Komfortzone

Die Schöne Insel, 21.10. bis 13.11.2011

Der Regen prasselt gegen das Fenster und der Wald davor lebt. Wir sind in einer Anlage die uns beim Schlussanstieg viel Mühe gekostet hat, aber jetzt sehen wir durch die Regenschwaden die Ebene von Yilan vor uns, mit allen ihren Lichtern. Satt, komfortabel, warmgeduscht. Ich hatte gerade eine Tour in Tibet, da hatten wir kaum mal heißes Wasser und manchmal auch keinen Strom – Johannes, der uns ein paar Tage hier in Taiwan begleitet hat, musste laut lachen als ich ihn gefragt habe, ob es bei der nächsten Übernachtung heißes Wasser gibt. Plötzlich stellen sich solche Fragen nicht mehr denn wir sind auf Taiwan, man hat hier schöne Hotels und zuverlässig gutes Essen, wie beruhigend, zur Abwechslung!

Johannes musste heute leider wieder los, ein altgedienter und trotzdem begeisterter Reiseleiter, ich denke mal dass er uns auch in Zukunft helfen wird. Ich hatte ihn letztes Jahr bei der Erkundung kennengelernt, dieses Mal hat er zunächst für uns gejobbt und ist dann aus freien Stücken weiter mitgefahren, dabei wurde er gemocht und war uns eine große Hilfe (und jetzt haben wir vor lauter Aufregung unser Gruppenbild mit ihm vergessen…). Unser Team hier ist auf ohnehin Trab und sehr professionell, das hat Monika ja schon geschrieben. Fang ist unsere Fahrerin und würde furchtbar gerne selber austreten, früher hat sie ihr Geld bei Radrennen verdient. Und Gen hat bis heute Abend wie der Athlet schlechthin gewirkt, was ja manchmal auch nicht so aufregend ist, heute hat er einige Gläser mit uns getrunken und irgendwann sogar das Rauchen angefangen, d.h. das Eis ist endlich gebrochen.

Eine herrliche Landschaft wieder heute! Teeplantagen säumten unseren Weg, wir sind in einem der wichtigen Anbaugebiete von Taiwan und wurden dazu sogar museal eingeführt, nämlich im Teemuseum von Pinglin. Vor allem Oolong und Baozhong-Tee von hier sind bekannt, beides halbfermentierte Teesorten, wobei der Bazhong fast noch ein Grüntee ist. Die Teepflanzungen sind immer schön anzuschauen, das Wetter hellte gegen Mittag auf, Affen kreischten im Gebüsch, erst zum Nachmittag verdunkelte sich das Firmament erneut und jetzt regnet es wieder. Wetter durchwachsen aber alles passend, sehr schöner Tag mal wieder.


Richtung Norden

Berg und Wasser, 08. bis 29.10.2011

Wir sind fast am Ende unserer Reise angekommen. Heute steht das letzte große Highlight auf dem Programm – Die Besteigung der großen Mauer. Unsere Fahrt führt uns durch den morgendlichen Berufsverkehr in nördlicher Richtung aus Beijing heraus. Nach etwa anderthalbstündiger Fahrt sehen wir in der Ferne die Mauer über hohe Bergrücken kriechen.
Wir erklimmen erst den östlichen Teil. Außer uns weit und breit keine Menschenseele. Erst am Wendepunkt unserer kleinen Wanderung kreuzt sich unser Weg mit dem einer chinesischen Reisegruppe, die ebenfalls, nur aus der anderen Richtung, an ihrem Wendepunkt angelangt sind.
Nach einem guten Mittagessen bei schöner Aussicht, herrlichstem Wetter mit blauem Himmel und Sonnenschein, entschließen wir uns auch den westlich von der Straße gelegenen Abschnitt der Mauer zu besteigen.
Am Eingang hat sich ein Trupp Frauen breitgemacht die uns Ansichtskarten, Bücher und Obst verkaufen wollen. Bei Siggi haben sie Erfolg,er kauft eine Khaki, findet sie allerdings ziemlich langweilig im Geschmack, „wie Kohlrabi mit Zucker“. Außerdem verursacht sie wohl ein dermaßen pelziges Gefühl auf der Zunge, dass sie seiner Meinung nach besser als Betäubung vor einer Zahnbehandlung geeignet ist.
Außerdem müssen wir Wegezoll zahlen: 2 Yuan für den Aufstieg, der uns über eine ziemlich wackelige Leiter auf das Bauwerk führt.
Da keiner von uns Lust hat diese Leiter wieder herunterzusteigen, wählen wir für den Abstieg einen Weg, den wir auf der anderen Seite der Mauer entdeckt haben. Auf halber Strecke versperrt uns eine alte, sichelschwingende Frau den Weg. Sie weist auf ein Schild, auf dem in ungelenker Handschrift geschrieben steht, dass auch hier 2 Yuan „Wegezoll“ fällig werden. Ohne Wiederrede zahlen wir, die Frau scheint nicht zu Scherzen aufgelegt. Unten angelangt, stranden wir in einer Art Hinterhof. Der Weg hier ist durch ein Tor, welches mit einer Eisenkette gesichert ist, versperrt. Ein Hund kündigt laut bellend unsere Ankunft an. Die Dame des Hauses erscheint auf der Veranda, etwas später gefolgt von ihrem Mann, der noch dabei ist, seine Hose richtig anzuziehen.
Sie begrüßen uns lachend und erklären erfreut, dass der Weg durch dieses Tor 2 Yuan pro Person kostet. Als kleinen Obolus dürfen wir ganz umsonst die aus Brettern zusammengezimmerte Brücke über den Fluss zur Straße benutzen.
Dann geht es zurück nach Beijing. Eine rote Sonne begleitet uns auf unserer Fahrt, die, kaum angekommen hinter dem Häusermehr versinkt.

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