vielmehr geschickt worden, um im Auftrag ihrer Landsleute aus der Nähe zu beobachten, wie mutig und tapfer wir uns schlagen. Über abenteuerliche Straßen. Steile Pässe. Verwegene Abfahrten. Wilde Flüsse. Durch dichten Urwald. Diese Gelegenheit gewähren wir Ihnen natürlich gerne.

Bei der ersten Orientierung hier in Laos sind wir bereits sehr erfolgreich gewesen. Yong und Laa werden das bestätigen. Wir haben viel gelernt, gleich am ersten Tag. Das frühe laotische Königreich Lane Xang (sprich: Lann ßang) zum Beispiel hatte Christof ja schon erwähnt. Was er sicher auch wusste, aber aus Kollegialität noch nicht verraten hat (denn worüber sollte ich sonst schreiben?):

Vom Namen dieses laotischen Königreichs leitet sich interessanterweise das deutsche Wort ‘langsam’ ab. Die klangliche Ähnlichkeit ist Ihnen sicher schon längst aufgefallen. Ein Spaziergang durch die Straßen von Vientiane erhärtet den Verdacht zusätzlich. Sollte man dann noch jenem Tuktuk-Fahrer begegnen, welcher sich am Straßenrand unter unseren Augen in der Hängematte räkelte, die er schräg durch sein dreirädriges Gefährt gespannt hatte, dürfte sich der letzte Zweifel zerstreuen:

‘Langsam’ muss als laotisches Fremdwort in unsere Sprache gelangt sein.

(Langsam wird sich auch dieser Blog entwickeln. Lesen Sie sich erst einmal ein. Die Bilder – die Sie an dieser Stelle vermutlich erwarten – kommen dann ganz von selbst.)

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