Grünzeug

Die Oberen Schluchten des Yangzi, 17.09. bis 09.10.2013

16 km bergig, 1.032 m Aufstieg, knapp 800 m Abstieg, von Baoshan nach Liuqing

Pünktlich um 6:30 Uhr sitzen wir am Frühstückstisch, über uns leuchten die Sterne, es ist frisch. Die Wirtin beginnt langsam, die Küche zum Leben zu erwecken. Im Dorf ist es noch erstaunlich still. Nach dem ersten Kaffee bemerke ich, dass unsere Lasttiere schon vor dem Tor angekommen sind. Es sind fünf kleine Pferde, die geduldig auf den Aufbruch warten. Wir werden von vier Pferdeführern begleitet, die Astrid in Laufe der Tour einfach „unsere Fahrer“ getauft hat. Wie in China üblich verzögert sich die erste Nudelsuppe, das erste Aufsatteln und der Abmarsch um eine knappe Stunde. „Wo ist das Wasser, auf welchem Pferd sind die Ersatzschuhe“…, irgendwo tauchen Säcke auf, die groß genug für unsere Trekking-Taschen sind, und plötzlich sind doch alle startklar.

Im Gänsemarsch geht es stetig nach oben. „Ganz schön viel Grünzeug“ kommentiert Robert die erste Wegstrecke, als wir schließlich nach zwei Tunneldurchquerungen oben angekommen sind. Wenn sich der Nebel hebt, haben wir einen grandiosen Blick auf den Jangtse. Nach einem kurzen Picknick steigen wir durch lichte Kiefernwälder hinunter nach Liuqing.

Nach siebeneinhalb Stunden erreichen wir Liuqing. Das Dorf besteht nur aus ein paar Häusern, einer Grundschule (in der Astrid als Kinderschreck nicht so schnell in Vergessenheit geraten wird) mit 28 Schülern und sechs Lehren, zwei Büdchen, einem Billiardtisch und einer öffentlichen Toilette. Wir sind auf dem Land angekommen.

In unserer Herberge helfen wir beim Kochen. Das Essen könnte hier nicht frischer sein: es gibt alles, was der Dorfgarten hergibt, denn es führt zwar eine kleine Straße nach Liuqing, die wird aber regelmäßig von Erdrutschen blockiert und ist deswegen längst aufgegeben. Lucy zeigt uns, wie man Gemüse in winzige Streifen hacken kann und Robert und Astrid haben schnell den Bogen heraus – das Zubereiten im Wok übernimmt dann aber die Hausherrin. Nach einem Blick auf Messer und Lappen baue ich lieber die Zelte auf. Unsere fünf Zelte passen genau in die überdachte Galerie des Innenhofs (in den nächsten Tagen werden wir wegen Regens öfter „Indoor-Camping“ praktizieren). Bald sitzen wir zu acht am niedrigen Tisch auf winzigen Bänkchen, genießen ein leckeres Abendessen und freuen uns auf den nächsten Wandertag.
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