My Lao Home

Land der Tausend Elefanten, 16.12.2011 bis 8.1.2012

18. Tag, 2.1.2012
Von Viang Phuka nach Ban Don Chai

Ban werden Dörfer in Laos genannt. Wir sind unterwegs schon durch unzählige solche Dörfer geradelt, die meistens ein Winken und ein paar Grüße später schon wieder hinter uns lagen. Heute jedoch werden wir nicht wie gewohnt aus den Dörfern zur nächsten Kreis-, Bezirks- oder Provinzhauptstadt weiterradeln, um unser Lager aufzuschlagen, sondern einfach über Nacht hier draußen bleiben. Ländlicher wird’s nimmer. Alle sind sehr gespannt, was uns erwartet. Vorher müssen wir zwar noch ein letztes Mal auf dieser Tour nur mit der Kraft der zwei Pedale auf über 1000m Höhe aufsteigen, aber wir sind mittlerweile so gut im Tritt, dass abgesehen vom routinierten Blick aufs Höhenprofil niemand viel Aufhebens darum macht – und wir starten ja schließlich schon von 700m.

Am frühen Nachmittag fahren wir nach gut 50 km in Ban Don Chai vor dem Haus des Dorfobersten vor und werden beim Chef aufgenommen. Unsere Gastgeber beherbergen erst zum dritten Mal Langnasen unter ihrem Dach und sind offensichtlich noch dabei, in ihre neue Rolle hineinzuwachsen. Perfektionismus ist da nicht angebracht. Es gibt zwar alles, was wir brauchen: Kochstelle drinnen, Feuerstelle draußen, die übliche Kombination aus Elefantendusche (kaltes Wasser mit Schöpfkelle) und Hocktoilette. Dazu das Wohnzimmer der Familie mit einem großen Stapel einfacher Matratzen. Die Matratzen sind aber schon länger unbenutzt dem tropischen Lateritstaub ausgesetzt gewesen, also bringen Yong und ich sie erst einmal nach draußen und bearbeiten sie mit Bambusstöcken, bis sich alle ausgestaubt haben.

Jeder Homestay ist anders, auch dieser hat für mich noch einige Neuheiten zu bieten: So ist die Frau des Dorfchefs nicht zum Kochen zu bewegen, da sie befürchtet, dass ihre Gerichte uns geschmacklich überfordern könnten. Also setzen Yong und ich uns heute die Kochmütze auf und sorgen fürs Abendessen, während sie uns zuarbeitet und Gemüse putzt. Im Hocken auf einem Holzfeuer zu kochen, finde ich ziemlich gewöhnungsbedürftig, mit Yongs Hilfe funktioniert es aber bald ganz gut. Nach und nach servieren wir frittierte Cassavachips (auch als Maniok bekannt), gebratenes Gemüse und als Höhepunkt und Abschluss eine knochenlose Hühnersuppe mit viel Ingwer. Den Kochmöglichkeiten entsprechend hat das Abendessen deutlichen Slow-Food-Charakter. Dafür bleibt für alle umso mehr Zeit, mitzuverfolgen, wie das Suppenhuhn geschlachtet und gerupft wird. Unser Fahrer, der sich sonst weitgehend im Hintergrund hält, erledigt das und avanciert so zum Helden des Tages. Wie auch Yong hat er als echter laotischer country boy jede Menge Erfahrung in dieser Disziplin und erntet von uns Städtern viel anerkennendes Staunen.

Das Badezimmer, das bei der ersten gemeinsamen Begehung unseres heutigen Domizils noch viele skeptische Blicke geerntet hatte, stellt sich im Gebrauch als sehr angenehm heraus. Bei der Hitze geht auch das kalte Wasser für alle in Ordnung. Ansonsten verläuft der Rest des Tages sehr beschaulich mit Lesen und Hörbüchern, während die Großmutter nebenan am Spinnrad zugange ist, und geht draußen am Lagerfeuer zu Ende. Den Hausherr selbst bekommen wir nur kurz zu Gesicht, er scheint schwer beschäftigt zu sein. Vielleicht ist es ihm aber auch nicht ganz geheuer, das Haus voller exotischer Gäste zu haben, weshalb ihm der Abschied von seinen Bekannten im Dorf heute schwerer fällt als sonst. Ein Homestay ist eben für alle Beteiligten eine spannende Erfahrung.


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