Geschichte

Auf den Spuren der Khmer, 29.01. bis 27.02.2011

Kambodschas König ist Norodom Sihamoni, ein 57jähriger, unverheirateter ehemaliger Balletttänzer und Sohn des ewigen Norodom Sihanouk. Er war heute daheim, zumindest hat die blaue Fahne vor seinem Palast geweht. Dass es in Kambodscha einen König gibt (auch wenn dieser nichts zu sagen hat) ist keine Selbstverständlichkeit, auch nicht dass in Phnom Penh das Leben tobt.

Als die Roten Khmer im April 1975 aus ihren Dschungelgebieten in die Hauptstadt einmarschierten und diese innerhalb kürzester Zeit entvölkerten wurde Phnom Penh zur Geisterstadt, für mehr als drei Jahre. Die Bewegung war Teil des ideologischen Kampfes, der in ganz Asien ausgefochten wurde. Der verrückte General Lon Nol wurde 1970 mit US-Hilfe an die Macht des Landes geputscht. Während die größeren Orte Kambodschas danach von dessen amerikanisch unterstützter Militär-Junta kontrolliert wurden, war das Hinterland in Händen der Rebellen und wurde von den USA flächendeckend bombardiert. Als diese im Schicksalsjahr 1975 endgültig aus Vietnam flohen und Lon Nol sich längst nach Hawaii abgesetzt hatte, gab es für die Roten Khmer keine Halten mehr. Schnell nahmen sie die Städte in Besitz und fingen mit ihrer Abrechnung an.

Kleine Geschichtsstunde. Wir hatten einen interessanten Tag und auch einen angenehmen Abend, keine Frage, viel gesehen und vorzüglich gegessen. Aber die meisten von uns waren heute in Toul Sleng und der Ort lässt niemanden kalt, das bleibt eine Weile. Das ehemalige Gymnasium im Zentrum der Stadt war in der Khmer Rouge-Zeit das größte Gefängnis und Folterzentrum des Landes, heute ist es eine Stätte zum Gedenken an den damaligen Genozid am eigenen Volk – sieben Millionen Einwohner hatte das Land, um die zwei Millionen fiel dem Terror der Roten Khmer zum Opfer. Erklärtes Ziel der Angka, der Partei bzw. dessen Führungsspitze (Pol Pot, Ieng Sary, Kieuh Samphan u.a.) war es, das Land komplett zu isolieren, von allen Einflüssen zu säubern und mit einem Kommunismus aus der Steinzeit neu zu beginnen. Jeder der nach fremdem Einfluss roch, Intellektuelle, Städter, Brillenträger, wurden im besten Fall auf das Land umgesiedelt und zur Zwangsarbeit eingesetzt, meistens einfach umgebracht. Es gab kein Entkommen, die Zellen von Toul Sleng und die Wände mit den Fotos der Opfer sind völlig ohne Trost. Die Diskussionen im Anschluss drehten sich vor allem um die Frage, wie das Land danach weitermachen konnte.

Einige von uns waren außerdem im Nationalmuseum, wo wunderschöne Skulpturen des historischen Khmer-Reiches zu bewundern sind, unter anderem das milde und enigmatische Lächeln von Jayavarman VII, dem bekanntesten aller Angkor-Herrscher, demjenigen, der die Grenzen des Reiches am weitesten ausdehnte und die imposantesten Bauwerke hinterließ, z.B. Angkor Thom und den Bayon. Die Roten Khmer wollten zerstören und Jayavarman VII hat Großes hinterlassen, natürlich auch nur zu Lasten seines Volkes.

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Der Staub vor Phnom Penh

Auf den Spuren der Khmer, 29.01. bis 27.02.2011

Intensiv heute. Erst in morgendlicher Kühle aus Kampong Cham gefahren, dann in die für meinen Geschmack härtesten 35km der Tour gekommen, Staub- und Schlagloch-Piste, das ist mal Kambodscha, denkt man sich (wenn man es hinter sich hat). Später wieder Asphalt, herrlich vor allem ein spontanes Bad im Mekong, Und dann eine chaotische Stadteinfahrt nach Phnom Penh, über die Japanische Freundschaftsbrücke, da steigt das europäische Adrenalin. Elke meinte beim Schmutzbier: ganz schön hektisch der Verkehr, Reinhard meinte: hektisch waren eigentlich nur wir. Gut beobachtet, die Straßen von Phnom Penh sind anarchisch, wie die der meisten asiatischen Großstädte, aber die Leute sitzen ziemlich entspannt auf ihren Fahrzeugen, man verlässt sich auf alles außer auf die offiziellen Regeln. Der Verkehr fließt dahin, im besten Fall.

Wie immer sind es die Kinder, die am meisten in Erinnerung bleiben. Eine Pause haben wir in einer versteckten kleinen Madrasa eingelegt, einer Koranschule, und dort Massenhysterie erlebt, so müssen sich damals die Beatles gefühlt haben. Die Kleinen haben garantiert niemals so große grobe Menschen wie uns gesehen, wahrscheinlich nicht mal im Fernsehen, wir wurden auf Haut und Haare geprüft und für seltsam empfunden. Zur Mittagszeit dann Kinder, im buddhistischen Tempel, die uns eine Stunde lange still und ernst beschaut haben. Wenn sich einer von uns in den Schatten gelegt hat, zum Nickerchen, dann waren ein paar Kinder da und haben aufgepasst, wie Traumhüter.

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Ernte 23

Auf den Spuren der Khmer, 29.01. bis 27.02.2011

Also das war bestimmt keine Kaffeefahrt heute, wir sind alle ganz schön kaputt. Aber wir haben uns die Strecke gut eingeteilt und sind wunderbar durchgekommen. Das ständige Grüßen hat bestimmt genauso geschlaucht wie das Treten. Lisa ist mal kurz über den Lenker abgestiegen, außer ein paar Schrammen am Ellenbogen und einer Prellung am Oberschenkel scheint ihr nichts passiert zu sein (und das sind tollkühne Erinnerungen, um die wir sie insgeheim beneiden). Die Bevölkerung in den Ortschaften war eine Mischung aus Khmer und Cham, gastfreundlich wie immer, Pausen haben wir in den schattigen Anlagen von Tempeln oder Moscheen gemacht. Wir sind an den abblätternden Kolonialfassaden von Chlong vorbeigefahren und durch enge Märkte am Mekongufer. Hauptsächlich wird in dieser Gegend Tabak angebaut, zur Zeit ist Ernte und die Blätter werden in hohen Lehmkaminen zum Trocknen aufgehängt. Aber auch viel Mais, Kokos-und Zuckerpalmen, Bananen…der heutige Tag war wie gesagt bunt, grün, und anstrengend, deshalb ein paar Bilder mehr und Schluss.

Ach, jetzt sitze ich mit vollem Bauch auf dem Balkon des Mekong-Hotels und sehe die monumentale Brücke an (japanische Gelder) und, noch viel monumentaler, die schwarzen Gips-Elefanten im Hof mit weißen Hasen auf dem Rücken. Keine Drogen im Spiel. Ich weiß nicht was die Skulpturen sollen, das gleiche hatten wir schon im letzten Hotel. Der Hase sitzt jedenfalls mit übertrieben großen, aufgestellten Ohren auf dem zu kleinen Elefanten und grinst dämlich. Vielleicht die hiesigen Stadtmusikanten, leider nur zwei.

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Die armen Fluss-Schweine

Auf den Spuren der Khmer, 29.01. bis 27.02.2011

Das Grauen geht um im Hause CBB, die Angst vor der morgigen Königsetappe. Nicht wirklich, eigentlich sind alle bis in die Haarspitzen motiviert. Die Moral ist einwandfrei, die Fitness stimmt. 120km am Mekong entlang werden uns wahrscheinlich wie eine Kaffeefahrt vorkommen. Auch wenn sie über teilweise sehr rumplige Pfade führen werden. Aber morgen ist morgen.

Heute war mal wieder traumhaft, ich glaube ich wiederhole mich. Erst raus zu den Irrawaddy-Delfinen, von denen ich gerade gelesen habe dass sie mancherorts als „Fluss-Schweine“ bezeichnet werden. Das wird ihnen nicht gerecht. Sie haben zwar eine breite Schnauze, aber schwimmen sehr elegant, Schweine laufen ja nicht mal elegant. In den Becken bei Kampie, etwa 15km nördlich von Kratie, ist einer der letzten Populationen der Delfine beheimatet, sie sind vom Aussterben bedroht. Wir haben hier mindestens zehntausend unscharfe Bilder von Wasser und Rückenflossen geschossen.

Bei der Rückfahrt haben wir Halt gemacht beim Hügeltempel Sambok, eine schöne Aussicht auf die Ebene von hier oben (aber davor muss man erstmal an derben Wandmalereien vorbei: wir trinken recht viel Bier, das wird uns fürs nächste Leben nicht unbedingt hoch angerechnet werden). Buddhismus in Kambodscha lebt derzeit auf, v.a. weil die Klöster Bildung für die Ärmsten garantieren. Der Schulbesuch ist zwar auf dem Papier obligatorisch, das wird aber nicht wirklich kontrolliert. Die nächste Schule ist meistens weiter weg als der nächste Tempel, und außerdem muss man an den staatlichen Schulen noch viele Dollars zusätzlich hinlegen, um an vernünftige Bildung zu kommen. Die Lehrer verdienen in Kambodscha so wenig, dass sie gar keine andere Wahl haben, als Nachhilfe zu geben und dafür Geld zu verlangen. Beim Phanom Sambok hatten junge Mönche den Schlüssel zur Haupthalle verlegt, wir haben versucht, mit ihnen das Fenster aufzuhebeln, hat nicht ganz geklappt.

Spätnachmittags dann schließlich die Fähre zur Mekong-Insel Koh Trong genommen und im Abendlicht durch eine zeitlose Welt gefahren. Keine größeren Fahrzeuge hier, das Wasser wird vom kleinen Pferdchen um die Insel galoppiert, alles ist still und die Sonne geht unter.

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Kinder, die winken und schreien

Auf den Spuren der Khmer, 29.01. bis 27.02.2011

Erstaunlich, dass man dann abends doch fast immer die Möglichkeit hat, was ins Netz zu stellen. Wir sind heute wieder durch so arme Gegenden gefahren, weit auseinanderstehende Hütten die, wenn überhaupt, Autobatterien zur Stromerzeugung laufen lassen und ihr Wasser von Brunnen schöpfen, oft Kilometer weit entfernt. Aber jetzt in Kratie, da müssen wir keine Not leiden.

Geradelt wurde heute durch die ersten Gebiete der Cham, der Muslime in Kambodscha, der größten Minderheit des Landes. Das ist unschwer zu erkennen, wenn 4 Mädchen mit leuchtend bunten Kopftüchern auf einem Moped vorbeiknattern, mitten durch die staubige Walachei. Die Cham kommen ursprünglich aus Zentralvietnam, Champa war dort vor ewigen Zeiten ein bedeutendes Handelsreich, außerdem auch ein unangenehmer Nachbar der Khmer. In die Galerien des Bayon, eines der bekanntesten Tempels von Angkor, sind Schlachten zwischen Khmer und Cham verewigt. Viele Cham verließen ihre Stammgebiete, als die Vietnamesen im 15. Jahrhundert vom Delta des Roten Flusses aus nach Süden expandierten, sie leben meistens an Flüssen, also in Kambodscha vor allem am Mekong. Die wichtigste Stadt ist Kampong (Hafen) Cham (…), die wir übermorgen ansteuern werden.

Es war natürlich interessant, die ersten Cham zu sehen, und es war überhaupt eine tolle Strecke. Erst lange am Sekong und am Mekong entlang, dort war es schattig und grün, und dann in östlicher Richtung zurück zur Hauptstraße, unter einem weiten Himmel. Den Weg auf der Hauptstraße haben wir im Begleitfahrzeug zurückgelegt, das wären ansonsten wieder 130km Ödnis geworden. Bei der Radfahrt überall großer Bahnhof: die Kinder scheinen in Kambodscha Winken und Schreien zu können, bevor sie das Stehen lernen. Es ist wirklich eine Herausforderung für uns, die Straße war heute ziemlich holprig und deshalb ist es manchmal schwer, galant zurückzugrüßen. Die Idee wurde laut, sich chinesische Winkekatzen an die Lenker zu binden. Was meine Lieben noch nicht wissen: es wird immer schlimmer. Spätestens bei unseren beiden langen Etappen in Richtung Phnom Penh wird ihnen die Luft ausgehen und der Arm müde werden, denn auf dieser Strecke scheinen sich alle Kinder Kambodschas gegen den ahnungslosen Reisenden verschworen zu haben.

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Verbrannte Erde

Auf den Spuren der Khmer, 29.01. bis 27.02.2011

Jetzt sind wir in Kambodscha, wie doch die Zeit vergeht. Aod, unser laotischer Guide, und Charles Bronson, unser Fahrer (ich habe mich nicht getraut, ihn nach seinem richtigen Namen zu fragen), haben uns am Schlagbaum verabschiedet, wo schon unsere kambodschanische Mannschaft gewartet hat: Thonet mit seinem ewigen Lächeln (das machen also 10 Jahre Mönchsleben), Hong, Tom und sogar der distinguierte Schweizer Pierre. Pierre und sein Sohn Laurent haben mit Biking Cambodia und Terre Cambodge zwei wichtige Marken im Bereich für nachhaltigen Tourismus im Land geschaffen, Pierre fährt die Etappe heute mit, wie sich herausstellt wird ihm das nicht leichtfallen, uns übrigens auch nicht.

Wir starten in der Mittagshitze und fahren den Highway 7 entlang, schattenlos und über verbrannte Erde. Kurze Station machen wir an einer Schule im Nirgendwo, eine kleine verlotterte Horde empfängt uns mit großer Begeisterung. Unterricht findet dort unter einem windschiefen, provisorischen Stelzenbau statt. Die Lehrerin erklärt uns, dass eine NGO in Stung Treng Unterstützung für den Bau einer richtigen Schule für diese Kinder zugesagt hat, dass aber kein Bauland zu finden sei. Was völlig absurd ist. Wir sind bis dahin viele Kilometer durch unbewohntes, kahles Land gefahren. Aber das ganze Gebiet hier ist im Besitz von einigen Wenigen, meist Militärs, und diese Spekulanten haben Tropenhölzer schlagen lassen bis nichts mehr übrig war, das nackte Land wird seit ein paar Jahren brandgerodet, dann soll es dem alten Gleichmacher Kautschuk dienen. Als ich vor ein paar Jahren das erste Mal diese Strecke gefahren bin, haben die Felder am Straßenrand bereits gelodert und geraucht, es war sengend heiß und absolut bizarr. Ich bin damals nachts mit der Fähre über den Sekong gesetzt, einen wichtigen Zufluss des Mekong, hinter mir war das Feuer und vor mir die Schattenrisse des Palmenwalds um Stung Treng.

Die gewaltige neue Brücke gab es damals noch nicht, über die wir heute in das Städtchen eingefahren sind. Erbaut wurde sie von chinesischem Geld. Highway 7 ist Teil des von China initiierten neuen Verkehrsnetzes in Südostasien, die heute gefahrene Straße verbindet Südchina über Vientiane, der Hauptstadt von Laos, mit Phnom Penh und den Häfen bei Sihanoukville. Andere Riesenprojekte sind z.B. die Autobahn vom südwestchinesischen Kunming über Laos nach Bangkok und dann weiter nach Singapur. Große Strategen haben hier ihre Finger im Spiel.

Es war toll mit den Kindern der kleinen Schule, mittendrin Annette, die Hüterin unserer Kasse, ich würde mich nicht wundern wenn sie den Kleinen auf dem Bild gerade höhere Mathematik erklärt hat und alle dabei frohlocken. Sie ist unsere Devisenhändlerin und jongliert elegant mit den exotischen Währungen. Die Aufgabe des Kassenwarts ist auf dieser Tour besonders anspruchsvoll, von Bath zu laotischen Kip (Millionen rausschmeißen für ein einziges Abendessen) und jetzt kambodschanischer Riel (und wieder um die Hälfte ärmer). Im Hintergrund noch der allgegenwärtige US-Dollar, die Ersatzwährung. Annette hat alles im Griff und wir alle schauen dafür bewundernd zu ihr auf.

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Faules Leben (für mich und ein paar andere)

Auf den Spuren der Khmer, 29.01. bis 27.02.2011

Heute nicht viel zu berichten, außer vielleicht dass es schwierig war, aus der Hängematte zum Fluss (10m) und dann wieder zurück (insg. 20m) zu kommen; das spricht nicht für die gesamte Gruppe, einige haben sich tapfer um die gesamte Insel bewegt. Doch das ist eine andere Geschichte…

Wir wohnen hier fein und kultiviert. Die Franzosen hatten zwar keinen Plan, als sie Indochina kolonialisierten, aber immerhin haben sie einiges an Stil hinterlassen. Die Kolonialgebäude z.B., die man an vielen Orten in Laos, Kambodscha, Vietnam vor sich hingammeln sieht. Schon in Champasak war unsere Unterkunft herrschaftlich, auf Don Khone nun auch wieder. Dort belegen wir schmucke Bungalows auf dem Gelände des kleinen Krankenhauses aus Kolonialzeiten, in einer Ecke hangelt sich eine Meerkatze hin und her und jauchzt vor sich hin.

Wieder spielt sich alles am Mekong ab der die Insel umspült, an einigen Stellen äußerst leidenschaftlich. Der Fluss ist kaum berechenbar. Sein Wasserstand schwankt extrem zwischen Regen-und Trockenzeit, außerdem gibt es an vielen Stellen wilde Stromschnellen und Wasserfälle. Frankreich hatte Indochina in den 1860ern vor allem mit der Hoffnung auf ein Hintertürchen zum chinesischen Kaiserreich besetzt, es war ja damals ein Wettlauf der Kolonialmächte an allen Fronten und mit allen Tricks. Der Mekong sollte dabei die große Verbindung und Achse der Franzosen sein. Eine grandios gescheiterte Mekong-Expedition, die sich vom Delta bis hinauf nach Yunnan kämpfte, zeigte schnell, dass der Fluss an einigen Stellen unmöglich zu befahren ist, an anderen höchstens saisonal. Die meisten Expeditionsmitglieder (darunter auch der Expeditionsleiter de Lagrée) fielen dabei den Tücken des Dschungels und der Malaria zum Opfer. Trotzdem hielten die Franzosen an ihrem Traum vom Mekong als Verkehrsader fest, teilweise mit skurrilen Ergebnissen: unsere Insel Don Khone war durch eine Trasse mit der Nachbarinsel Don Det verbunden, Überreste der alten Schmalspurbahn sind noch heute zu sehen. Mit der Bahn versuchte man, die Somphamit-Stromschnellen zu umgehen.

Noch wilder ist der Fluss einige Kilometer südlich, dort sind die Khon Phapheng-Wasserfälle, die größten Südostasiens, und machen jeden Flussverkehr unmöglich. Dort kam man wiederum auf die clevere Idee, die Schiffe am Fluss entlang durch den Urwald zu wuchten (und das lange vor Fitzcarraldo). Die Fälle schauen wir uns morgen an, dann verlassen wir schon wieder Laos und reisen in Kambodscha ein.

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Der liebe Hasi

Auf den Spuren der Khmer, 29.01. bis 27.02.2011

Ich hatte nicht vor, über Stofftiere zu schreiben, aber ich mache es jetzt trotzdem, und zwar wegen dem lieben Hasi. Das ist eine Ausnahme, weil 1. der Hasi bei Reinhard an der Lenkerstange hängt und Reinhard ein sympathischer Mensch ist (wie auch seine Frau Dagmar, die ihm den Hasi anvertraut hat), 2. thematisch schlüssig, Jahr des Hasen, 3. der liebe Hasi unser aller Gallionsfigur geworden ist. Er verrichtet unaufdringlich seine Arbeit und wird dafür tagtäglich mit frischen Blumen versorgt, aus verschiedenen Händen. Hinter seinem rechten Ohr ragt verwegen eine rote Chilischote. 4. die Fotos bestimmt Lotte und Lauri und Ben und Theo und … erfreuen. Ich glaube ich werde ab jetzt nur noch über Kuscheltiere schreiben. Leider scheint nur noch Elke eins dabeizuhaben. Aber wer weiß schon was sich in den Koffern meiner Mitreisenden alles verbirgt.

Unser Hasi war heute mit uns auf langer Bootstour, über 100km den Mekong flussab. Man kann diesen Fluss ja nicht genug besingen. Schon bei Champasak ist er über einen Kilometer breit, und er wird immer mächtiger, seine größte Ausdehnung hat er dort, wo wir heute gestrandet sind: in Siphandon, dem Gebiet der Viertausend Inseln. Zur Monsunzeit erreicht er hier eine Breite von fast 15km, dann sind viele dieser Mekong-Inseln überschwemmt. Nicht so unser kleines Don Khon, zum Glück, denn das wäre sehr schade. Es ist paradiesisch!

Der Mekong ist die Lebensader Südostasiens und auch wichtig für China. Für 2013 planen wir eine Radtour den gesamten Fluss entlang, d.h. von den hohen Bergen Tibets bis ins Delta bei Saigon, das wird dem Fluss doch endlich mal gerecht. Ich hätte ja große Lust auf die Reise, aber wahrscheinlich wird sie sich Volker unter den Nagel reißen ; )

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Champasak, kleine Perle am Mekong

Auf den Spuren der Khmer, 29.01. bis 27.02.2011

Champasak ist die südliche Provinz von Laos, die Hauptstadt der Provinz ist Pakse, wo wir gestern Station gemacht haben. Aber Champasak war auch ein sektiererisches kleines Königreich, leider ziemlich erfolglos (drei Könige, 18. Jahrhundert). Jetzt sind wir in dessen alter Hauptstadt gelandet, die auch Champasak heißt. Sie besteht aus einer einzigen Straße und zieht sich ein ganzes Stückchen den Mekong entlang. Die Atmosphäre hier ist schön schläfrig. Der Mekong macht die Gegend fruchtbar und prägt das gesamte Leben der Bewohner, am Horizont erheben sich die letzten Ausläufer der Dangrek-Kette.

Ein Hügel davon ist der Phu Kao, der bezeichnenderweise auch Lingaparvata genannt wird, der Linga-Berg (auf Sanskrit). Das Linga ist phallisches Symbol des Hindu-Gottes Shiva, und der Berg sieht aus wie ein einziger großer Phallus. Seit sehr langer Zeit sind hier Fruchtbarkeitskulte zugange, die Rituale haben sich dann in Tempeln manifestiert, Animistisches wurde hinduistisch und später buddhistisch. Endprodukt, wie wir er heute besucht haben, ist das großartige Wat Phu. Man muss ein gutes Stück hochsteigen, zu den heiligsten Bereichen, dann kann man seinen Blick über die weite Ebene bis hin zum Mekong schweifen lassen. Morgen fängt das alljährliche Tempelfest an und wird dann toben bis zum Vollmond am 18ten. Das ist eine der wichtigen Veranstaltungen in Südlaos, die Vorbereitungen waren in vollem Gang.

Die Radstrecke heute war kurz (aber man schrumpft mit seinen Aufgaben, habe ich heute mit Alfred festgestellt). Wir haben einen sehr frühen Stopp hingelegt, in einem Schnapsbrennerdorf gleich hinter Pakse, und haben dort eine improvisierte Fortbildung in Schnapsbrennerei bekommen. Der Klebreisschnaps von Laos (Lao Lao) braucht keinen Vergleich zu scheuen, leider ist es unmöglich, ihn außerhalb des Landes zu bekommen. 9 Uhr morgens ist zwar früh für eine Schnapsprobe, aber nicht zu früh.

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Please don’t rush

Auf den Spuren der Khmer, 29.01. bis 27.02.2011

Eigentlich trägt Laos die Volksrepublik im Namen (Lao PDR), aber die obige Deutung des Akronyms ist beliebter und macht auch viel mehr Sinn. Das Volk des Landes hat mit dessen Politik nicht viel zu tun, außerdem geht es hier wirklich gemütlich zu. An der Grenze sind wir auf eine deutsche Busreisegruppe gestoßen, die schien schon bei der Einreise von diesem Motto zermürbt zu sein und hat sich empört über die fehlende Effizienz beklagt. Um an Laos Freude zu haben, werden sich unsere Freunde auf jeden Fall beruhigen und entschleunigen müssen. Unsere Gemeinschaft dagegen war ruhig und entspannt, das hat uns manch anerkennenden Blick unserer laotischen Schwestern und Brüder eingebracht. Schon jetzt nennt man uns hier die Weißen Laoten.

An unserem letzten Morgen in Thailand hat uns unsere Herbergsmutter, Grandma Guggig, standesgemäß verabschiedet und uns zum Frühstück die Mysterien des Nam Jim Thalay offenbart. Das ist etwas, was den einen Freudentränen und den anderen Tränen des Schmerzes und der Verzweiflung in die Augen treibt, es handelt sich um eine scharfe, limettige Chilisauce, die vor allem zu Fisch und Meeresfrüchten gegessen wird. Wie auch Jaew Bong (bei der die Chilis zunächst geröstet und dann u.a. mit Auberginen zerstampft werden) und dem guten alten Prik Nam Pla (Chili in Fischsauce) kann es jedes Essen zu einem kleinen Fest machen bzw. ruinieren, je nach Vorliebe und Schmerzempfindlichkeit. Solange ich persönlich diese stillen Begleiter um mich weiß ist mir nicht bange, und deshalb reise ich voller Optimismus in Laos ein. Vor allem Jaew Bong wird hier geschätzt, zusammen mit ihrem Freund, dem Klebreis, deckt sie oft das gesamte Mittagessen ab.

Wir sind jetzt in Pakse, an der Mündung (Pak) des Se (eigentlich „Sedon“) in den Mekong. Wir sind dafür über die mächtige Lao-Nippon-Brücke gefahren, die wie fast alle größeren Bauprojekte in Laos mit Hilfe ausländischer Gelder erbaut wurde. Viele Langnasen plötzlich, man hört vor allem französisch. Die Franzosen sind ja eigentlich für ihre Reiseunlust bekannt, aber die wehmütige Suche nach dem alten Kolonialerbe scheint sie in Scharen nach Indochina zu treiben. Vielleicht sind das ja auch nur meine Fantasien, aber hier auf der Dachterrasse des altehrwürdigen Pakse-Hotels fühlt man sich wie ein Auslandsberichterstatter alter Schule (haben die nicht auch immer auf Dachterrassen ihre Drinks genippt, es war schwül und man hat auf irgendetwas gewartet?).

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