Straßen und Wege der Volksrepublik China

Die Drei Schluchten des Yangzi, 13.04. bis 08.05.2011

Das Straßennetz in China sucht seinesgleichen. Es gab eine Zeit, in der man hier nicht unbedingt Radfahren wollte, die großen Autobahnen wurden gerade gebaut und waren noch nicht offen, auf den alten Straßen hat sich neben dem normalen Verkehr noch der Baustellen-Verkehr getummelt. Mittlerweile sind die wichtigen großen Verbindungen alle fertig, die Nationalstraßen und die alten Provinzstraßen wurden gleich mit renoviert und sind heute verkehrsarm und sehr gut zu befahren. Auf diesen alten und doch ziemlich neuen Straßen radeln wir also jetzt, die Superhighways kreuzen ab und zu unser Blickfeld.

Was in China gebaut wird kann man sich kaum vorstellen, vor allem eben neue Trassen und Straßen, riesige Pfeiler stehen in der Landschaft und warten auf ihren Einsatz. Die Täler durch die wir uns zur Zeit bewegen sind einsames Hinterland, trotzdem kommen wir hier an Straßenbauprojekten vorbei, die in Deutschland kaum vorstellbar wären. Das Land versucht, die Wanderbewegungen in den Osten zu bremsen, indem es auch das Hinterland anbindet. Vor allem der Westen der VR wird mit gigantischen Infrastrukturprojekten erschlossen (Xibu Kaifa/“Die Erschließung des Westens“). Rhetorik und Herangehensweise erinnern an die USA des 19. Jahrhunderts, an das Vorrücken in Richtung Westen und den Glauben, die Frontier ausweiten zu müssen. Genau wie damals in Amerika war das Konzept vor allem ein ideologisches, es ging um die Grenzen im Kopf, um das Selbstbewusstsein, dass nichts unmöglich ist und alles steil nach vorne gehen wird, auf unbestimmte Zeit. Genau dieses Gefühl hat man derzeit in China, und wenn die Menschen hier noch so staunend und schüchtern auf uns reagieren.

Heute haben wir zunächst profitiert von den Straßenbaumaßnahmen und später darunter geächzt. Wir sind schnell in ein für den Verkehr abgesperrtes Tal gefahren, außer kleineren Baustellen und Steinschlagschäden hatten wir eine großartige Strecke nur für uns. Nach dem Mittagessen sollte der Rest eigentlich nur noch Formsache sein, im Geiste waren wir schon beim Bummel durch die schöne Altstadt von Manchuan, doch die letzten 30km waren Staubstraße, Schotter und schließlich eine einzige Baustelle mit hunderten, wahrscheinlich tausenden Bauarbeitern. Sonntag abend, 18 Uhr. Die meisten haben fassungslos geschaut. Es ist ja auch kaum erklärbar, weshalb man sich freiwillig und schneckengleich durch den Staub bewegt und durch Flüsse watet und dabei so komisch aussieht. Nach der Schreckstarre hat man uns aber enthusiastisch angefeuert. Wir kamen erst kurz vor Sonnenuntergang an. Es war der erste richtige Härtetest, das Schmutzbier lief glückliche, erschöpfte Kehlen hinunter, bestanden!


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