Magistrale 7

Tag 49, 154 km, Nischnij Nowgorod – Worotynez. Von Oliver Schmidt.

Nischnij Novgorod konnte lange nicht von uns lassen … denn über 25 Kilometer benötigten wir um ihr zu entkommen und tauschten dann die morgendliche Hektik der Städter gegen die todesmutigen Kraftfahrer, auf der in der Reisegruppe so beliebten und alternativlosen Magistrale Nr.7.

Es schien ein Wettkampf zwischen den Automobilisten entbrannt, in dem es galt dem Radreisenden so nah als möglich zu kommen. Nur Karin und Peter zeigten Vernunft und vertrauten sich die letzten Kilometer Viktor und seinem Gefährt an.

Am späten Nachmittag machte sich Hoffnung und Zuversicht breit, denn nach endlosen Industrieanlagen und stinkenden Erdölraffinerien endlich die ersten ausgedehnten Birkenwälder. Welch wunderbarer Gruß aus den Weiten Sibiriens. Lange Tage, wie heute, auf der russischen Autobahn sind durchaus anstrengend, aber auch nötig um voran zu kommen, und gut zu bewältigen mit der Vorfreude auf den Ural und die sich anschließenden Weiten der sibirischen Wälder …


Himmel, Pigu und Wolkenbruch!

Durch das Land der Yi, 10.05. – 02.06.2018

Ca. 99 km von Zhaojue nach Xichang

Nachdem wir gestern bei 32 Grad auf der Passhöhe (2.200 m) standen, beschließen wir auch heute einen frühen Aufbruch. Nach dem obligatorischen Startfoto vor dem Denkmal für die Märtyrer des Volkes lassen wir uns erst einmal den Berg hinaufblasen. Die Straße ist neu gebaut und führt durch ein malerisches Flusstal. Welch ein Kontrast zu gestern!

Trotz früher Stunden sind die Temperaturen schon am oberen Rand der 20er und machen auch keine Anstalten, auf dem Weg nach oben zu fallen. Im Gegenteil: Schon kurz nach 10:00 Uhr ist die 30er-Marke geknackt und wir schon auf ca. 2.700 Metern Höhe. 1.600 Höhenmeter sind für heute angesagt, davon gut 1.100 am Stück. Das klingt viel, ist es auch! Aber der Wind bleibt uns wohl gesonnen, die Steigung, zum ersten Mal, seit ich durch China radle sogar flächendeckend angezeigt, geht selten an die 10 Prozent und liegt meist so konstant bei 6 Prozent, dass wir schon vermuten, es gäbe nur dieses eine Schild.

Kurz vor der Passhöhe auf 3.200 Metern Höhe dann endlich die erhoffte Abkühlung. Leider in Form eines Hagelschauers. Beziehungsweise deren drei. Ich erreiche das Begleitfahrzeug kurz nach dem Einsetzen des ersten Schauers. Den nimmt Hildegard noch tapfer mit und sitzt die nächsten beiden am Auto aus. Werner lässt es sich nicht nehmen, alle drei auszukosten. Die ersten beiden als Schlusslicht der Gruppe, den dritten als früh losgefahrene Avantgarde, auf dem Weg zum blauen Himmel, der sich an der Bergkuppe abzeichnet.

Ein paar Minuten danach sind wir aber schon wieder abgetrocknet, stehen auf der Passhöhe und lassen rollen.

46 Kilometer und 1.700 Höhenmeter bergab, nicht zu steil, mit nur einem kleinen Gegenanstieg. So lässt es sich radeln!

Xichang, unseren Zielort erreichen wir recht früh, müssen uns dann aber (gemütlich beim Schmutzbier in der schönen, traditionell eingerichteten Lobby unseres Hotels) ein wenig gedulden, da die Chefin erst einmal die Anmeldeformalitäten mit der lokalen Polizei abklären muss, während Xiao Luo, deren Familie auch ein Hotel betreibt, auf sie einredet, dass das doch ganz einfach ginge.

Ist es dann auch, unsere Pässe und die Visa/Einreisestempel werden fotografiert und die Hotelbesitzerin bringt sie mit ihrem schicken Fahrrad zur Polizei. Unsere Räder bekommen heute sogar ein eigenes Zimmer, ohne Aufpreis.

Radlerbonus!

So sitzen wir gegen 18:00 Uhr mit müden Beinen, aber guter Stimmung in unseren stilvollen Zimmern inmitten der Altstadt von Xichang.

Morgen ist dann erst einmal Ruhetag angesagt!

P.S. Aufmerksame Leser werden bemerkt haben, dass wir ein wenig von der Route abgewichen sind. Davon dann später!


Die unten angezeigte Route ist lediglich rekonstruiert und entspricht nur bedingt der tatsächlich gefahrenen Strecke!

Kloster Labrang

Durch das wilde Osttibet, 12.05. bis 03.06.2018

Ruhetag in Xiahe mit Besichtigung des Klosters Labrang

Heute wird es bunt in der Bildgalerie. Das Hotel ist es, genau wie die vielen Devotionaliengeschäfte in der Stadt und natürlich die Innenräume im Kloster Labrang selbst. Schon am frühen Morgen sind die ersten Pilger unterwegs, um Labrang zu umrunden und die Gebetsmühlen zu drehen. Dann tauchen die Raupenpilzverkäufer auf, und noch ruhen sich Ziegen und Hunde auf dem Gehweg aus.

Wir besichtigen Labrang im Rahmen einer obligatorischen Führung. 2.000 Mönche studieren hier in sechs Fakultäten, im Angebot sind Philosophie, Medizin, Astronomie und Astrolgie, Ritualpraxis und zweimal Tantra. Wir erfahren aber nicht nur einiges über den Gelbkappen-Orden, denn Labrang ist eine der sechs wichtigsten Klosterschulen dieser tibetisch-buddhistischen Gemeinschaft, unser Mönchsführer bringt uns mit seinen Fragen wie „Was ist Glück“ oder „kennst du dich eigentlich selber?“ leicht in Bedrängnis. Er selbst ist mit acht Jahren nach Labrang gekommen und lernt seit 20 Jahren in der Philosophischen Fakultät. Um halb zwölf strömen dann Mönche von allen Seiten in die Haupthalle, es ist Zeit für das Mitttagsgebet inklusive Tee, und im Anschluss gibt es Reis für alle, der in der Klosterküche in Woks mit drei Metern Durchmesser zubereitet wird.

Wenn die Sonne scheint ist es heiß, wir spazieren noch etwas durch die Wohnhäuser der Klosteranlage und bewegen uns im Strom der Mönche wieder zum Ausgang, das Mitttagessen ist wohl beendet. Ich gehe mit Manja noch die innere Kora, dann geht jeder von uns seine Wege.