Essen und Bauen

Durch das wilde Osttibet, 12.05. bis 03.06.2018

Ruhe- und Besichtigungstag in Xining

Ich zitiere immer wieder gern einen Bekannten, der sagt, Essen und Bauen seien gerade die wichtigsten Dinge in China. Dem Essen haben wir unseren Tag in Xining gewidmet. 

Mit dem Bus geht es zur Großen Moschee von Xining, in der wir den Innenhof und eine kleine Ausstellung ansehen und einen Blick in die Gebetshalle werfen dürfen. Im angrenzenden Viertel ist der Einfuss der muslimischen Hui Volksgruppe unverkennbar. Die Männer tragen weiße Kappen und lange Bärte, die Frauen Kopftücher. Nach der Besichtung ist es auch schon Zeit für eine kleine Stärkung, diesmal sollten es handgemachte Jiaozi sein. Im Restaurant staunen wir über den riesigen Topf Hähnchenschenkel, gut, dass wir schon satt sind.

Auf den vier Kilometern Fußweg zurück gibt es noch in Bananenblätter eingewickelten süßen Klebereis, Fladenbrote aus der Feuertonne, Puffreis, Gebäck mit roten Bohnen, Waffelröllchen und Süßkartoffelchips als Nachspeise. Die Dichte der Bäcker, Fleischer und jeglicher Art Snackverkäufer auf dem Weg von der Großen Moschee über den Shuijing Markt zurück zum Hotel ist einfach unglaublich. Außerdem werden Hochlandprodukte angeboten wie beispielsweise Joghurt aus Yakmilch, Rosenwurz gegen die Höhenkrankheit, Tee aus Bergblumen und Raupenpilze, die hier bei guter Qualität stolze 428 Yuan pro Gramm kosten.

Unser Abendessen nehmen wir in einem „A-Restaurant“ mit fünf chinesischen Sternen ein. Gesalzenes Lammfleisch und Rinderrippchen sind nur einige der Xining-Spezialitäten, Innereien wollte heute niemand mehr probieren. Gut, dass wir morgen aufs Rad steigen, ein Tag mehr in dieser Stadt und ich platze.


Kujbischesk Stausee

Tag 55, 86 km von Laischewo nach Tschistopol, entlang des Kujbischesk Stausee. Von Oliver Schmidt.

Laischewo liegt an einem künstlichen Binnenmeer, dem Kujbischesk Stausee, dessen Uferlinie heute unsere Reiseroute vorgab.  Gespeist von Wolga, Kama, Svijaga, Kasanka, Cheremshan und Usa ist hier zwischen den Jahren 1955 bis 1957 der größte Stausee in Eurasien entstanden. Sechstausendvierhundertfünfzig Quadratkilometer. Über 2600 Kilometer Küstenlinie, von denen wir heute auf dem Weg nach Tschistopol einige wenige in Augenschein nehmen konnten.

Die ökologischen Folgen des Stauseeprojektes sind in ihrer Gesamtheit nicht abzuschätzen. Doch die enorme Verdunstung führte in den letzten Jahrzehnten zu massiven klimatischen Veränderungen, berichten die Einheimischen.

Mussten noch vor wenigen Jahren lange Fährüberfahrten oder weite Umwege in Kauf genommen werden, beschleunigt die neue, fast vier Kilometer lange Brücke über den Stausee bei Alekseevkoe die heutige Etappe. Schon am frühen Nachmittag erreichen wir unser Tagesziel, die ansehnliche Kleinstadt Tschistopol, die während des zweiten Weltkriegs für zahlreiche Schriftsteller, wie z.B. Boris Pasternak,  zum Zufluchtsort wurde und uns heute zu einem kurzen literarischen Streifzug durch die jüngste russische Geschichte einlädt.

Ramadan

Durch das Land der Yi, 10.05. – 02.06.2018

90 km von Hongtudi bis Xundian, viel Wind, meist von vorne, Sonne satt und viele Höhenmeter

Nach der gestrigen kurzen, aber recht heftigen Etappe nun heute eine weitere Bergetappe, nicht ganz so viele Höhenmeter am Stück, dafür aber knapp 90 Kilometer bis zu unserem Ziel, Xundian. Nie gehört? Wir auch nicht, ist aber die Kreisstadt eines autonomen muslimischen Bezirkes in Yunnan. Das wird später noch eine Rolle spielen…

Zuerst geht es aber stramm bergab, so stramm, dass Werner gleich ein wenig zu viel Schwung nimmt, die Abzweigung verpasst und über die nächste Kuppe saußt. Glücklicherweise hat Xiao Luo, unsere Begleiterin im Bus, mitgedacht, und fährt mit dem Begleitauto ein Stück hinterher, nachdem die Einheimischen ihr erzählt hatten, dass da ein weißbärtiger Ausländer an ihnen vorbei gesaußt sei.

Hildegard und ich lassen derweil die Fotoapperate glühen und verbringen die Abfahrt mit Stopp-and-Go. Oder besser Stop-Klick-and-Go. War die Landschaft gestern schon phantastisch, ist sie heute einfach nur atemberaubend. Rote Terrassenfelder bis zu den Berghöhen, unterbrochen durch ein sattes Grün in allen Nuancen, dort, wo etwas wächst. Selten sind wir so langsam eine Abfahrt hinuntergekrochen!

Gleich im Tal geht es dann wieder bergauf, immer den Hang entlang, gute 700 Höhenmeter. Langsam schrauben wir uns den Berg hinauf, und können die spektakuläre Terrassenlandschaft so umso länger genießen.

Zur Belohnung gibt es eine lange Abfahrt bis fast zum Hotel. Die Restaurantsuche für das Abendessen gestaltet sich heute schwierig. Es ist Ramadan, und die Sonne geht erst so gegen 21:00 Uhr vollständig unter. Und da sich der Fastenmonat inzwischen auch in Chinas muslimischen Gegenden durchgesetzt hat, bleibt dementsprechend alles geschlossen, vor allem die Restaurants. Religionsfreiheit am falschen Ende, wie wir meinen.

Schließlich finden wir dann doch noch ein offenes Restaurant, dass zwar erst den Charme einer Bahnhofshalle hat, dann aber doch höchst leckeres Essen auf den Tisch zaubert.

Inzwischen war die Sonne dann auch untergegangen, so dass unser üppiges Abendmahl – Inschallah – durchaus als Fastenbrechen gelten kann.