Auf und Ab am Mekong

Die Oberen Schluchten des Mekong, vom 12.09. bis 03.10.2019

Von Cizhong nach Weixi, 138 km, über 1.200 Höhenmeter

Nach der obligatorischen Nudelsuppe und dem Gruppenfoto mit der Familie des Gästehauses geht es auch schon los: Auf und Ab, am Mekong entlang, Auf und Ab und Auf und Ab. Dabei sind auf 138 km gute 1.200 Höhenmter zusammengekommen. So genau weiß ich es nicht, weil sich mein Garmin verabschiedet hat. Es will einfach keine Satelliten mehr finden, obwohl über China genügend Satelliten herumkreisen. 

Nach einigen Tunnels ziehen die ersten Reisfelder vorbei. Die Landschaft ist nicht mehr so spektakulär wie gestern, eher lieblich mit vielen Dörfern in den Hängen und noch mehr Landwirtschaft. Der Mais ist geerntet und hängt zum Trocknen an den Balkonen, der Reis wird teils auch schon eingeholt, außerdem ist Walnusszeit. Die ersten Blättter verfärben sich, es wird langsam Herst in Yunnan. Zwei Staustufen passieren wir, danach wird der Mekong wieder zu dem reißenden Fluss, den wir gestern kennengelernt haben. Im letzten Drittel der Fahrt verlassen wir das Mekongtal und biegen in Richtung Yangtze ab. Kurz vor unserem Zielort Weixi, den wir kurz nach sechs erreichen, nimmt der Verkehr dann zu. Es war ein langer Tag und ich bin froh, mal nicht mehr auf dem Sattel zu sitzen, und gleich in mein Kingsize Bett zu fallen, deswegen sollen diese Bilder genügen: 

 

Von Kirchen und Wein am Mekong

Die Oberen Schluchten des Mekong, vom 12.09. bis 03.10.2019

Von Deqin nach Cizhong, 70 km, davon etwa 1.500 m Abstieg und meist am Mekong entlang

Die Grillen zirpsen, nebenan raucht der Bach, und auch die anderen Gäste aus Dali verabschieden sich langsam in ihre Betten. Wir sind angenehm satt und haben ausgiebig vom Rotwein gekostet, den wir den Missionaren aus der 1880er Jahren zu verdanken haben.

Heute früh hingen die Wolken tief, auf der steilen Abfahrt Richtung Mekong hat es noch geregnet. Am Mekong wird es dann besser, ein Panorama jagt das nächste. Was ist die berühmte erste Biegung des Jangste schon gegen jene Wendungen, die der Mekong hier nimmt. Gegen halb drei kommen wir in Cizhong an. Der kleine Ort ist bekannt für seine katholiche Kirche, die während der Tibetmission in den 1880er Jahren von französischen Jesuiten hier aufgebaut wurde. Wir unterhalten uns mit einem der beiden Pfarrer. „Wir halten hier unsere Sonntagsmesse mal auf Chinesisch und mal auf Tibetisch. Denn einer unserer Pfarrer kommt aus Tibet.“ erzählt er. Ein Gehalt bekommen sie nicht. Sie sind von den Spenden der 600-Seelen-Gemeinde abhängig. „Sonnatgs ist die Kirche voll, etwa 100 Gläubige kommen hierher“. Der Rest muss auf dem Feld arbeiten oder ist anderswo beschäftigt. Ein ganz guter Schnitt, wie ich finde. Ganz in der Nähe gibt es noch vier andere Kirchen, die die Pfarrer bedienen müssen. Auch in China herrscht ein Mangel an Nachwuchspriestern. Eine Haushälterin haben sie nicht, Rente gibt es keine, also arbeitet der hiesige Pfarrer so lange es geht. Ich frage nach Messdienern. Die kenne er, habe aber keine. Ich erzähle, dass in Deutschland die Pfarrer oft Freundinnen haben, heimlich natürlich. Er lacht, ja, natürlich sei das in China auch so, genauso heimlich. Aber in der Stadt sei es einfacher, in einem kleinen Dorf eher unüblich.

Nach dem Rundgang durch die Kirche finden wir uns bald wieder in unserer Herberge ein. Wir haben schöne Holzzimmer im Obergeschoss, davor eine kleine Dachterrasse, auf der wir unsere Wäsche trocknen. Das Abendessen stammt wieder aus dem Gemüsegarten hinter dem Haus, der Weinberg ist etwas weiter entfernt. Der Wein schmeckt etwas ungewöhnlich, aber nicht schlecht. Schließlich sitzen wir zu zehnt am Tisch. Zu uns sechst gesellen sich unsere Fahrer Xiao Luo und Xiao Ding, ihre Tochter WenWen und die etwa gleichaltrige Tochter des Hauses, die froh ist, eine Spielkameradin gefunden zu haben. Nebenan sitzen ein paar Gäste aus Dali, die sich ihr Abendessen selbst gekocht haben. Bei Wein und Schnaps wird es gesellig, so lässt es sich leben. Unser Dank gilt hier den Missionaren, die mit der Religion auch den Weinanbau in diese Gegend gebracht haben.

Abendessen bei den katholischen Gastgebern:

 

Ausspannen mit Aussicht

Die Oberen Schluchten des Mekong, vom 12.09. bis 03.10.2019

Halbtagesausflug zum Feilai Tempel und Ausspannen mit Aussicht

Bilderbuchwetter am Meili Snow Mountain. Deswegen sollen heute auch hauptsächlich die Bilder sprechen. Nur so viel: wir hatten wirklich Glück, die Sonne scheint, es ist warm, und wir haben den Feilai Tempel und die große Aussichtsplattform mit den Stupas wieder einmal fast für uns allein. Bis auf eine Gruppe, die ein Video für den nächsten Vermarktungsfilm dreht. 

„40 Yuan Eintritt zur Plattform? Was gibt es denn da alles zu machen?“ frage ich mal, obwohl der Blick auf die gegenüberliegende Kette der Meili Schneeberge schon umwerfend ist. „Ihr könnt noch 8 Kilometer um den kleinen Hügel fahren, fast flach, mit den Fahrrädern wohl kein Problem“, war die Antwort der Ticketverkäuferin. Das war der Tipp des Tages. Denn die Rundfahrt auf der kleinen Straße gibt nach und nach den Blick in jede Richtung frei. Völlig ohne Verkehr und einfach zum Genießen. Den Rest des Ausflugs verbringen wir damit, auf die Berge zu schauen und abzuschalten. Es war toll, obwohl sich die Spitze des höchsten Gipfels nicht ganz gezeigt hat. 

PS: Der höchste Gipfel der Meili Snow Mountains ist der 6.740 m hohe Karwa Karpo, der noch nie bestiegen wurde. Nachdem eine 17-köpfige Expedition Anfang 1991 an diesem Berg verunglückt ist, wurden weitere Versuche verboten. Wir haben zwar nicht den Karwa Karpo, aber dafür die Spitze des 6.379 m hohen Nairi Dingka Gipfels gesehen.

PPS: Später gab es noch Massage für alle und eines der besten Essen auf dieser Tour.

 

 

 

 

Waschtag

Die Oberen Schluchten des Mekong, vom 12.09. bis 03.10.2019

Von Benzilan nach Shusong, 35 km, über 1.700 Höhenmeter

Heute haben wir Zeit. Es wird Wäsche gewaschen, gelesen und geschrieben. Harald repariert seinen Koffer. Dabei haben wir auf 35 Kilometer schon 1.176 Höhenmeter gemacht, das Kloster Dongzhulin besichtigt und die obligatorische Nudelsuppe gegessen. Trotzdem erreichen wir das „Ökohotel“, wie Volker es während seiner letzten Tour getauft hat, um halb drei. Es gibt einen gut bestückten Gemüsegarten, eine Wäscheleine und kein WLan. Richtig Urlaub also. Die Temperaturunterschiede sind enorm. Bei der Ankunft auf ca. 3.100 m Höhe hat es leicht genieselt und es war kühl. Jetzt ist die Sonne herausgekommen und wir haben uns optimistisch die Stühle vor die Tür  gestellt. Schließlich hat es nur noch Emmerich ausgehallten, die Sonne ist einfach intensiv.

Im Kloster Dongzhulin hatten wir Glück. Acht Mönche lagen auf einer großen Platte und arbeiteten an einem Sandmandala. Sie nutzen dafür sehr kräftige Farben. Die Farbe besteht aus feinen Körnern und wird zuerst in eine Art Metalltrichter gegossen, und anschießend herausgeklopft. Oder besser gesagt herausgerieben, denn der Trichter hat eine sägezahnähnliche Leiste, auf der vorsichtig gerieben wird, um die Körner auch ja an die richtige Stelle rieseln zu lassen. Ein älterer Mönch begutachtet das entstehende Werk kritisch, um immer wieder Korrekturen anzumahnen. Hier ist es nicht gerade, da muss noch etwas Sand hinzugefügt werden. Für das ganze Bild brauchen sie vier Tage. Heute haben sie angefangen. Das ganze Kloster ist sehr sehenswert, das meiste neu und von hoher Qualität. Wir dürfen die steilen Treppen über zwei Etagen bis ins Obergeschoss hochsteigen, wo ein Mönch eine Trommel schlägt. Vielleicht übt er für Trancetänze? Sie ist jedenfalls laut und rhythmisch ansteigend. Hoffentlich hat der Trommler Ohrstöpsel, denn für uns ist es schon kaum auszuhalten. Weil in den Hallen fotografieren nicht erlaubt ist, ist hier die Fantasie der Leser gefragt.

Unser Mittagessenn nehmen wir in einem kleinen Straßenrestaurant ein. Nudelsuppe und gebratener Reis steht auf der Karte. Unterwegs haben wir auch die Große Biegung des Jangtse bewundert, einer der 180-Grad-Schleifen, die den Kurs des Flusses stark verändert. Eine etwas berühmtere Biegung werden wir noch sehen, wenn wir nach Shigu kommen.

Die recht steilen Hänge sind von kleinen Straßen durchzogen, die sich in Serpentinen bis nach oben winden. Wir folgen der 214, die hier etwas gemächlichere Serpentinen aufweist. Es ist eine alte Handelsroute, die bis nach Lhasa führt. Diese Route wird spätestens seit der Olympiade in Peking 2008 auch gern von einheimischen Radfahrern genutzt. Direkt nach der Olympiade hat es einen regelrechten Boom auf dieser Route nach Lhasa gegeben. Heute haben wir jedenfalls zwei chinesische Radfahrer mit Gepäck getroffen, der eine ist auf dem Weg von Lijiang nach Lhasa und plant dafür 18 Tage ein. Der andere hat wie wir den Meili Snow Mountain zum Ziel. Zwei weitere sind uns entgegen gekommen. Wir biegen ab Deqin nach Süden ab. Mal sehen, ob wir dann auch noch auf andere Radfahrer treffen.

PS: Heute hatten wir auch unseren ersten Platten der Tour. Harald hat den Anfang gemacht. 

Eine unglaubliche Geschichte

Die Oberen Schluchten des Mekong, vom 12.09. bis 03.10.2019

Von Balagezhong nach Benzilan, mit einem halben Tag Staunen in Balagezhong

Unser Hotel ist ein Kaderhotel, das Frühstücksbuffet gibt es in einer großen Halle mit noch größerem Bildschirm. Dort wird schon die Geschichte von Balagezhong erzählt.

Sightseeing auf Chinesisch bedeutet meist: in einen Bus einsteigen, sich vom Guide am Mikrofon berieseln lassen, dann und wann ein Fotostopp und gemeinsames Mittagessen. Alles hübsch bemessen und am besten keinen Schritt von der Masse entfernen. Wir haben Glück, den ersten großen Bus wollen außer uns sechs Langnasen nur noch zwei Touristen aus Vietnam und drei Reisende aus China nehmen. Also keine Gruppen, keine Megaphone, sogar den Guide schenkt man sich, weil die Hälfte der Leute ihn ohnehin nicht verstanden hätte. So muss der Fahrer uns an den fünf Stopps sagen, wann er gern wieder abfahren möchte. Sehr angenehm. Sehr leise und sehr unspektakular für chinesische Verhältnisse. Für das Spektakel sorgt allerdings die Landschaft.

Aus den angekündigten viereinhalb Stunden sind gute sechs Stunden geworden. Und es hat sich gelohnt. Wer braucht die Tigersprungschlucht, wenn es Balagezhong gibt. DIE neue In-Destination in Yunnan. Auch viele chinesische Stars kämen hierher, so berühmt sei der Ort mittlerweile. Aber starten wir von vorn: ein Dorf hoch oben in den Bergen, unten die tiefe Flußschlucht, keine Straße weit und breit, der gefährliche Fußweg in die nächste Stadt dauert fünf Tage. Ein zehnjähriger Junge hat sich am Auge verletzt. Er hat das Dorf bisher noch nie verlassen. Sein Vater aber beschließt, das Risiko auf sich zu nehmen und steigt mit dem Jungen ab, die Felswände fallen steil ab und auf dem schmalen Pfad ist Ankommen auch Glückssache. Im Krankenhaus dann die Enttäuschung. Es ist zu spät, das Auge des Jungen kann nicht mehr gerettet werden.

Das soll niemandem mehr passieren, denkt sich der Junge und macht es sich zur Lebensaufgabe, eine Straße in sein Dorf zu bauen. Diese Geschichte wird von einer der berühmtesten Moderatorinnen Chinas über Millionen Bildschirme verbreitet. Bei den Zuschauern im Studio kullern die Tränen. Sehr ergreifend. Leider hat der Vater des Jungen die Vollendung seines Werks nicht mehr miterlebt. Noch mehr Tränen, da heult man vom Zuschauen fast mit. Denn das alles läuft natürlich auch im Bus während der kurvigen, steilen Fahrt hinauf und hinauf. Wie es auch immer geschehen ist, die Straße ist da, und mittlerweile fest in den Händen des Tourismus. Und wir finden uns plötzlich irgendwo zwischen Himmel und Erde wieder, über uns Wolkenfetzen, tief unter uns der Fluss.

Busparkplatz, Skywalks, Aussichtsplattformen mit Glasböden, Museumsdörfer und neu erbaute Tempelanlagen. Das alles weit oben in den einst so unzugänglichen Bergen. Und Flying Fox gibt es auch. Puh, soviel muss man erst einmal verkraften. Hier die Bilder. 

Wie um wieder geerdet zu werden, folgt unten abgekommen ein Spaziergang am Fluss und Treppen in enge Schluchten hinein. Nur der Wasserfall war gesperrt. Jammern auf hohem Niveau. Unglaublich, dass wir diese Landschaft fast für uns allein hatten, denn die Busse fahren im 40-Minutentakt, so dass wir einen guten Vorsprung vor den anderen wesentllich volleren Bussen hatten.

Dann rollen wir noch knappe zwei Stunden mit dem Rad nach Benzilan, wo uns ein Festessen erwartet. Denn die Tochter unseres Fahrerpäarchens hat heute Geburtstag. Ich denke, für einen Tag reicht das.

Runter zum Jangtse

Die Oberen Schluchten des Mekong, vom 12.09. bis 03.10.2019

Von Shangrila nach Balagezhong, 86 km, 886 Höhenmeter

Eine fantastische Radstrecke. Von kühl und regnerisch bis sonnig und heiß war alles dabei. Jetzt sitze ich auf den Treppen des Hotels, neben mir rauscht der Jangtse, vor mir die steilen Wände der Schlucht am Eingang zum Naturschutzgebiet Balagezhong. Die Temperaturen sind angenehm warm.

Heute früh hätte man sich das nicht vorstellen können. Um sieben, als wir zum Frühstück aufbrechen wollten, war es noch dunkel und es hatte sich eingeregnet. In der Lobby des alten tibetischen Holzhauses war niemand, dafür aber Tür und Tor verschlossen. Nach etwas Suchen im Schlüsselkasten war das Problem gelöst. Das ist dann der erste richtige Radtag, Abfahrt im Regen, durch den Stadtverkehr von Shangrila.

Doch schon bald wird es malerisch: Berge, Wolkenfetzen, hier und da ein Tempel und wir haben die kleine Nebenstraße für uns allein. Na ja fast. Nach jeder Kurve muss man mit Kühen rechnen, die es sich auf der Straße gemütlich gemacht haben. Für das Mittagessen ist es um elf Uhr eigentlich zu früh, deswegen bestellen wir nur eine große Suppe für alle und Reis dazu. Denn einen anderen Ort mit Restaurant gibt es unterwegs nicht. Dieser hier heißt Nixi und ist anscheinend bekannt für seine Hühnerzucht. 

1.000 Höhenmeter tiefer. „Wir haben jetzt 32 Grad“, meint Claudia nach einem Blick auf ihre Anzeige. Wir erreichen zum ersten Mal den Jangste, an den Hängen blühen Kakteen, und hier und da steht ein Bananenbaum. T-Shirt-Wetter. Größer könnten die Unterschiede kaum sein in den gut fünf Stunden, in denen wir 1.750 m Abfahrt genossen haben. Um kurz nach drei Uhr erreichen wir unser Hotel am Eingangstor von Balagezhong. Nach dem ersten Schmutzbier will ich Eintrittskarten für den nächsten Tag kaufen, denn morgen setzen wir uns in den Touristenbus und machen einen Halbtagesausflug in die Schlucht. Statt der Eintrittskarten treffe ich Lucy, die Tochter des Hüttenwirts von Walnut Garden, eines der ersten Gästehäuser in der Tigersprungschlucht. Ich habe sie seit bestimmt sieben Jahren nicht mehr gesehen, und nun hier.

Vor dem Duschen haben wir beschlossen, noch zum Aussichtstempel auf einen Felsvorsprung zu gehen. Ganz schön steil und rutschig, mit einem Tunnel und einigen gefährlich niedrig hängenden Felsen in Kopfhöhe. Beim Blogschreiben habe ich dann auch noch Yang Hongyan, die Chefin vom Radladen in Kunming getroffen, die auch gerade hier unterwegs ist.

Hier die Eindrücke des Tages.

 

   

 

 

Triathlon in Shangrila

Die Oberen Schluchten des Mekong, vom 12.09. bis 03.10.2019

Mit dem Rad zu den heißen Quellen und einige Treppen unterwegs

Zugegeben, der Blogtitel ist geklaut. Von Harald, der den Vorschlag wiederum von Klaus übernommen hat.

Gefrühstückt haben wir in einem Besen, wie man in der Umgebung Stuttgart wohl sagen würde. Im Wohnzimmer einer tibetischen Familie gibt es für Reisende auch Frühstück. Während die Omi des Hauses Nudelsuppe zubereitet, hat Klaus die Rolle der Ayi, also der Kinderfrau, übernommen.

Die Suppe ist süß (sehr ungewöhnlich), und als wir Chilli dazu nehmen, guckt unsere Köchin sehr skeptisch. Also, wenn sie eine süße Suppe essen würde, käme da keine Schärfe dazu. Sehr ungewöhnlich. Sie ist in ihrer Küchenehre verletzt und holt uns noch eingelegten Rettich, schneidet eine Möhre dazu und bietet uns Yakjoghurt in einem kleinen Tässchen an. Schmeckt ungewöhnlich, aber lecker.

„Irgendwas eiert an meinem Fahrrad“ meint Harald. Die Pedale hatte sich herausgedreht und verklemmt, aber mein Schraubenschlüssel war heute im Hotelzimmer geblieben. In der Umgebung gibt es nur Gehöfte, die aber allesamt verlassen scheinen. In einem Straßenkiosk sitzt eine alte Dame, davor steht ein Motoorrad. Wo ein Motorrad steht, gibt es auch Werkzeuug, denke ich mir und frage danach. Nachdem die Dame kramt in einem alten Säckchen herum, aber die passende Größe ist nicht dabei. „Ich wohne drüben, zu Hause haben wir Werkzeug.“ war der Kommentar, „Aber einer von euch muss auf mein Kiosk aufpassen“. Ok, kein Problem. Claudia und Klaus übernehmen mal eben den Laden. Ich gehe mit Ulrike und Harald zur Hausbesichigung. Das Haus der alten Dame ist stattlich, mit hohen breiten Holzpfeilern, davor ein Wintergarten, der als Gewächshaus genutzt wird. Ich darf selbst in einem alten Werkzeugkasten nach dem richtigen Schraubenschlüssel suchen, und schon ist die Pedale wieder drin. Die alte Dame ist ganz glüklich über die 10 Yuan Leihgebühr für das Werkzeug, und hat sicher noch lange etwas zu erzählen. Wie wir auch.

Danach stand nooch ein Besuch im Dabao Tempel an. Der liegt in einem Seitental versteckt im Wald und wird eher von Pilgern als von Touristen frequentiert. Eine schöne ruhige Stimmung, in der wir unsere mitgebrachten Gebetsfahnen aufhängen.

Das Baden in den heißen Quellen ist ein Genuss. Die Anlage ist etwas basic, wie ich auf Neudeutsch sagen würde. Die Kulisse, der Blick auf eine Natursteinbrücke, die sich ein Fluss im Laufe vieler Jahrtausende durch die Felswände gegraben hat, ist aber unschlagbar.

Gesehen haben wir unterwegs viele weidende Schafe, Yak (oder die hiesige Kreuzung aus Yak und Rind), Pferde, Schweine, dazu jede Menge Edelweiss und ein paar andere hübsche Pflanzen. Und viele Treppen zum Tempel und zu den heißen Quellen mussten wir auch gehen. Dabei merkt man dann doch noch die Höhe. Mehr Zeilen bleiben nicht für den Blog, weil es geich Abendessen gibt und das Internet abends abgeschaltet wird.

 

 

Der verlorene Horizont

Die Oberen Schluchten des Mekong, vom 12.09. bis 03.10.2019

Flug nach Shangrila und Besichtigung des Songzanlin Klosters

Heute sind wir im Hochland angekommen, auf knapp 3.300 m Höhe. Die Wolken hängen tief, mal fühlt es sich an wie feiner Landregen, dann ein kurzer Schauer. Shangrila heißt eigentlich Zhongdian und wurde aus Marketinggründen in den mystischen Ort aus dem Roman Lost Horizon von James Hilton benannt. Lost Horizon passt irgendwie, bei der Ankunft suchen wir vergeblich hinter den Wolken- und Nebelfetzen nach dem Horizont

Nach einem Mondkuchen-Frühstück um 5 Uhr früh in der Hotellobby und reibungslosem Flug nach Shangrila warten die Räder auf uns. Das heißt zusammenbauen, schrauben und Probe fahren. Unser Ziel ist der Songzanlin Tempel, einer der großen tibetisch buddhistischen Tempel in Yunnan. Außer uns steigen noch einige chinesische Reisegruppen die vielen steilen Treppen zur Haupthalle hinauf, gar nicht so einfach in der Höhe. Die Sauerstoffsättigung im Blut hatten wir schon gemessen, zwischen 87 und 97 war alles dabei (in der Ebene sind Werte von 98 oder 99 Prozent üblich). Wir brauchen also noch etwas Zeit, uns an die Höhe zu gewöhnen.

Ich streife gern durch die Hallen, im Obergeschoss üben die Mönche Rezitieren und die Aussicht in die Umgebung ist selbst bei Regen schön. Ein Besucher aus den Philippinen erkennt uns als Radfahrer, verwickelt Harald ins Gespräch und ist völlig begeistert von unserer Tour. Er selbst sei lange Jahre gern und viel Rad gefahren, jetzt aber aus Genussgründe aufs E-Bike umgestiegen. Solche kurzen Begegnungen machen Laune. Wir verbringen viel Zeit in Songzanlin, bevor es zum Abendessen und Spaziergang durch die Altstadt von Shangrila geht.

Die Altstadt erstrahlt in neuem Glanz. Anfang 2014 war sie vollkommen abgebrannt, jetzt reiht sich ein Holzhaus mit kunstvoll geschnitzten Fensterläden und Türen neben dem anderen, alles im alten Stil. Mit Kreistanz auf dem Hauptplatz und Live Musik in den kleinen Bars. Für heute begnügen wir uns jedoch mit dem Rundgang, der Tag war lang und es gibt einiges an Schafdefizit nachzuholen.  

 

Akklimatisieren für Mythos Mekong

Die Oberen Schluchten des Mekong, 12.09. bis 02.10.2019

Anderthalb Tage in Kunming

Endlich, nach einer langen Anreise, mehrmaligem Umsteigen, vielen Gepäckkontrollen und schließlich Abnahme der Fingerabrücke bei der Einreise, sind wir zu fünft in Kunming angekommen. Etwas gerädert finden wir uns in einem Café wieder, und während wir noch auf Emmerich warten, überlegen wir, ob die drei fehlenden Koffer wirklich heute Abend wie versprochen ins Hotel geliefert werden. Das Hotel liegt genau zwischen der West- und der Ostpagode in einer kleinen Fußgängerzone im Süden der Stadt. Bei der Naherkundung sind wir auch schon mitten drin: kleine Garküchen, unzählige Gerichte, viele kleine Läden und überall Elektroroller.

Mit Emmerich waren wir dann einige Stunden später vollständig, zu sechst geht es los. In Kunming, der Provinzhauptstadt Yunnans, sind wir vor allem, um uns zu akklimatisieren. Denn der Anfangsort der langen Reise Mytos Mekong liegt auf etwa 3.300 m Höhe, danach folgen noch einige 4.000er Pässe. Die Stadt des ewigen Frühlings ist ideal zum langsamen Akklimatisieren. Sie liegt auf knapp 2.000 m, ist für eine chinesische Großstadt eher klein und beschaulich, und lädt mit einigen Tempeln, Parks und Fußgängerzonen zum Flanieren ein.

Und zum Essen. Das Abendessen genießen wir im Lao Fangzi, einem der schönen traditionellen Holzhäuser mit gemütlichem Innenhof. Am nächsten Morgen wählen wir die erste Nudelsuppe, viele weitere werden noch folgen. So gestärkt fahren wir mit dem Taxi zum Yuantongtempel. Heute ist Mondfest, schon gestern gab es zu diesemm Anlass Tanz- und Gesangaufführungen auf der großen Bühne im Stadtzentrum. Heute strömt die halbe Stadt zum Tempel, um Räucherstäbchen anzuzünden. So voll habe ich den Tempel noch nicht erlebt. Wir kommen gerade rechtzeitig zur buddhistischen Messe, viele Gläubige beten und singen mit, nicht alle haben in der großen Haupthalle Platz gefunden und draußen auf Gebetshockern Platz genommen. Am Ende wirft ein Mönch noch eingepackte Kekse in die Menge. Mich erinnert das an Karneval, und auch wir bekommen genügend Päckchen ab. „Staubtrocken“, meint Claudia, die sich als Erste an die Kekse wagt. Also brauchen wir Flüssigkeit, am besten Tee. Den finden wir nach einem Rundgang durch den Cuihu-Park in einem ruhigen schattigen Innenhof. Der Cuihu hat sich in ein Lotusmeer  verwandelt, und nach und nach finden sich immer mehr Gruppen ein zum Tanzen, Musizieren oder um chinesische Kampfkunst zu üben. Eine gute Stunde plaudern wir bei vielen kleinen Tässchen Puer-Tee über Gott und die Welt, bevor wir uns auf den Rückweg zum Hotel machen.

„Ihr habt Glück,“ meint Yang Hongyan, die Chefin vom Radladen, der unsere Räder wartet und dem wir einen spontanen Besuch abstatten. „Seid gestern hat es aufgehört zu regnen. Vorher war es total nass und es hat sehr heftige Regengüsse gegeben.“ Jetzt ist es warm, in der Sonne richtig heiß. Hoffentlich bleibt uns der Wettergott, der Klimawandel oder wer auch immer gnädig, so könnte es gut weitergehen. Nach einer guten Portion Jiaozi finden wir uns wieder im Hotel ein. Kurze Pause vor dem Abendessen. Morgen geht es in aller Frühe weiter mit dem Flieger nach Shangrila, und endlich auf die Räder. Die Koffer sind gestern abend übrigens wie versprochen und rechtzeitig bevor uns nach dem langen Tag die Augen zugefallen sind, wohlbehalten angekommen.

Kathmandu und Abschied von Nepal

Auf dem Dach der Welt, 17.09. bis 12.10.2018

Besichtigung in Kathmandu am Beginn der Feiertage: Pashupatinath, Bodnath, Dubar Square

Die Hände nicht mehr ständig am Lenker, haben wir Zeit zum Fotografieren. Nach einem ausgiebigen Frühstück, und für Annika und Dirk nach der Yogastunde, beginnen wir unsere Besichtigungstour per Auto am Pashupatinath, Nepals heiligstem Pilgerort und Stätte der Feuerbestattung für die Verstorbenen aus Kathmandu. Für mich ist es auch zum dritten Mal sehr gewöhnungsbedürftig, nur ein paar Meter entfernt zu sein, wenn Angehörige sich von ihren Lieben verabschieden, das Feuer anzünden und warten, bis schließlich die Asche in den Fluss gekehrt wird. Man wird das Gefühl nicht los, bei einer wichtigen Zeremonie zu stören, deswegen gibt es auch keine Bilder davon hier im Blog.

Heute ist der erste Tag des hinduistischen Dasain-Festes, das sich über zwei Wochen erstreckt. Viele Menschen haben sich herausgeputzt und besuchen die Tempel, es ist etwas voller als sonst. „Zu diesem Feiertag bekommen die Kinder neue Kleider und werden von den Eltern verwöhnt“ erzählt Baskhar, unser Guide. Wir schauen uns das bunte Treiben an, gehen an Hochzeiten vorbei und erleben Zeremonien, von denen noch nicht einmal Baskhar so genau weiß, welchen Inhalt sie haben, es gibt einfach zu viele Volksstämme mit eigenen Traditionen hier in Nepal.

An der großen Stupa Bodnath wird es wieder tibetisch, gerade wird das imposante Bauwerk neu gekälkt, einige Pilger drehen die Gebetsmühlen, die Luft ist voller Rauch und dem Geruch der Butterkerzen. Nach einer Pause in einem der Rooftop Restaurants geht das Programm weiter. Während der Fahrt zu einem Radladen wird uns klar, was Feiertagsbeginn in Kathmandu bedeutet. Die Straßen werden voll und voller, selbst zu Fuß kommt man nicht mehr wirklich weiter. Die halbe Stadt scheint auf den Beinen, um bei den zahlreichen Straßenhändlern einzukaufen.

Kurz vor vier Uhr erreichen wir den Dubar Square, und erhaschen einen Blik auf die Kumari, lebende Gottheit aber vor allem vierjähriges Kind, das sich einmal am Tag auf dem Balkon den Menschen zeigt. Die Kleine schaut kurz hinunter und beobachtet dann die Tauben auf dem Dach, bei uns schleicht sich ein ungutes Gefühl ein, was diese Tradition betrifft, einem kleinem Mädchen bis zu einem Alter von etwa zwölf Jahren ein solch isoliertes Leben anzutun.

Am Dubar Square sind die Auswirkungen des Erbebens von 2015 allzu gut zu erkennen. Viele der Tempel sind noch in sich zusammengefallen, einige befinden sich schon im Wiederaufbau. Auch auf dem Rückweg durch die Gassen des Stadtviertels Thamel wird die Zerstörung immer wieder sichtbar, wenn man sich die Lücken anschaut, die zwischen den stehen gebliebenen Häusern klaffen. Baskhar erzählt, wie er unterwegs das Erdbeben erlebt hat, wie die Kommunikation zusammenbrach und über die bangen Stunden, in denen er nichts über den Verbleib seiner Familie wusste, und ich bin froh, so etwas nicht erlebt zu haben.

Am Abend besuchen wir das Restaurant Bhojan Griha, geführt vom Besitzer des Kantipur Temple Houses, in dem wir in Kathmandu untergekommen sind. Angeschlossen ist auch ein Bioladen, vielleicht der einzige der Stadt, die Speisen stammen aus nachhaltigem Anbau. Kathmandu ist zwar insgesamt etwas schicker geworden, aber immernoch ein ziemliches Chaos aus Stromkabelgewirr, kleinsten Läden und viel Staub, und hier einen Bioladen aufzumachen finde ich einfach gut.

Nach diesem vollen Tag geht auch eine lange Reise zu Ende. Morgen werden Franz, Ramon und ich wieder nach Hause fliegen, Annika und Dirk hängen noch ein paar Tage an. Ich sitze im Innenhof des Hotels und genieße die letzten Stunden hier in Nepal. Schön wars.

Ein klein wenig Statistik:

Wir sind „Auf dem Dach der Welt“ 1.124 km geradelt und haben dabei 9.447 Höhenmeter (reiner Aufstieg) überwunden.

Drei Fünftausender-Pässe lagen auf dem Weg: der Karo La Gletscher (5.050 m), der Gyatso La (5.248 m) und der Kongtang Lamu (5.236 m).

Gefühlt haben wir sämtliche Klimazonen durchquert und geschwitzt und gefroren: von frostigen Temperaturen knapp über null in Tibet bis hin zu sommerlich-heißen dreißig Grad in Kathmandu war alles dabei.

Der Wettergott war auf unserer Seite. Alle Achttausender auf dem Weg haben sich uns wolkenfrei gezeigt. Der Besuch am Everest Basecamp war sicherlich eines der Highlights.

Von den sechs wichtigsten Klöstern des tibetischen Gelug-Ordens haben wir vier besichtigt. Nebenbei haben wir ganz gut gegessen und die lokalen Biere durchprobiert. Unsere Favoriten sind eindeutig die nepalesischen Kaltgetränke.

Die gefährliche Zone unterhalb der Baumgrenze haben wir nahezu unfallfrei passiert. Alles gut gegangen. Nochmal ein Stoßgebet nach oben.

Und… auf der ganzen Strecke hatten wir nur einen Platten, und das auf dem ersten Kilometer in Lhasa.