Im Programm stand heute „flach“

Durch das wilde Osttibet, 12.05. bis 03.06.2018

Von Linxia nach Xiahe, 110 km, etwa 1100 Höhenmeter

… bemerkt Thomas beim Abendessen. Leicht müde hängen wir in den Sesseln eines Hotelrestaurants, in dem auch viele Mönche speisen. Alles unter zwei Prozent Steigung zählt nicht, vermutet Ulrich, und Gerd fügt hinzu, dass er eh nicht gedacht hätte, dass wir auf 110 Kilometern über tausend Meter in die Höhe geradelt sind. Stetig leicht bergauf würden wir gelten lassen, aber flach, neee.

Viele Moscheen, zu Beginn eine neue Straße ohne Verkehr, drei Tunnelumfahrungen, dann zunehmend tibetisches Gebiet und höhere Berge („wie in Osttirol“), die ersten Yak auf 2.500 Meter Höhe, und schließlich buddhistische Tempel, so könnte man den Tag zusammenfassen. Knapp sieben Studen saßen wir im Sattel. Und zu unseren Doping-Methoden könnte man hinzufügen, dass Kekse besser über die Berge bringen als Nudeln, zuindest auf die gebratene Variante mit Zwiebeln werden wir mittags eher verzichten. 

Schön wars, und der ständig angesagte Regen ist auch ausgeblieben. Den Rest zeigen die Bilder.


Bitte merken Sie sich das Jahr 1221 …

Bilderbuch am Ruhetag unseres 47. Reisetages aus der unteren Neustadt (Ни́жний Но́вгород / Nischni Nowgorod), Postkartenhimmel, Sonne pur. Von Peter Frenzel.

Hier tipp ich also wieder als Novgorod-Bilderbuch-Blogger. 😉
Nach der „Bedeutenden“ sind wir nun inzwischen 4 Radeltagesreisen ostwärts Moskaus in der „Unteren“ unterwegs. Die Stadt hieß ganz früher schon so, dann 1932 bis 1990 Gorki (Го́рький). Am Ruhetag war natürlich Ausschlafen und mal ganz ohne „Zeitdruck“ Frühstücken angesagt.

Viktor fuhr uns mit dem Bus auf die andere Seite der Stadt (und über die hier schon mächtig breite Wolga) in den älteren Teil der 1,2-Millionen-Stadt. Das waren immerhin so 6-7 km!

Wir trafen uns dort mit Elvira Wladimirowna, die uns mehr als 2 h in ausgezeichnetem Deutsch durch ihre Stadt begleitete. Wir merkten sehr schnell, daß sie ihre Heimatstadt tief ins Herz geschlossen hat. Sie betonte auch, daß sie in Gorki aufgewachsen ist und eher nicht glücklich über deren Rückbenennung ist.

Elvira führt uns in die Geschichte Novgorods ein, die um 1221 begann. In wenigen Jahren wird hier also ein runder „Geburtstag“ gefeiert! Elvira fordert uns auf: „Bitte merken Sie sich das Jahr 1221!“ Übrigens, die Geschichte des Kölner Doms begann ebenfalls ungefähr in dieser Zeit.

Apropos feiern. Bevor wir den mächtigen Kreml besichtigen, umwandern wir eine riesige Baustelle auf der Straße und den Platz davor, die auf das „Public Viewing“ für die bald stattfindende FIFA-WM vorbereitet wird. Das neu errichtete Fußballstadion faßt 40.000 Zuschauerinnen, wird aber wohl kaum die Nachfrage decken oder für alle erschwingliche Tickets anbieten.

Wir hören vom Wirken des Großfürsten Juri II. Wsewolodowitsch, vom Einfluß der Großen Zarin Katarina und des noch größeren Zaren Peter I., den kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Mächtigen in Wladimir, Moskau und anderswo. Bitte fragt eure Lieblings-WWW-Suchmaschine nach mehr Lesestoff über diese beeindruckende Stadt und ihr bekommt Lesestoff für viele viele Stunden.

Vom Kreml aus hatten wir einen 7-Sterne-Blick auf die Mündung der Oka in die Wolga sowie ins Umland.
In der Ferne war die Nachbarstadt Bor zu sehen und Elvira empfahl, unbedingt mit der Seilbahn über die Wolga dorthin zu fahren. Machten wir also. 2,5 km Promenade hoch über der Wolga bis zur Station und los.

Aber erst ein kleiner Bummel über die Shopping-Mall „Pokrowskaja“, die sich durchaus mit der Moskauer „Arpatskaja“ messen kann einschl. Kaffepause im Marktgetümmel.

Die 3661 m lange Gondelbahn beginnt in Nischni Nowgorod am Hochufer der Wolga in unmittelbarer Nähe einer Busstation. Sie überquert zunächst mit zwei Stützen den Grebnoy Kanal. Von dort steigt sie über einen Seitenarm der Wolga hinweg zur ersten von zwei 82 m hohen Stützen, die auf vier mächtigen Betonfundamenten auf einer oft überfluteten Insel steht. Von dort schwebt sie in einem 900 m langen Spannfeld über den Hauptstrom zu der zweiten hohen Stütze auf dem anderen Ufer. Anschließend überqueren die Gondeln noch die etwa 1,6 km weiten Flussauen bis zu der am Stadtrand an einer der großen Straßen der Stadt liegenden Station Bor.“ (Wikipedia).
Zurück ist es genau so schön und kostet auch nur 100 Rubel pro Nase.

Den Weg zum Hotel zurück rumpeln wir entspannt mit dem 90er Bus und steigen am „Moskauer Bahnhof“ aus.
Das war ein wunderschöner Tag!

Beim leckeren Abendessen im „Afrika“ (da war es gestern schon schön) verabschieden wir uns von Sascha (Danke für die engagierte Begleitung in den zurückliegenden Wochen!) mit einem kleinen „Survival“-Päckchen und begrüßen Oliver, der uns ab morgen versuchen wird beizubringen, wo es lang geht. 🙂

Bilderbuch auf:

Durch das wilde Yizustan

Durch das Land der Yi, 10.05. – 02.06.2018

Ca. 65 km von Leyue nach Zhaojue, immer noch sehr warm, immer noch Rückenwind und Sonne satt!

Wir verlassen unsere Gruppensuite recht früh, da es in unserer kleinen Pension kein Frühstück gibt. Um Punkt 8 sitzten wir auf den Rädern und genießen die mäßig kalte Morgenluft. Die Suche nach einer Frühstücksgelegenheit gestaltet sich schwierig, da im Ort selbst die Garküchen nicht den besten Eindruck machen und dann erst einmal tiefe Schlucht ohne Bebauung angesagt ist.

Besonders tragisch ist das aber nicht, da uns Xiao Luo, unsere Begleiterin, rührend mit leckeren Bananen, Pfirsichen und Keksen versorgt, so dass wir uns das Frühstück in sitzender Form einfach schenken, ohne dass jemand traurig gewesen wäre. Ohnehin könnten wir uns heute auch von faszinierender Landschaft ernähren, so spektakuläre ist die Schlucht, die wir uns in weiten Kurven nach oben schrauben. Tief hat sich der Fluss hier in den Fels gefressen, die Hänge sind schroff, vielfarbig. Also viele Schattierungen von Braun bis Grün. Wild rauscht der FLuß im Tal, jedenfalls dort, wo er nicht von kleinen Staustufen gezähmt wird.

Die Nudelsuppe holen wir zum Mittagessen nach und stehen dann nach gut 50 Kilometern und mehr als 1.000 Höhenmetern auf der ersten Passspitze, die sich in ein liebliches Tal öffnet, mit weitflächigem Reisanbau und einer riesigen Zementfabrik, die wie vom Himmel gefallen ist.

Die letzten knapp 200 Höhenmeter tun dann ein bisschen weg, sind aber doch irgendwann zu Ende. Die Abfahrt nach Zhaojue ist dann rasant, was auch daran liegt, dass uns eine Gewitterfront verfolgt. Das Rennen haben wir aber gewonnen, wenn auch nur knapp!

Zhaojue selbst erkenne ich kaum wieder. Vor acht Jahren auf der Yangzi-Tour mussten wir uns nach der Ankunft sputen, da das einzige Restaurant um 20:00 Uhr schloss. Heute ist Zhaojue eine vibrierende Stadt und ein paar Dutzend Restaurants haben allein in der Umgebung unseres Hotels bis spät am Abend geöffnet. Bei uns gibt es frische Flusskrebse zum Abendessen. Wie Hildegard es so schön ausdrückt: Das haben wir uns verdient!


Die unten angezeigte Route ist lediglich rekonstruiert und entspricht nur bedingt der tatsächlich gefahrenen Strecke!