Land der Tausend Radfahrer

Land der Tausend Elefanten, 19.11. bis 11.12.2011

Vom 14. bis zum 18. Jahrhundert gab es in Laos ein Königreich, das nannte sich Lan Xang (oder auch Lane Xang, Lan Chang, Lan Sang). Keine Sorge, ich werde Sie jetzt nicht mit der Geschichte Laos malträtieren. Vielleicht später. Jedenfalls bedeutet Lan Xang „Land der Millionen Elefanten“. Klingt romantisch, aber wie die folgende Legende, die uns unser Guide Yong aufgetischt hat, belegt, waren die Dickhäuter nicht immer wohl gelitten:

Es war einmal, vor vielen, vielen Jahren, ein Junge, der übernatürliche Kräfte besaß. Wie er zu diesen Kräften kam ist eine andere Geschichte. Hier geht es schließlich um Elefanten. Und zwar um genau 1.000.000 Elefanten. Die lebten in der Region um Vientiane und machten der dortigen Bevölkerung das Leben zur Hölle. Elefanten können nämlich besonders gut trampeln und futtern. Beides wirkte sich extrem ungünstig auf die Getreideproduktion in Vientiane aus. Die Einwohner und auch der damalige König waren dermaßen unglücklich über ihre missliche Lage, dass letzterer versprach demjenigen sowohl sein Königreich als auch seine Tochter zu schenken, dem es gelingt der Elefantenplage Herr zu werden. Kommt Ihnen das vielleicht aus deutschen Märchen bekannt vor? Mir schon, jedenfalls der Teil mit der Prinzessin als Tochter.

Unser junger Freund vom Anfang dieser Story hörte davon und da er nicht nur übernatürliche Kräfte besaß, sondern auch eine soziale Ader, machte er sich auf den Weg in die Hauptstadt. Er stammte aus dem Süden des Reiches. In Vientiane angekommen gelang es ihm innerhalb kurzer Zeit 999.999 Elefanten zu eliminieren. Wie er das angestellt hat ist leider nicht überliefert.

Wenn Sie in Mathe gut aufgepasst haben dürfte Ihnen nicht entgangen sein, dass noch ein Elefant von den ursprünglichen einen Million übrig geblieben ist. Das war der Chef der Horde, und den hat unser Held verschont. Er war ja nicht so.

Trotzdem gehörten Königreich und Prinzessin nach dem Massaker ihm. Dem entthronten König war das dann doch nicht so recht. Die Tochter war ihm egal, er wollte jedoch sein Reich wieder haben. Schwierige Angelegenheit, denn der Thronfolger war resistent gegen jegliche Art von Waffengewalt. Aber er musste eine verwundbare Stelle haben, und die erfuhr der hinterlistige Ex-König von seiner Tochter (Hallo Siegfried, hier ist dein laotischer Counterpart!). Töchterchen kannte inzwischen ihren Gatten bestens und wusste somit, dass alle seine Körperöffnungen letale Angriffsflächen boten.

Um eine traurige Geschichte kurz zu machen, der hinterlistige Monarch stellte dem Elefantentöter eine Falle, die ihn beim Verrichten eines großen Geschäftes rektal erdolchte. Traurig, traurig…

Soweit die Legende. Ich hoffe ich habe sie wahrheitsgemäß wiedergegeben. Wie bin ich nur darauf gekommen? Ach ja, ich wollte den Übergang vom Elefant zum Radfahrer schaffen. Elefanten gibt es nämlich nur noch wenige in Laos. Die Sage hat also einen wahren Kern. Deswegen heißt unser kleiner Radelausflug auch „Land der Tausend Elefanten“, und nicht „Land der Millionen Elefanten“. Selbst von den tausend Elefanten haben wir bisher noch keinen einzigen gesehen. Aber Radfahrer sind uns begegnet! Keine tausend, jedoch jeden Tag ein paar. Oft ein Paar, die meisten von ihnen Holländer, aber auch Amerikaner. Und einen Koreaner. Aber der konnte kein Englisch.

Laos lässt sich hervorragend individuell mit dem Zweirad bereisen. Da es nur zwei oder drei Straßen gibt kann man sich praktisch nicht verirren. Viele Restaurants haben Speisekarten auch auf Englisch und billige Unterkünfte hat es spätestens nach 120 Kilometer. Kein Wunder also, dass wir unterwegs ständig Radtouristen treffen. Sie machen dem Fernlastverkehr zahlenmäßig ernsthafte Konkurrenz. Meistens stoppen wir uns gegenseitig, tauschen Erfahrungen aus und geben Tipps für die nächsten Strecken.

Wer Zeit und Geld übrig hat sollte Laos eigenständig mit dem Rad bereisen. Fehlt es jedoch entweder an dem einen oder dem anderem oder gar an beidem ist bei uns (Laos By Bike AKA China By Bike) wesentlich besser aufgehoben. Da muss man sich nämlich keine Gedanken um die Unterkünfte oder die Verpflegung machen und erfährt in drei Wochen mehr über das Land als ein Individualtourist, der drei Monate durch Laos tingelt.

Was hat meine Gruppe heute gemacht? Sie hat wieder eine Runde auf dem Ou Fluss gedreht. Nicht so lang wie gestern, daher stand der Vormittag zur freien Verfügung. Einige haben das Dorf durchstreift, andere haben Blog geschrieben und ein Nickerchen gehalten. Um 12 Uhr saßen wir wieder im Boot auf unseren ausgebauten Bussitzen. Kurzer Zwischenstopp in einem Schnapsbrennerdorf. In einem ehemaligen Schnapsbrennerdorf, denn eine Untergruppe der AA scheint sich hier breit gemacht und die Hausdestillen stillgelegt zu haben. Schluss mit Feuerwasser.

Viertel vor vier gingen wir in Muang Khua an Land, noch genügend Zeit für einen Rundgang durch den Ort. Der lädierte Lastwagen auf dem letzten Foto steht übrigens vor der Grundschule und war wohl zu seinen besseren Zeiten der Schulbus. Vermutet Karl.


Spice Girls

Land der Tausend Elefanten, 19.11. bis 11.12.2011

Die laotische Küche ist extrem vielfältig. Es gibt vier Hauptgeschmacksrichtungen: Zitronengras, Kokosnuss, Ingwer und Koriander. Und es gibt vier Nebengeschmacksrichtungen: Zitronengras, Kokosnuss, Ingwer und Koriander. Geschickt untereinander kombiniert kommt man also auf eine schier unendliche Vielfalt an geschmacklich unterschiedlichen Gerichten.

Nun verhält es sich jedoch so, dass es das Wort „Kombinieren“ im Laotischen nicht gibt. Worte wie „Zitronennuss“, „Kokosgrass“, „Koriwer“ oder „Ingiander“ sind somit schon allein sprachlich nicht möglich, wie sollen sie dann Einzug in die Kochtöpfe halten? Eine laotische Hauptspeise enthält folglich entweder Zitronengras, Kokosnuss, Ingwer ODER Koriander. Und zwar in solchen Mengen, die ein Gericht entweder nach Zitronengras, Kokosnuss, Ingwer ODER Koriander schmecken lässt. „Huhn in Ingwer“ zum Beispiel degradiert die enthaltenen Anteile Hühnchenfleisch zu einer Wurzel. Rein geschmacklich, versteht sich. Die Rinderstreifen in zartem Koriander gewendet schmecken plötzlich nicht mehr nach Kuh, sondern nach Kaugummi aus dem 10-Cent-Automaten. Tomyum-Pork entspricht dem, was man sich am Morgen aus der Tube auf die Zahnbürste gedrückt hat.

Haben Sie also keine Angst vor der laotischen Küche! Sie ist zwar vierfältig, birgt aber kaum Überraschungen. Höchstens Kindheitserinnerungen werden geweckt (der rote Kaugummiautomat um die Ecke) bzw. Erinnerungen an die Morgentoilette.

Wie bin ich nur auf dieses Thema gekommen? Ach ja, das heutige Abendessen. Das war nämlich laotisch. Das Frühstück nicht, das haben wir heute wieder am Ufer des Mekongs zu uns genommen. Das Hotel stellte Baguette, Butter, Marmelade, Früchte, Joghurt, Ei („Omelette, fried or scrambled, Sir/Madam?“) und Müsli bereit. Müsli war mal eine Abwechslung, alles andere kennen wir bereits von fast allen Morgenmahlzeiten seit unserer Ankunft in Laos.

Ein weiterer freier Tag für die Fahrräder. Um acht Uhr steigen wir in ein Boot, welches uns nach Muang Ngoi bringen soll. Den ersten 30 Kilometer folgen wir dem Mekong in Richtung Quelle, dann biegen wir rechts ab in den Nam Ou. Zum Glück liegt die letzte Regenzeit noch nicht arg lang zurück und der Fluss führt gut Wasser. Wenn man die Fahrt im Februar macht kann es durchaus vorkommen, dass man an bestimmten Passagen aus dem Boot steigen muss, um den Tiefgang zu heben und den Kahn ein wenig zu schieben.

Flussimpressionen:

In Nong Khiao wechseln wir das Boot. Sehr zur Erleichterung aller, denn zuvor hatten wir harte Holzstühle, nun bequeme Sessel aus einem ausgeschlachteten Reisebus. Um 16:30 kommen wir in Muang Ngoi an. Noch ein Gang durch das Dorf und ein weiter oben beschriebenes Abendessen. Dann ruft das Bett.


“Idealer letzter Radfahrtag”

Goldenes Dreieck, 05.11. bis 30.11.2011

Unsere Tour neigt sich dem Ende entgegen und es wird Zeit, Bilanz zu ziehen. Von kleinen Ausnahmen abgesehen hat alles bestens geklappt, wir haben uns gut vertragen und alle haben gut mitgehalten. Dazu gab es keinen einzigen Regentag, viel gutes Essen und jede Menge neuer Eindrücke. Ich denke, es hat allen sehr viel Spaß gemacht und vielleicht gibt es ja das eine oder andere Wiedersehen bei einer anderen Tour von China by Bike.

Für morgen ist unsere Heimreise angesetzt und tagsüber kann jeder nochmal für sich durch die Straßen und Geschäfte stöbern oder einfach am Pool die Beine lang machen. Für heute gibt es einen Ausflug zum Wahrzeichen von Chiang Mai, dem Doi Suthep Tempel. In 1000 Metern Höhe throhnt er luftig und golden über der Stadt und verwahrt der Legende nach unter seinem goldenen Stupa eine Buddhareliquie. Der 750 Höhenmeter lange Anstieg wird in der Beschreibung als „idealer letzter Radfahrtag“ gepriesen, was von den Beteiligten hiermit offiziell bestätigt wird. Wer sich seine Abfahrten gerne verdient, wird hier seine Freude haben – eine endlose Serpentinengalerie erwartet uns, wobei es besonders die letzten Kehren in sich haben.

Überraschenderweise finden sich heute nur drei Eiserne, die den Anstieg in Angriff nehmen wollen, die anderen lassen sich im Tuktuk chauffieren. Den Radfahrern läuft der Schweiß beim Aufstieg aus allen Poren, die Tuktuk-Fahrer werden auf der Abfahrt geräuchert und geschüttelt – es hat also jeder sein Päckchen zu tragen. Vom goldenen Geflimmer auf dem Gipfel sind aber alle gleichermaßen geblendet und begeistert. Es werden nochmal eine Menge Fotos geschossen und nach der Rückkehr ins Hotel gleiten wir langsam in die Bummel- und Relaxphase hinein. Das gilt insbesondere für Martina, die als Betreuerin unserer Gruppenkasse hervorragende Arbeit geleistet hat und für die wohlverdiente Entspannung eine ausgiebige Thai-Massage verabreicht bekommt.

Damit schließen wir den Blog zur Tour ins Goldene Dreieck und wünschen allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine entspannte Heimreise!

30.11.2011: Bei der Heimfahrt ist diesmal ein bisschen der Wurm drin und Verspätungen bestimmen die Tagesordnung – tja, kaum fährt man mal nicht selbst, funktioniert gleich nichts mehr.


Im Namen Buddhas

Land der Tausend Elefanten, 19.11. bis 11.12.2011

Eigentlich sollte ich an dieser Stelle einfach den Blogeintrag „Luang Prabang“, geschrieben von Kollege Frank vor zehn Tagen, eins zu eins übernehmen. Seine Gruppe hatte nämlich fast das gleiche Programm absolviert wie wir heute, selbst die Schnappschüsse stammen aus den selben Perspektiven.

Na gut, muss ich mir also etwas anderes aus den Fingern saugen.

Die Stadt Luang Prabang hatte viele Namen im Laufe ihrer Geschichte. Darunter zum Beispiel Chieng Dong, Chieng Thong und Mueang Sua. Steht so in Wikipedia.

„Luang“ bedeutet „groß“. Nicht auf Laotisch, aber in Pali. Pali ist eine (Schrift-)Sprache, die dem indischen Sanskrit entsprungen ist und in den buddhistisch beeinflussten Gebieten Südost-Asiens aus Ermangelung eigener Schriften verwendet wurde. Hoffentlich habe ich das so richtig interpretiert. Wer es besser weiß möge bitte einen qualifizierten Kommentar hinterlassen!

Jetzt zu „Prabang“. Das ist abgeleitet von Phra Bang, einer Buddha Statue, die ein nicht unbedeutender Herrscher vor ca. 700 Jahren in die Stadt gebracht hatte und sich damit legitimierte. Der Name des Herrschers ist mir gerade entfallen, aber selbst wen ich ihn hier nennen würde dürften sich 95% der Leser dieses Blogs zwei Zeilen weiter unten auch nicht mehr daran erinnern. Somit bin ich auf der sicheren Seite.

Jedenfalls gibt es heutzutage in Luang Prabang insgesamt 19 Statuen des Phra Bang. 18 davon können besichtigt werden. Einer zum Beispiel im Nationalmuseum (AKA Königspalast, aber so darf in einem sozialistischen Land keine Anlage genannt werden), die anderen in den diversen Tempeln der Stadt.

Nur den echten Phra Bang, den bekommt man nicht zu sehen. Der fristet sein Dasein irgendwo in einem Banktresor. Hoffentlich geht es ihm dort gut.


Advent, Advent, die Sonne brennt

Land der Tausend Elefanten, 19.11. bis 11.12.2011

Wellcome back on the bike, Traudl! Nachdem sie die letzten drei Radfahrtage den Begleitwagenfahrer Kampai eingelernt hatte und uns dabei mit den Köstlichkeiten aller lokalen Märkte der Umgebung verpflegte signalisierte ihr Magen-Darmtrakt heute grünes Licht für den Tag im Sattel.

Auch auf der heutigen Etappe gab es wieder viele Höhenmeter zu bewältigen. Aber zunächst ging es bergab mit uns. Nicht im übertragenen Sinne, nach einem kurzen Kilometer Aufwärmübung stürzten wir uns in eine 22 Kilometer lange Abfahrt, auf der wir innerhalb einer Stunde über 1.000 Höhenmeter nach unten sausten.

Das war zwar nett, aber darauf hin folgte die Rache des Gegenanstiegs: 16 Kilometer nach oben. Die Sonne war bereits in Richtung Zenit geklettert und wir hinterher. Heute ist erster Advent. Es soll ja Flecken auf dieser Erde geben, an denen man an jedem Adventssonntag eine Kerze anzündet. Angeblich eine christliche Tradition, aber meiner Meinung nach ein heidnischer Brauch*. Eine Kerze verbreitet nämlich nicht nur Licht, sondern auch Wärme. Wärme, die in nordischen Ländern um diese Jahreszeit bitter nötig ist. Nicht so im November in Laos und somit nicht bei uns: Um 12 Uhr, während wir wieder im kleinsten Gang schrauben, umgeben uns 28 Grad im Schatten. Eine grobe Schätzung meinerseits, denn ich habe kein Thermometer dabei und Schatten gibt es sowieso undankbar wenig.

Aber wir schaffen es, alle sechs. Viola (Hatte ich sie schon Bergziege genannt? Nein? Dann also jetzt!) wie erwartet als erste. Nacheinander trudeln auch Karl, Yong, Hardy, Traudl und ich ein. Luang Prabang, wir kommen!

Eine weitere rasante Abfahrt (auf der ich das Ventil meines Hinterschlauchs verliere), eine Nudelpause, eine flache Fahrt am Khan-Fluss entlang, ein kurzer, steiler Anstieg und die letzten 10 Kilometer hinab nach Luang Prabang. Der Mekong hat uns wieder.

* Das ist mal wieder Ironie. Und bevor es jemand bemäkelt: Aus einem Pixi-Buch meines Sohnes ist mir bekannt, dass der Brauch der Adventskerzen im frühen 19. Jahrhundert in einem Waisenheim in Hamburg entstand.


Next Stop Elefant Camp

Goldenes Dreieck, 05.11. bis 30.11.2011

Früher waren Elefanten in Thailand begehrte Arbeitskräfte. Seitdem der Holzeinschlag zurückgefahren wurde, dürfen sie nicht mehr so viele Stämme aus dem Wald ziehen und finden sich in der Arbeitslosigkeit wieder. Einigen von ihnen wurde ein neues Betätigungsfeld in den Elefantencamps zugewiesen, wo sie Touristen vorführen, wie man sich wäscht, wie man Baumstämme bewegt, wie man dem Mahut beim Auf- und Absteigen behilflich ist oder seinen Hut aufhebt und ein Elefant malt sogar ein Bild mit seinem Rüssel. Dafür erhalten sie die eine oder andere Banane als Belohnung. Nach der Show kann man auch auf den Elefanten reiten, aber das wollte keiner von uns. Wahrscheinlich sind die Hintern schon zu wund vom vielen Sitzen.

Den Aufenthalt im Elefantencamp dehnen wir nicht über Gebühr aus, da am Abend noch der sonntägliche Nachtmarkt von Chiang Mai auf uns wartet. Die Strecke ist flach und wir rollen gut dahin auf einer vierspurig ausgebauten Straße. Man merkt, dass man sich allmählich der Großstadt nähert. Unser Mittagsnudelsuppenrestaurant macht bereits einen recht schicken Eindruck und man kann die typischen Travellergetränke ordern – Fruitshake, Smoothie, Cappucino, Iced Coffee, Italian Soda…

30 km vor Chiang Mai biegen wir von der Hauptstraße ab und legen den Rest auf kleinen gewundenen Nebenstraßen durch die Dörfer zurück. In den Orten reiht sich ein Tempel an den anderen und außerhalb sehen wir florierende Landwirtschaft – selbst Energiesparlampen werden hier angebaut. Ab und zu kreuzen wir eine große Ausfallstraße, der Verkehr wird immer dichter und unsere letzten Kilometer fahren wir dann mitten im Getümmel entlang des alten Stadtgrabens. Doch wer hätte das gedacht – nach zweimaligem Abbiegen finden wir uns unvermittelt in einer ruhigen Oase mit Swimmingpool und Ausblick auf den Hausberg von Chiang Mai wieder. Nach einer kurzen Pause geht es für einen ausgiebigen Rundgang auf den Nachtmarkt und zum Abendessen und danach gemütlich ins Hotel, wo endlich die neuesten Bundesligaergebnisse abgerufen werden können.


Heute (k)ein König

Land der Tausend Elefanten, 19.11. bis 11.12.2011

Zum x-ten male blase ich einen Tropfen von meiner Nasenspitze. Der Schweiß bleibt nicht nur an meinem Zinken hängen, sondern rinnt auf vielen Kanälen an meinem Körper herunter. Ätzend wird es im wahrsten Sinne des Wortes, wenn es ins Auge geht. Als wenn man beim Haare waschen vergessen hat rechtzeitig vor dem Schaum die Lider zu schließen. Aber der Schweiß ist nur ein kleines Übel.
Ich horche in meinen Körper hinein und bekomme unterschiedliche Signale. Am deutlichsten artikulieren sich meine Beine. Die brüllen lautstark „AUFHÖREN, wir wollen nicht mehr!„. Ganz anders die Hände. Die geben keinen Mucks von sich, sie sind fünf Kehren weiter unten eingeschlafen. „Hallo Schulter, bitte mal einen kurzen Lagebericht!“ Schulter: „Ächtz!

Der heutige Tag heißt Königsetappe. Das ist ein Euphemismus. „Königsetappe“ bezeichnet den Tag einer Radtour, welcher in der Relation aus Höhenmeter und Entfernungskilometer alle anderen Etappen übertrifft. Heute sind es über 2.000 Höhenmeter auf knapp 90 Kilometer. Jeder gesunde König wird sich dabei sicherlich an die Stirn tippen und geeignete Untertanen ins Rennen schicken. Nennen wir die Strecke heute also lieber Lakaienetappe.

Lakai Christof hat hier voll versagt! Schon kurz nach der Mittagspause (nach 43 Kilometer und rund 1.000 Höhenmeter) wird mir klar, dass ich heute aussetzen muss. Keine Ahnung woran es liegt. Ist es das fortgeschrittene Alter? Schlecht geträumt in der letzten Nacht? Schlecht gegessen am letzten Tag? Egal, bei ca. Kilometer 70 schmeiße ich mein Rad in das Begleitfahrzeug und betrachte die Reststrecken aus der Windschutzscheibe.

Viola, Karl, Hardy und Yong halten durch. Sie kurbeln sich unermüdlich die Berge hoch und treffen nacheinander in Kiu Kacham ein. Heute eine Königin! Viola bekommt das Gepunktete Trikot. Das wird sie ganz bestimmt nicht mehr hergeben.


Im Dunstkreis der Großstadt

Goldenes Dreieck, 05.11. bis 30.11.2011

Immer wieder Alfons. Jetzt hat er mit seinen Sprinterbeinen das Hinterrad verbogen. Oder lag es vielleicht doch nur am guten Essen;)? Wir berichteten. Nach Prüfung der näheren Umstände muss aber doch gesagt werden, dass der Defekt wohl eher auf eine materialtechnische Unzulänglichkeit zurückzuführen ist, womit Alfons wieder rehabilitiert sei. Um einer weiteren Auflösung des Hinterrades für die letzten zwei Tage vorzubeugen, wird ein bisschen getrickst und mit etwas Verspätung starten wir auf unsere vorletzte Radetappe.

Es steht nochmal eine lange Strecke auf dem Programm und die Berge kommen erst im letzten Drittel, da kommt es nicht so gut, dass die Defekthexe gleich noch einmal zuschlägt. Ist aber nur ein Plattfuß und schnell behoben. Wir begeben uns in Alfons Windschatten und holen den Rückstand schnell wieder auf. Überhaupt sind wir heute recht flott unterwegs, der Pass ist bald erreicht und wir machen oben eine kurze Rast neben dem Geisterhäuschen. Danach gibt es eine Genussabfahrt durch den Urwald und beim nächsten Markt noch einen Nudelsuppe und in Nullkommanichts sind wir in unserem Hotel.

Wir sind mal wieder in einer Art Ferienressort untergebracht, das sich über ein größeres Gelände mit verschiedenen Häusern, Teichen und einer großzügigen Gartenanlage erstreckt. Leider ist die Anlage auch bei den Ausflüglern aus Chiang Mai recht beliebt und wird gerne für Wochenendpartyveranstaltungen gebucht. Wir haben Samstag und als wir zur letzten Stunde bei Tageslicht eintreffen, werden bereits die Soundsystems vorgeglüht. Auch die Gäste lassen nicht mehr lange auf sich warten und pünktlich zur Abendbrotzeit ist eine wilde Karaokesause im Gange. Erstaunlicherweise ist diese aber fast genauso pünktlich um Mitternacht wieder beendet, so dass wir doch noch etwas von unserer verdienten Ruhe finden.


Kasi

Land der Tausend Elefanten, 19.11. bis 11.12.2011

Ich habe lange darüber gegrübelt was ich über den heutigen Tag schreiben soll. Eingefallen ist mir nichts. Vang Vieng habe ich gestern schon verrissen und über Kasi, unserem heutigen Etappenziel, lässt sich nicht viel schreiben. Kasi ist für laotische Verhältnisse eine mittlere Großstadt, nach deutschen Verhältnissen ein Dorf. Ich weiß leider nicht wie viele Einwohner der Ort hat, bin mir aber ziemlich sicher, dass wir jeden einzelnen Bewohner bei unserer Durchfahrt gesehen haben.

Von Vang Vieng nach Kasi sind es rund 60 Kilometer auf der Nationalstraße 13. Die Nationalstraße 13 durchquert Laos von Nord nach Süd und ist die Hauptverbindung auf dieser geografischen Achse. Moment, Hauptverbindung ist nicht der richtige Ausdruck, denn sie ist die einzige Verbindungsstraße zwischen der chinesischen Grenze im Norden und der kambodschanischen Grenze im Süden. Und auch zwischen den vier größten Städten des Landes: Luang Prabang im Norden, Vientiane in der Mitte, Savannakhet und Pakse im Süden. Nebenstraßen gibt es nämlich nicht.

Haben Sie (vielleicht auch Dank dieses Blogs) schon begonnen in laotischen Dimensionen zu denken? Dann dürfte es Ihnen sicherlich nicht schwer fallen zu verstehen, dass die Nationalstraße 13 keine Autobahn ist, auf der im Sekundentakt der Fern- und Nahverkehr entlang donnert. Zwischen Vientiane und Luang Prabang ist Straße 13 einspurig, überwiegend asphaltiert, jedoch mit vielen Schotterabschnitten. Besonders in den Kurven. Kurven, Steigungen und Abfahrten gibt es viele. Die Straße wurde nicht von einem Planungsamt konzipiert, sondern es wurde das geteert, was vorher als Weg für Elefanten/Maultiere/Pferde genutzt wurde.

Radelnd unterwegs waren heute wieder Hardy, Karl, Viola, young Yong und ich. Traudl (laboriert noch immer an einer Darmverstimmung, die sie sich in Kambodscha eingefangen hat) saß neben Kampai, dem Fahrer unseres Begleitfahrzeugs, und dirigierte ihn zu den besten Wartepunkten.

Diesen Blogeintrag widme ich einem Freund aus Jugendtagen. Wir haben uns schon lange aus den Augen verloren und ich bin mir sicher, dass er diese Zeilen niemals lesen wird. Er heißt Carsten, aber als wir uns noch kannten nannte ihn jeder Kasi.


Auf dem Mae Kok

Goldenes Dreieck, 05.11. bis 30.11.2011

Wir dachten schon, Chiang Rai feiert unsere Abreise. Aber nein, es hat Geburtstag! Den siebenhundertfünfzigsten. Dazu gibt es einen großen Festumzug mit viel Dekoration und (zum ersten Mal seit China) einer Menge pummeligen Kindern, in den wir genau hineinschlittern. Macht aber nichts, denn hier wird der Umzug gleich mit in den Alltagsverkehr integriert und wir können uns einfach durchschlängeln. Danach geht es auf den Markt zum Frühstück. Dtaw empfiehlt uns einen Coffeeshop in bester Lage – einmal auf dem Höckerchen gedreht, schon kann man seine Nudelsuppe in Empfang nehmen. Nur auf die Füße muss man ein wenig Acht geben – am Abend vorher war der Kammerjäger da und die lokale Schabenpopulation befindet sich noch in erhöhter Alarmbereitschaft.

Auf unserem Weg zum Fluss lernen wir, dass der ‚Homestay‘ auch in Thailand eine touristische Hausnummer ist. In Wohlstandsgesellschaften wird der Drang zur Natur irgendwann wieder größer und die Werbung verspricht ein hohes Maß an Authentizität. Beim Anblick der Strohhütte freuen wir uns, dass wir diesen Programmpunkt bereits in Laos genossen haben, wo das Landleben etwas weiter entwickelt zu sein scheint.
Der Antritt unserer heutigen Bootsfahrt auf dem Mae Kok verzögert sich noch ein wenig, da zwölf Räder nicht alle in zwei Boote gezwängt werden können, sondern auf s Auto umgeladen werden müssen. Das Dorf der Karen (eins der vielen südostasiatischen Bergvölker), in dem wir auf halbem Weg stoppen, hat als Touristenzentrum wohl schon bessere Tage erlebt, als es noch der Hauptstartpunkt für Trekkingtouren in die umliegenden Berge war. Heute kann man in erster Linie mit Riesenschlangen und Eidechsen posieren. Leider ist Andreas ist der Einzige von uns, der ein bisschen kuscheln möchte.

Die weitere Bootsfahrt verspricht interessant zu werden, denn es werden Schwimmwesten ausgegeben. Aber keine Angst, bisher soll es immer gut gegangen sein! Die Berge werden wieder höher und enger, es tauchen kleine Inselchen im Fluss auf und wir durchfahren eine Stromschnelle nach der anderen. Nach eineinhalb Stunden betreten wir wieder festen Boden und steigen auf unsere Räder um. Da es nur noch 20 km bis zum Ziel sind, hängen wir am Ende gleich noch die Auffahrt zum Tempelberg mit dran, die mit zusätzlichen 200 Höhenmetern zu Buche schlägt. Dafür werden wir aber auch mit einer fantastischen Aussicht und einer originellen Tempelanlage belohnt.