„Sind wir schon im Märchenwald?“

Die Oberen Schluchten des Yangzi, 17.09. bis 09.10.2013

19 km, trotz Sonne schlammig, 859 m Aufstieg, 978 m Abstieg, Wanderung von Zhuangzi nach Yongning und Transfer zum Lugu-See

… fragt Wolfgang in die anhaltenden Stille hinein. Ich kenne den Wald noch vom Vorjahr, bin aber wieder einmal verzaubert. Sind es die Flechten, die von den Baumen herunterhängen und im Wind wehen, die handtellergroßen Kiefernzapfen oder die hellen Lichtstrahlen, die vereinzelt durch den dichten Wald dringen, ich kann es nicht genau sagen. Es ist eben ein wenig mystisch hier.

Bei der Überquerung des Baches findet der Zauber zumindest für mich ein jähes Ende, oder besser ausgedrückt, jetzt zieht mich das Wasser magisch an. Mit viel Wasser in den Schuhen tapse ich auf knapp 3.600 m Höhe, dem „Gipfel“ unserer Tour, herum. Der Abstieg wird zunehmend zu einer Rutschpartie und der eine oder andere gleitet auf dem lehmigen Boden aus. Glücklicherweise ist bis auf ein paar verdreckte Hosenböden nichts passiert. Wir gehen so konzentriert (selbst durch die schlammigen Yi-Dörfer), dass die nahende Zivilisation zunächst nicht auffällt.

Erst die Straße, dann Autoverkehr, die ersten Häuser und zunehmender Lärm, wir sind am Ende unserer Trekking-Tage angekommen. Die Zeit ist für mich wie im Flug vergangen und ich könnte nach einer ordentlichen Dusche und Wäsche noch ein paar Tage dranhängen.

Yongning-Neustadt ist unspektakulär und ernüchtenrd, wenn man aus den Bergen kommt. Der alte Dorfkern mit dem tibetisch-buddhistischen Tempel gefällt mir dagegen sehr. Ein Mönch ist so freundlich, uns die große Gebetshalle aufzuschließen und Babsi kann uns mindestens genauso viel über den Buddhismus erzählen wie die Mönche vor Ort.

Es ist Zeit, „unseren Fahrern“ für die unkomplizierte und zuvorkommene Begleitung zu danken. Mensch, Tier und Gepäck sind gesund und munter am Zielort angekommen, und wir haben viel über Land und Leute kennengelernt. Nach dem obligatorischen „Ganbei“ (Prost bzw. „leert den Becher“) und Grupenfoto werden die Pferdeführer den Rückweg in zwei Tagen zurücklegen. Wir wünschen gute Reise und gesunde Heimkehr.

Dass neun Chinesen in ein „Brotauto“ passen, ist nicht ungewöhnlich. Dass es aber auch acht Westler und eine Chinesin schaffen, haben wir während der halbstündigen Fahrt zum Lugu-See getestet. Das Gepäck fährt landestypisch auf dem Dach mit. Ich erkenne den Fahrer wieder und bin froh, dass er seine alte Klapperkiste gegen ein neues Fahrzeug eingetauscht hat.

Am Lugu-See werden wir mit Zimmern an der Promenade belohnt. Aber wir sind nach dem Tag zu müde, um das noch zu genießen und fallen sehr bald in die Betten.
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