Es gibt kaum Reis, Baby

Die Drei Schluchten des Yangzi, 13.04. bis 08.05.2011

Die gestrigen Mühen haben sich gelohnt, die Wanderarbeiter-Kohorten haben uns heute eine butterweiche Fahrt beschert. Durch ein mal wieder wunderschönes Tal, ohne Verkehr, man käme kaum aus dem Fotografieren, würde man es nicht irgendwann einstellen. Hier gibt es jetzt endlich vereinzelt Reisfelder, auch wenn Weizen und Gerste nach wie vor tonangebend sind, die meisten dieser kleinen Parzellen liegen außerdem noch brach und manchmal wächst Lotus darin. Die Reissaison kommt mit dem Regen und der fängt demnächst erst an. Einige Bauern können es nicht abwarten und setzen den Reis schon jetzt in ihr Stückchen Land, nach alter Tradition jede Pflanze in den Boden drückend. Da hilft irgendwann auch kein Kieser-Training mehr. Mittlerweile gibt es rückenschonendere Verfahren (meistens sind die Setzlinge mit einem Erdklumpen beschwert und werden in die Suppe geworfen, sie pflanzen sich dann quasi selber ein). Aber bei solch winzigen Feldern besteht sicherlich eine besondere Bindung zu jeder einzelnen Reispflanze.

Die Ausnutzung jeder kleinen Ecke, jedes Stück Hangs, ist besonders in China. 7% des weltweit nutzbaren Ackerlandes müssen hier 22% der Weltbevölkerung ernähren. Das ist eine große Leistung. Land ist kostbar, verschwenderisch sollte damit nicht umgegangen werden. Auf winzigen Terrassen wird Weizen angebaut, das muss mehr oder weniger zum Eigenverbrauch sein (der Weizen braucht im Gegensatz zum Reis eigentlich viel Platz, um eine ordentliche Ernte abzuwerfen). Die wilden Hügelketten und die absurd scheinenden Terrassierungen darauf sind jedenfalls ein Augenschmaus. Mittags gab es eine richtig harte Steigung und die Sonne brannte auf uns hernieder, danach wieder eine lange Abfahrt mit allerhand kleinen Ablenkungen.

Wie haben wir dieses Wetter verdient? Wir haben es uns erarbeitet! Indem wir heute Nachmittag möglichen Regen gewarnt und hinweggeböllert haben (gute chinesische Tradition, nicht umsonst der Name „Chinakracher“). Und auch indem wir uns sklavisch der Zahlenmystik unterworfen haben. Gehalten wird etwa unter keinen Umständen bei km 44 (Unglückszahl). Jutta, Albin und Matthias haben sich ein Nummernschild „Zhongguo 888“ (Glückszahl) anfertigen lassen und ans Fahrrad gehängt etc. pp.

Außerdem essen wir immer schön auf, man darf nicht arrogant werden.


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Ein Kommentar:

  1. Wirklich eine „SUPER – LEISTUNG“ auf der gestrigen Holper-Staub-Wasser-Piste“ gratuliere !
    Das Nummernschild ist eine tolle Idee ……. ihr habt euch das wirklich verdient !!!

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