Unser Mitbringsel für zu Hause: Frischer Knoblauch

Kaiser, Kanäle Konfuzius, 04. bis 25.05.2019

Zwei Tage: Bahnfahrt von Qufu nach Pizhou und 21 km Fahrt mit dem Rad von Pizhou nach Yaowan.

Am Morgen des 12. Mai fahren wir mit dem Zug von Qufu nach Pizhou, einer der vielen chinesischen Millionenstädte, die keine besondere Bedeutung haben. Auf dem Weg zum Bahnhof kommen wir noch an einem ziemlich Beeindruckenden Bauwerk vorbei: Der Inhaber eines Kohleförderungsunternehmen (einem der Haupt-Industriezweige Shandongs) hat hier Millionen investiert und sich selbst ein Denkmal in Form eines riesigen Buddhistischen Tempels geschaffen. Es gibt zwei Gebäudekomplexe, die beide verdammt groß und eindrucksvoll sind.

Mit dem Zugfahren kennen wir uns ja jetzt schon aus, auch diesmal klappt es wunderbar, auch wenn es etwas weniger komfortabel ist, als bei der letzten Fahrt. Am Nachmittag erkunden wir Pizhou und machen eine kleine Teeverkostung im Teeladen.

Am nächsten Morgen treffen wir dann zum ersten Mal auf den Kaiserkanal. Auf dem einst so bedeutenden Handelsweg ist auch heute noch reger Schiffsverkehr. Wir fahren die kurzen 21 km nach Yaowan direkt am Kanal entlang, die Straße ist wieder gesäumt von den Fusselpappeln und wir werden leicht geschoben vom starken Seitenwind.

Auf halber Strecke sehen wir Bauern, die auf einer großen Betonfläche irgendwas zum Trocknen ausgebreitet haben. Wir sind neugierig und fahren mal näher ran. Knoblauch, so weit das Auge reicht! Während einige Arbeiter die Wurzelreste am unteren Ende der Knolle abschneiden, sind andere am Sortieren und Verpacken mit Hilfe verschiedener Gerätschaften. Die Knollen sind nach verschiedenen Größen sortiert und werden unterschiedlich lange getrocknet – etwa 70 Prozent sind für den chinesischen Markt bestimmt, der Rest wird ins Ausland exportiert.

Die Arbeiter freuen sich über unser Interesse, Fotos können wir gerne machen. Ein tätowierter Kerl bedeutet uns gestenreich, dass er uns etwas Knoblauch zum mitnehmen zurechtmacht. Das ist nett, hat aber einen Haken: Er hört und hört nicht auf, frische Knollen zu schälen und auf einem Haufen für uns zurechtzulegen. Davon, dass wir für so viel Knoblauch auf einer Radreise recht wenig Verwendung haben, will er nichts wissen und schält stur weiter. Am Ende kommt eine beachtliche Menge zusammen, die er uns stolz präsentiert. Das ist mindestens ein Jahresverbrauch einer mitteleuropäischen Großfamilie! In Nordchina wäre das aber vermutlich innerhalb weniger Wochen verkocht. Wir nehmen den Beutel dankend an und machen natürlich auch gerne noch ein Foto mit ihm in der Mitte. „Tschüss und bis zum nächsten Mal!“ ruft er uns nach, als wir uns wieder auf die Räder schwingen. Frischer Knoblauch vom Kaiserkanal – das macht sich doch toll als Mitbringsel nach Europa, oder? Alternativ überlegen wir, den Knoblauch Herrn Yang, unserem Beggleitfahrer, zu schenken.