Über 6293 Stufen musst du gehn

Kaiser, Kanäle Konfuzius, 04. bis 25.05.2019

Zwei Tage zusammengefasst: Wir fahren mit dem Zug nach Tai‘an und besteigen am nächsten Tag den Taishan.

Am Montag, den 6. Mai fahren wir mit dem Zug von Qingdao nach Tai‘an. Wir müssen leider ganz schön früh raus, weil der Zug schon um 7:38 Uhr abfährt. Wir sind etwas müde, die Fahrt und der Transfer zum Hotel in Tai‘an laufen jedoch wie Schnürchen. Die chinesische Bahn ist gut organisiert und das System mit den großen Wartehallen und einem „Aufruf zum Boarding“, nachdem ausschließlich die Passagiere eines bestimmten Zuges zum Einsteigen aufs Gleis gelassen werden, fühlt sich ein bisschen an, als wäre man per Flugzeug unterwegs.

Da wir früh in Tai‘an ankommen schauen wir uns noch die große daoistische Tempelanlage gleich um die Ecke des Hotels an. Unsere anschließende Suche nach einem Café gestaltet sich etwas schwierig – da hat sich unserer Vorgängergruppe vor zwei Jahren, wie deren Blog verrät, besser angestellt.

Abends schlendern wir noch über den Nachtmarkt. Hansi hat heute Geburtstag und bekommt – wie es sich in China gehört – von uns eine Sahnetorte, garniert mit frischen Erdbeeren, die wir nach dem Abendessen gemeinsam verputzen. Als die Wirtin des Restaurants mitbekommt, dass es einen Geburtstag zu feiern gibt, serviert sie dem (schon zum Platzen gefüllten) Geburtstagskind gleich noch eine Schüssel Nudeln aufs Haus. Die langen Nudeln in der Suppe stehen in China für den Wunsch nach einem langen, glücklichen Leben, und sind neben der Sahnetorte auf jedem chinesischen Geburtstags-Speiseplan wiederzufinden. Alles Gute, lieber Hansi!

Am Dienstag geht‘s dann hinauf auf den Tai-Berg (Taishan). Das Internet verrät uns, dass dieser heilige Berg des Daoismus der meistbestiegenste Berg der Welt ist. Wir möchten das jetzt gerne korrigieren: Der Berg ist wohl eher meist befahren und meist begondelt. Während am Fuße und auf dem Gipfel wirklich viel los ist, ist der Betrieb auf den vielen, vielen, Steinstufen, auf denen wir den Berg hinauf stapfen, doch halbwegs überschaubar. Die Stimmung unterwegs ist gut und wir werden immer Mal wieder von fröhlichen Wandersgruppen angesprochen und gefragt, ob wir nicht für ein gemeinsames Foto zur Verfügung stehen würden. Wir machen da gerne mit.

Es ist sonnig, mit einer leichten Brise, und der Weg ist schattig und schön – und vor allem im letzten Drittel auch schön anstrengend: Die Treppen werden irgendwann immer länger und steiler und man ist gut beraten, sich nicht unterwegs nach hinten und unten umzuschauen.

Nachdem wir gut oben angelangt sind, drehen wir noch eine Runde um die Gipfel und fallen schließlich geschafft in unsere Betten. Spät ist es noch nicht, aber wir werden morgen früh schon um 3:30 Uhr geweckt, um den Sonnenaufgang anschauen zu gehen.