Wo sind die Projekte hin?

Goldenes Dreieck, vom 16.01. bis 30.01.2020

Von Muang Ngoi mit dem Boot nach Nong Kiaw und weiter mit dem Rad nach Nam Thuam, 42 km, 346 HM

Muang Ngoi erwacht. Zuerst die Hähne, lange vor dem ersten Licht, dann die Vögel, ab sechs Uhr wird der Markt aufgebaut, und zwar direkt hinter unseren Bungalows, um zehn vor sieben trommelt es und kurz darauf kommen neun Mönche aus dem Kloster, um sich von den auf Pappkartons knienden und hübsch herausgeputzten Frauen Reis in die Schale geben zu lassen.

Wir haben Glück, heute ist Markt, der alle zehn Tage hier abgehalten wird. Aus der Umgebung kommen viele Dörfler mit Booten in den Ort, um einzukaufen und ein Pläuschchen zu halten. Neben Gemüse, Fleisch und allerlei Haushaltswaren und Kleidung gibt es auch ausgebackene Bällchen mit Banane und Klebereissüßigkeiten mit Kokos. Ich bin schon lange vor dem Frühstück pappsatt, nur vom Probieren.

Wir lassen uns Zeit und spazieren zur Tham Kang Höhle, in der im sogenannten geheimen Krieg von 1964 bis 1973 die Menschen der Umgebung Schutz vor den Bombardements der Amerikaner gesucht haben. Auf Laos sind in diesem Zeitraum unvorstellbare zwei Millionen Tonnen Bomben niedergegangen, ohne dass jemals auch nur Krieg erklärt worden wäre, von Opferzahlen und den bis heute vorkommenden Verletzungen durch noch im Boden liegende Streubomben ganz zu schweigen. Der Ort ist ganz anders, als man sich eine solche Gedenkstätte vorstellt. Hier gibt es Restaurants, entspannte Musik und einen älteren Herrn, der den (schon sehr niedrigen) Eintrittspreis damit rechtfertigt, dass man die kleine Brücke in Schuss halten und weiterhin hübsche Blumen pflanzen möchte. Hierher kommen vor alle Westler, aber von altem Groll, der wahrlich berechtigt wäre, ist nichts zu spüren.

Schließlich müssen wir Muang Ngoi verlassen und genießen eine gute Stunde Bootsfahrt auf dem Nam Ou stromabwärts. Dann geht es auf die Räder, bis nach Nam Thuam. Unterwegs frage ich unseren laotischen Guide Keo Löcher in den Bauch. Denn vor einigen Jahren war in nahezu jedem Dorf ein Schild aufgestellt, das auf ein NGO Projekt hinweist. Heute ist nichts davon zu sehen, nur der chinesische Einfluss im Bau von Infrastruktur und Energiegewinnung.

Ja, das habe sich geändert, bestätigt Keo, erzählt dann aber doch noch von seinem eigenen Projekt. Er hat in einem Khmu-Dorf in der Nähe gemeinsam mit der Schweizer NGO Education for Life die Dorfschule mit Tischen versorgt, Schulbücher angeschafft und ein Toilettenhäuschen gebaut. Als nächstes sei eine neue Wasserleitung geplant. Irgendwie bin ich beruhigt, dass diese kleinen Projekte noch existieren. Wer sich das Projekt im Internet ansehen möchte: education-for-life.ch.

PS: Natürlich beherrscht ein anderes Thema die Gegend: Coronavirus. An der Kreuzung in Richtung Norden nach Oudomxai und weiter zur chinesischen Grenze unterhalten wir uns mit den Verkäufern am Straßenkiosk. Sie erzählen, dass die laotische Regierung die Grenze zu China bei Boten geschlossen habe. Ich kann das später beim Googlen nicht finden, aber es mag so sein. Wir waren ja in China, und verfolgen das Geschehen mit großem Interesse. Sorge kommt nicht auf, wir diskutieren eher darüber, wie das Ganze wohl in Europa ablaufen würde, warum so wenig über die Ansteckugswege berichtet wird und was eigentlich inzwischen aus den Bränden in Australien, die vorher die Schlagzeilen beherrscht haben, geworden ist. Ich kann das große Interesse an dem Thema gut nachvollziehen und lese auch morgens und abends die Nachrichten. Aber ich finde, dass es ein ganz schöner Hype ist, wenn auch ein sehr verständlicher. Kurz: uns geht es gut.

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