Keinen Meter mehr

Durch das wilde Osttibet, 12.05. bis 03.06.2018

Von Xiahe nach Tongren, 106 km, 1.525 Meter Aufstieg, 1.890 Meter Abstieg

Gestern Nachmittag hatte es noch ein Gewitter mit Hagelschauer gegeben. Heute war es trocken, auch kein Schneesturm auf dem Pass wie im Mai vor vier Jahren.

Grasland und Hochebenen, auf denen Tibeter mit Cowboyhüten per Motorrad Ziegen- und Yakherden zusammentreiben, dazwischen auch Pferde, Gänse und dicke fette Murmeltiere. Unser erster richtiger Pass liegt auf gut 3.600 Meter Höhe, aber Radfahren funktioniert besser als Treppensteigen, wie wir gestern in Xiahe festgestellt haben. Wir fahren auch noch durch Nadelwald-Berge und später an roten Canyons vorbei.

Die Landschaft wechselt so rasant, dass wir kaum noch mitkommen. Auf dem Pass war es kühl, unten kurz vor Tongren wieder sehr heiß. Um sechs Uhr abends erreichen wir leicht müde das Hotel in Tongren. Es war ein toller Radtag, sehr abwechslungsreich und kaum Verkehr, aber jeder Meter mehr wäre heute einfach zu viel gewesen.


Bilderbuch am Ruhetag: Xichang

Durch das Land der Yi, 10.05. – 02.06.2018

Ruhetag in Xichang, Stadtspaziergang, weiterhin „für die Jahreszeit zu warm“

Den Ruhetag haben wir uns verdient! Sechs Tage am Stück waren wir seit Yibin unterwegs, haben 500 Kilometer in den Knochen und gut 7.000 Höhenmeter. Xichang stand eigentlich nicht auf der Reiseroute. Aber das ist ja das schöne an einer Erkundungstour: Wir sind flexibel. Durch den unfreiwilligen, aber schönen Ausflug nach Leibo hatten wir einen Tag „verloren“, Zhaojue am nächsten Tag zu erreichen war unrealistisch und der Abzweig nach Jinyang ebenso nicht wirklich eine Alternative wie der spätere nach Puge. Also der „Umweg“ über Xichang und einen Ruhetag, um frisch auf den Rest der Tour zu gehen. Konkret heißt das, dass wir den Ruhetag von Dongchuan nach Xichang verlegt haben, Jianshui zu den Reisterrassen bei Yuanyang an einem Tag machen werden und eine Nacht in Kunming kürzen.

Alles im Lot, stimmungstechnisch sowieso.

Zumal sich Xichang als Doppelübernachtungsort wirklich lohnt. Allein schon wegen unseres schnuckeligem Hotels. Und die Altstadt, die uns vor acht Jahren so fasziniert hat, ist immer noch kaum verändert vorhanden. In kleinen, windschiefen Teehäusern ziehen alte Männer im Einheitslook an langen Pfeifen, sippen Tee und spielen Karten. Handwerker bieten ihr Ware feil, Nudelbuden buhlen um Kundschaft und keiner kommt auf die Idee, die Tür zu schließen oder auf Privatsphäre zu bestehen. Das Leben findet auf der Straße statt, und da stören auch ein paar Langnasen nicht, die selbige in die Türöffnungen und Ladentüren stecken. Wem der Text bekannt vorkommt, hat ein verdammt gutes Gedächtnis oder kann gut googlen!

Nur rund um die Altstadt hat sich Einiges verändert, die Stadtmauer wurde samt eines neuen Stadttors erweitert und umgibt nun ein gutes Viertel der Altstadt. Wir schlendern durch die Gassen, schlürfen eine Nudelsuppe und grünen Tee, besuchen die evangelische Kirche, stellen fest, dass die pastorale Haltung und Ausdrucksweise der Evangelen weltweit die gleiche ist, besuchen einen Haushaltswaren- und einen Obst- und Gemüsemarkt.

Dementsprechend voll ist die Bildergalerie, die es traditionell am Ruhetag gibt!

Trasse E22 (aka M7)

Tag 50, 103 km, von Worotynez nach Tscheboksary, sehr viel Verkehr auf schlechter Straße. Von Oliver Schmidt.

Schon morgens reihen wir uns erneut mit unseren Gefährten in den dichten Verkehr der Trasse Nr. 7 ein. Der Zustand der Straße variiert stark, hebt die Stimmung aber nicht wirklich. Im Gegenteil. Bodenlose Schlaglöcher und markerschütternde Bodenwellen fordern Mensch und Maschine …

Tscheboksary, die Hauptstadt der autonomen tschuwaschischen Republik, die wir am frühen Nachmittag erreichen, ist für den heutigen Tag unsere Rettung. Welch eine  Augenweide, welch eine Ruhe. Gelegen am lieblichen Ufer der aufgestauten Wolga, mit großzügigen Parkanlagen und wunderbar entspannten Bewohnern.