Unterwegs auf neuen Wegen

Kaiser, Kanäle, Konfuzius, 04. bis 25.05.2019

63 km von Baoying nach Gaoyou, 26 Grad und viel Sonne.

Die Strecke von Baoying nach Gaoyou wartet gleich am Anfang mit einer Überraschung auf: Direkt am Kaiserkanal, an dessen Ufer wir heute radeln, verläuft ein nagelneuer Radweg! In den Genuss, darauf zu radeln, ist unsere Vorgängergruppe noch nicht gekommen. In vielen Ecken Chinas werden zur Zeit Radwege gebaut – eine Entwicklung, die natürlich äußerst begrüßenswert ist. Wir freuen uns sehr darüber, dass wir etwas abseits der Landstraße und mit schönem Blick auf den Kanal auf dem glatten Radweg dahinrollen können. Ein paar Kinderkrankheiten muss man da jetzt noch in Kauf nehmen: Gerne stellen zum Beispiel Straßenarbeiter ihre Karren quer über den Radweg. Auch der Normalbürger parkt sein Auto vorzugsweise schön mittig auf dem Weg, sodass man als Radler recht umständlich ins Gelände ausweichen muss. Und der Klassiker natürlich: (trifft auf mindestens 50% der Radwege zu, die ich im ländlichen China bisher beradelt habe) Der Weg endet irgendwo in einer Sackgasse. Das passiert uns heute gleich zwei Mal. Trotzdem bleiben wir dabei: Es ist gut, dass die chinesische Regierung sich bemüht, das Radfahren in der Natur zu fördern.

Als der Radweg irgendwann gänzlich aufhört, fahren wir wieder auf schönen kleinen Betonwegen durch die Felder. Die Sonne scheint und der Wind kommt von hinten – was kann ein Radfahrer mehr wollen?

In Gaoyou angekommen besichtigen wir erst noch die Altstadt und die historische Poststation, und trinken dann noch ein besonders schmackhaftes Schmutzbier (lokal gebrautes Weißbier) in einem zufällig gefundenen, hübschen Biergarten. So lässt‘s sich‘s leben!

Dass sich unsere Reise langsam dem Ende neigt, zeigt sich daran, dass der erste Abschied naht. Morgen wird unsere letzte Radeletappe sein, danach verlässt uns Fahrer Herr Yang und wir müssen uns die verbleibenden Tage ohne seine Fürsorge durchschlagen. Er hat seine Aufgabe mehr als gut gemacht – sich rührend um uns gekümmert und uns stets mit den besten lokalen Köstlichkeiten versorgt. Wir laden ihn heute zum Essen ein und loben uns für seine herausragende Begleitung. Danke, Meister Yang!