Grün

Die Schöne Insel, 21.10. bis 13.11.2011

Es ist das satteste Grün, das man sich vorstellen kann. Man versteht auch ganz gut, wie das kommt: es nieselt, die Luft ist warm und feucht und das ist für hier noch trocken. Gestern an der Küste war die Vegetation anders als heute, man sah Bambus an allen Ecken und Enden und in das Land hinein auch kleine Reisfelder. Heute in den Hügeln war dichter Wildwuchs, immer wieder Areka-Palmen und Bananenstauden. Riesige Schmetterlinge, manchmal sahen sie aus wie kleine Vögel.

Unser Ausgangspunkt war Jiufen, ein kleiner Ort, der während der japanischen Okkupation (1895-1945) zur Goldgräberstadt ausgebaut und später von der taiwanischen Regierung in diesem Sinne weitergeführt wurde. In den 70ern war nicht mehr viel Gold zu holen, Jiufen wurde aber wieder populär durch den Film „Stadt der Traurigkeit“, der 1989 herauskam. Das ist einer der großen taiwanischen Filme (was vielleicht absurd klingt, aber Taiwan hat wirklich eine ganz besondere, großartige Filmkultur). In „Stadt der Traurigkeit“ wird Geschichte, Politik und das Problem mit der taiwanischen Identität sehr poetisch verarbeitet, danach gab es einen Run auf das schöne Städtchen Jiufen, extrem pittoresk.

Es ist schwer zu jubilieren, wenn man den halben Tag im Regen gefahren ist, aber warum eigentlich nicht? Die Strecke war ruhig und wunderschön, die Blicke gingen in wolkenverhangene Berge und in Täler mit rauschenden Bächen, chinesische Tuschemaler hätten sich die Finger wundgekritzelt. Nix los auf dem Weg, alles ruhig, das Wasser hat uns heute die Geräuschkulisse geliefert. Und die Ankunft war auch eine Überraschung: erstmal war man an der Abzweigung zur Herberge ein paar Kilometer vorbeigefahren (klingt ja nicht schlimm, aber über die 20% Steigung bergan zurück haben sich auch nicht alle gefreut), zweitens mal über unser Resort hier. Liebevolle, großzügige Zimmer, feinstes Essen, ein spätes Bad im Strom davor. Und nach dem Essen ein kräftiger Schluck Gaoliang (58%), so muss es weiter gehen, das Wetter kann uns egal sein.


Ich glaub‘, es wird heller….

Berg und Wasser, 08. bis 29.10.2011

Beijing – es ist grau und kalt. Wir sitzen im Frühstücksraum des Lu Song Yuan und halten uns bibbernd am heißen Kaffee fest. Es ist noch nicht spät genug im Jahr und so sind die Heizungen noch nicht angestellt. Die einzige Möglichkeit ist die angeblich warme Luft aus der Aircondition. Doch selbst bei dreißig Grad kann man eine Wärmeentwicklung nur erahnen.
Zu allem Übel ist der Wasser-Boiler im Hotel kaputt. Gute Nachricht, die neuen Teile sind bestellt, schlechte Nachricht, die Reparatur erfolgt frühestens am Nachmittag.
In unserem Kleinbus ist es mollig warm, leider müssen wir den verlassen. Wir besuchen den Himmelstempel, die Pekinger Einkaufsstraße Dazhalan, laufen über den Tiananmen Platz zur verbotenen Stadt. Dort erstmal bei einem Kaffee aufwärmen. Heinz und Simone machen dabei die Bekanntschaft eines Chemnitzer Ehepaares. Durch den Kaiserpalast wälzen sich Menschenmassen. Die asiatischen Reisegruppen sind gut an ihrer einheitlichen Kopfbedeckungen zu erkennen und an ihrer jeweiligen Reiseleitung, die sich mit Micro und Megaphon lautstärketechnisch gegenseitig Konkurrenz machen. Eine Mädchenklasse, einheitlich in gelbe Jacken und Pandamützen gekleidet, marschiert teilweise im Gleichschritt durch die Sehenswürdigkeit. Sie sind ziemlich begeistert von Heinz‘ neuerworbener Kopfbedeckung, einer Mütze in Form eines Huhnes.
Zwischenzeitlich äußert der eine oder andere, dass es doch offensichtlich heller und auch etwas wärmer werde. Pures Wunschdenken. Als wir nach der verbotenen Stadt auf dem Kohlehügel ankommen, sind alle schon wieder ziemlich durchgefroren. Selbst der Marsch auf die Spitze hat uns nicht gerade gewärmt. Der Einzige, der nicht wirklich unzufrieden mit den Temperaturen zu sein scheint, ist Siggi. Der bietet für hundert Yuan warmkuscheln an.
Also schnell den Fahrer angerufen und zurück ins Hotel, wir hoffen inständig auf heißes Wasser, dass dauert aber noch eine Stunde. (Ich versuche mit dem neuen Wasserkocher die Wanne zu füllen, scheitere aber kläglich.) Also lange Pause und dann zum Abendessen. Wir probieren mal Taiwanesisch. Die Portionen und die Bierflaschen sind allerdings so klein, dass wir diese Mahlzeit als Vorspeisen-Gang betrachten und nach bezahlter Rechnung in ein Hunan-Restaurant überwechseln, wo die Portionen und die Bierflaschen eine entsprechende Größe haben.
Und für mich gibt es, zurück im Hotel, erstmal eine heißes Bad.

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