Zieleinfahrt nach Zhangye

Durch das wilde Osttibet, 12.05. bis 03.06.2018

Von Minle nach Zhangye, 66 km bergab, 30 Grad

„Euer Gepäck ist ganz schön schwer geworden,“ meint Xiao Ding heute bei der Abfahrt. Handschuhe, Mütze, Winterbuff, Fleeceweste, Regenjacke, lange Radhose, Regenhose, Neoprenüberschuhe, Gamaschen, das alles ist heute im Koffer geladet. In den Bergen hatten wir diese Sachen griffbereit und auch benutzt. Aber jetzt ist es Sommer geworden im Hexi-Korridor.

Unser letzter Radtag – leider, leider – war auch der schnellste. Wir sind gut eingefahren, es geht 66 Kilometer bergab, der Wind weht von schräg hinten, mit einem 30er Schnitt rauschen wir ganz entspannt auf unseren Zielort Zhangye zu. Die Baustelle zur Verdopplung der Straßenbreite war zwar staubig, groß aufgehalten hat sie uns aber nicht. Die heutige Szene des Tages lief folgendermaßen ab: wir machen gerade auf einer kleinen Nebenstraße eine kurze Pause. Ein geschätzt 80 Jahre alter Herr schiebt sein Fahrrad, es hatte Holzpedalen, die Straße herauf und summt eine Melodie. Sieht uns, schaut uns an, dann die Räder, fängt lauthals an zu lachen, lacht und lacht und geht weiter. Ok. Das können wir auch, und kurze Zeit später ist das allgemeine Gelächter groß.

Das Lachen vergeht mir, als ich Zhangye sehe. Die Stadt erkenne ich kaum wieder, ganze Straßenzüge werden abgerissen, neue sind dazu gekommen, viele Läden stehen leer, es sieht nach Abriss aus. In der sengenden Nachmittagshitze wirken die Dimensionen der Wohnblöcke unmenschlich groß. Erst nach Einbruch der Dunkelheit ändert sich die Atmosphäre und Zhangye entfaltet seinen Charme. Die nun bunt beleuchteten Straßen und Plätze füllen sich, überall wird flaniert, geplaudert, gespielt oder getanzt. Wir schlendern noch eine Weile durch das Städtchen und lassen die Tour Revue passieren. Sommer, Winter, weite Ebenen, schmale Schluchten, neue Straßen und Schotterpiste, und sehr viel mehr war dabei. Schön war’s, da sind wir uns einig.


Radfahren mit 4 Schichten

59. Tag, von Ischevsk nach Tschaikowsky, 88 km. Von Gerhard Leiser.

Der Tag in Ischevsk begann mit einem üppigen Radlerfrühstück. Durften wir uns doch schon beim Einchecken am Vorabend 3 Gerichte aus der Karte aussuchen, die dann zum Frühstück frisch zubereitet und serviert wurden. Ergänzend dazu gab es noch diverse Sachen vom Büffet.

Kein Vergleich zu unserem Sanatoriumsfrühstück vom Vortag, das aus mehreren kleinen Fleischpflanzerln (Fleischklopse) mit lauwarmen Nudeln bestand, ergänzt um eine kleine Scheibe Käse pro Nase. Wir wollen nicht nur maulen, manche Kurgäste waren noch schlechter dran – Diät!

Diesmal gut genährt, starteten wir in einen freundlichen Tag, verließen schnell die Stadt und fanden uns nach kurzer Zeit auf ruhigen Straßen wieder, die sanft die Hügel rauf und runter gingen. Mal war die Straße besser, mal wieder hat sie die üblichen Querrillen und Löcher, aber man ist bemüht, die gröbsten Löcher mit einem Haufen Asphalt und Steinen auszugleichen.

Kurz vor der Mittagspause verwandelte sich unsere Straße auf 8 km in eine Piste. Trotz allem hatten wir aber Glück, bei längerem trockenem Wetter hätten uns die Mitbenutzer der Strecke mit Staub überzogen, bei Regenwetter wären wir in Schlammlöchern steckengeblieben. So aber waren wir mit den Rädern teilweise schneller unterwegs als mit PKW.

Am Ende der Piste fand sich ein netter Platz für unser mittägliches Picknick. Während wir es uns schmecken ließen, zog Regen auf und es wurde sehr frisch. Das Thermometer zeigte bei der Weiterfahrt nur noch 8° C an.  Zur Weiterfahrt zogen wir dann alle verfügbaren Schichten übereinander (bei mir 4) und die Regenvollverkleidung an. Trotz allem waren die letzten 25 km bis in unser Etappenziel Tschaikowsky nicht Genussradfahren, da wir uns wenig später auf einer Hauptstraße mit dichtem Verkehr wiederfanden und jeder überholende LKW uns mit einer ordentlichen Menge Dreckwasser duschte.

Kurz vor Tschaikowsky überquerten wir auf einem weiteren Staudamm erneut die Kama – der Fluss, dem wir schon seit ein paar Tagen aufwärts folgen – wurden von einem Schiffsfriedhof empfangen und wechselten damit innerhalb von 2 Tagen ein weiteres Mal die Zeitzone. Nun sind wir 3 Stunden voraus.


Bilderbuch am Ruhetag – Jianshui

Durch das Land der Yi, 10.05. – 02.06.2018

Ruhe- und Besichtigungstag in Jianshui

Ausschlafen ist heute angesagt, zum Frühstück dann westliches Backwerk, zum ersten Mal auf dieser Reise!

Dann gehen wir auf Stadtbesichtigung. Jianshui war einmal wichtige Handelstadt, die Franzosen versuchten wohl zu Kolonialzeiten, hier Fuß zu fassen und die Familie Zhu hat sich Ende des 19. Jahrhunderts eine prächtige Residenz geschaffen, die wir nach dem Frühstück besichtigen. Dann gehen wir zum gemütlichen Teil des Tages über: Dem Teetrinken in der Residenz folgt ein Nudelsuppenstopp in der Altstadt.

Der Konfuziustempel folgt am Nachmittag und dann ist Freizeit angesagt. Hildegard und Werner gehen shoppen, ich bringe den Blog auf Aktualität.

Morgen dann die letzte Radetappe zu den Reisterrassen nach Yuanyang!