Ins Tal des Roten Flusses

Durch das Land der Yi, 10.05. – 02.06.2018

78 km von Jianshui nach Yuanyang, durchwachsenes Wetter und eine Baustelle

1.300 Kilometer und 22.000 Höhenmeter haben wir in den Beinen.

Das Wetter zeigt sich von der frischen, leicht regnerischen Seite.

Auf der Passhöhe stoppt eine Megabaustelle den Verkehr und wir rollen und schieben über frisch planierten Sand und etwas klebrigen Asphalt.

Die Abfahrt haben wir dann exklusiv für uns allein und lassen rollen, 1.800 Höhenmeter nach unten, mit tollen Ausblicken.
Und beschließen dann, dass das reicht, für die Tour. Ein schöner Abschluss. Die Höhenmeter wieder nach oben zu fahren wäre zwar reizvoll gewesen; unser Ehrgeiz hält sich aber in Grenzen. Wir lassen die Räder im Tal und nehmen das Begleitfahrzeug zu den Reisterrassen. Eine kluge Entscheidung, da es zu regnen anfängt, die ursprünglich geplante Route in einer aufgeweichten Dreckspiste endet.

Gut, kurz davor gab es noch eine Hochzeit zu bestaunen, und wer weiß, ob wir da dann einfach hängen geblieben wären.

Aber auch der relativ entspannte Blick aus dem Hotelzimmer auf die Reisterrassen hat seinen Reiz.

Ein Stückchen Seidenstraße

Durch das wilde Osttibet, 12.05. bis 03.06.2018

Besichtigungstag in der Umgebung von Zhangye

Irgendwann in der Nördlichen Wei-Zeit (etwa 380-530 n.Chr.) hat das Matisi, also die Pferdehuf-Grotten, wohl seinen Anfang genommen. Vielleicht war es erst eine buddhistische Meditationshöhle, mit der Zeit wurden es mehr und dann kamen die Höhlentempel dazu. Als dann der Handel an der Seidenstraße aufblühte, baten hier sicherlich auch Mitglieder von Karawanen um Schutz für die nicht ungefährliche Reise.

Heute lassen wir uns von Xiao Ding insgesamt gute 200 Kilometer weit kutschieren. Silkroad by car, statt China by bike. Unsere Ziele sind das Matisi und der Danxia Geopark. Es ist zwar nicht vergleichbar mit dem ausgefallenen Radtag, aber beide Orte haben etwas Besonderes an sich. Matisi liegt mit seiner langen Geschichte in einer tollen Bergwelt, im Falle von Danxia konnte sich ein Gebirgszug wohl nicht entscheiden und hat gleich sieben verschiedene Farbmuster hervor gebracht. Danxia ist ungleich stärker besucht, in dem großen Areal verteilen sich die Touristen aber recht gut auf kleine Busse, die einen „Hop on-Hop off“-Rundweg fahren und an vier spektakulären Punkten für einen Spaziergang anhalten.

Am Ende des Tages steht fest: so schön die Orte auch waren, im Auto zu sitzen ist anstrengender als Radfahren, vor allem, wenn die Temperaturen in Danxia über 30 Grad klettern. Hier ein paar Eindrücke.


Ruhetag und Schwanensee

Bilderbuch am 60. Reisetag vom Ruhetag in Tschaikowski. Von Peter Frenzel.

Tschaikowski (Чайковский) ist nicht nur der Name eines weltbekannten Komponisten. So heißt auch eine Stadt in der Region Perm in Russland, in der etwa 83.000 Einwohner leben.
Wir sind gestern hier im Hotel Dilishans (Дилижанс) abgestiegen. Gleich daneben ist ein See, ohne Schwäne.
Die stets hilfsbereiten Frauen und Männer des Hausteams haben sich diesen Satz Mark Twains zum Motto gemacht:
„Каждый хотел бы, чтобы в отеле его обслуживали как дома, а дома – как в отеле“
Марк Твен
[Everyone would like to be served at the hotel as at home, and at home – as in the hotel. / Jeder möchte im Hotel wie zu Hause und zu Hause – wie im Hotel – bedient werden.]
Wir fühlen uns pudelwohl hier.

* — Slippers are for every guest, steht auch auf der Hotel-Website und wir schlappen alle amüsiert damit im Haus herum.

Am heutigen Ruhetag erkunden wir mit Evgenij als sach- und ortskundigen Begleiter die Stadt.
Er kennt aus seiner Dienstzeit als Offizier bei der Sowjetarmee in der DDR einige deutsche Städte, und war zuletzt in Neustrelitz, einer Partnerstadt Tschaikowskis, stationiert. Seit 1993 wohnt er nun hier.
Er spricht ausgezeichnet deutsch und wir besuchen sehenswerte Orte der Stadt, angefangen im kleinen Stadtmuseum.
Als immer noch aktiver Marathonläufer hat er ein besonders großes Herz für den Sport und führt uns sogar bis auf die neue Sprungschanze im Sportzentrum Sneschinka (Снежинка = Schneeflocke) hinauf, die es nach zähem Ringen nun auch in den Kalender des Skisprung-Weltcups geschafft hat.

Die Stadt Tschaikowski gibt es erst seit 1955. Vorher gab es hier nur das Dorf Saigatka. Mit dem Bau des Wotkinsker Stausees und dann des Wasserkraftwerkes an der Kama wuchs auch eine neue Stadt. Damit die mit dem Bau beschäftigten Männer sich nicht einsam fühlen mußten, wurde bald eine große Textilfabrik gebaut, die Frauen als Arbeiterinnen in die Region „lockte“.

Der Name der Stadt geht natürlich auf Pjotr Iljitsch Tschaikowski (Пётр Ильи́ч Чайко́вский, 1840–1893) zurück, der ganz in der Nähe in der Stadt Wotkinsk (Во́ткинск; udmurtisch Вотка, Wotka) 😉 geboren wurde und dort bis zum 8. Lebensjahr wohnte.
Wotkinsk ist heute eine etwa ebenso große Stadt.
Ihr erinnert euch – Tschaikowski ist der Komponist der Oper Eugen Onegin sowie der unsterblich schönen Ballette Schwanensee, Dornröschen und Der Nussknacker.
Im Nachschlagewerk eurer Wahl findet ihr die lange Liste der Sinfonien und Orchesterwerke des Meisters.
Sein Denkmal steht an einem sehr schönen Platz mitten in der Stadt.

Darüber hinaus gibt es viele viele Kultur- und Bildungseinrichtungen sowie Sport- und Schwimmhallen für Jung und Alt.
In den letzten Jahren wurde viel renoviert und neu gebaut, u.a. Dank der großzügigen Unterstützung durch PAO Gazprom (Газпром), das weltweit größte Erdgasförderunternehmen.

Evgenij erzählt immer wieder begeistert von den vielen Begegnungen in Neustrelitz und Schwäbisch Hall, bei denen er schon viele Gruppen aus seiner Stadt begleitet hat und er freut sich schon auf die nächsten Reisen. Neben dem Sport spielen bei den Treffen Theaterarbeit und Musik eine sehr große Rolle.

Vor der Stadt am Beginn des Staudamms weist ein großes gebautes Zeichen daraufhin, daß hier der Bezirk Perm und die Stadt Tschaikowski beginnen. Nachdem man(n) dieses Zeichen passiert hat, ist auch die Uhr eine Stunde weitergerückt.

Bilderbuch auf: