Aus dem beginnenden Winter in den ewigen Frühling

Tal des Roten Flusses, 12.10. bis 03.11.2013

Während die deutschen Wetterdienste für Samstag den 12. Oktober einen ersten Wettersturz auf Minusgrade ankündigen, machen wir uns auf den Weg nach Kunming, in die Stadt des ewigen Frühlings. Von hier aus treten wir unsere 780-Kilometer lange Radreise nach Hanoi an, von der wir in den kommenden Wochen gemeinsam in diesem Blog berichten werden.

Pünklich am Samstag Mittag treffen wir uns in Frankfurt am Flughafen. Wir, das sind: die China-by-Bike Veteranen Günther, Klaus, Bernd, Dietmar, die Neulinge Christine und Udo und Reiseleiter Dominik. Mit Zwischenlandung in Bangkok bringt uns ein brandneuer A380 nach Kunming, in die Stadt des ewigen Frühlings. Ihrem Beinamen alle Ehre erweisend heißt uns Kunming nach langer Anreise mit angenehmen 20 Grad willkommen.

Nach dem Transfer vom Flughafen verzögern Dominiks drohende Insolvenz (schuld ist Mastercard) und die auf Vorkasse bestehenden Rezeptionistinnen das Einchecken im Lianyun Hotel, unserer Bleibe für die kommenden zwei Nächte. In Udo ist schnell ein kreditwiliger und zahlungskräftiger Investor gefunden, der unsere Pleite kurzfristig abwendet. Erschöpft von der langen Anreise steuern wir ohne größere Umwege das Lao Fangzi (das „alte Haus“) an. Dieses traditionelle Hof-Restaurant liegt in der (durch die Bautätigkeit der letzten Jahre auf 2 Straßenblöcke zusammengeschrumpften) Altstadt Kunmings. Das Restaurant besticht durch sein authentisches chinesisches Ambiente und ein hervorragendes Qiguo Ji (Dampftopf Huhn), einer Hühnerbrühe, die zu den größten Spezialitäten der Stadt zählt. Hierzu ordern wir verschiedene andere Gerichte, die wir mit dem ein oder anderen einheimischen Bierchen begießen. Zurück im Hotel fallen wir müde vom Jetlag alle in die Betten und versuchen, gelegentlich gestört durch ausgelassene Hochzeitsgäste auf dem Flur, zu schlafen.

Das Highlight des Frühstücks am nächsten Morgen bildet der nigelnagelneue Kaffeevollautomat – eine Rarität in der chinesischen Hotellandschaft. Drei speziell geschulte Servicedamen bedienen die komplexe Apparatur und versorgen uns zuvorkommend mit, wie unser Kaffeesachse Dietmar bescheinigt, hervorragenden Kaffeespezialitäten. Vom Kaffee gestärkt erzählt Dietmar, dass er ein eigenes GPS-Gerät dabei hat. Das trifft sich gut, da Dominik nicht nur kein Geld, sondern auch kein GPS-Gerät dabei hat (Schuld ist die deutsche Post (also in anderen Worten: Immer die Anderen… (das gilt auch für alle weiteren ungeplanten Ereignisse der kommenden Wochen))). Unsere Reise ist eventuell gerettet.

Nach dem Frühstück nehmen wir im nahegelegenem Radladen unsere Räder entgegen. Mit diesen radeln wir kurze Zeit später zum Cuihu-Park, wo wir das Freizeittreiben der einheimischen Bevölkerung beobachten. Weiter geht es in einer Rundtour zum Yuantong-Tempel und im Anschluss zu zwei Pagoden im Süden der Stadt. Während dieser Tour nehmen wir erste Tuchfühlung mit dem chinesischen Straßenverkehr auf, der zunächst einigen Mut von uns Radlern verlangt. Da Dietmar im Yuantong Tempel seine Räucherstäbchen nicht ordnungsgemäß abgebrannt hat, sucht ihn sogleich ein buddhistischer Pannendämon heim: Eine Reifenpanne ist die wohlverdiente Strafe für seine Sorglosigkeit. Alle beteiligen wir uns intensiv an der Reparatur. Das Ergebnis dieser ersten Schrauberei sind ein geflickter Reifen und ein Totalschaden der Gangschaltung. Abhilfe verschafft kurzfristig der Radelladen unseres Vertrauens.

Während sich der Mechaniker an Dietmars Rad verdingt, besuchen wir das Riesenrad im nahegelegenen Vergnügungspark. Von oben bestaunen wir die Bautätigkeit in Kunming (laut Udo eine der schnellsten wachsenden Städte des Landes) und winken Günther zu, der wegen Tiefenfreude (Danke Bernd für die famose Formulierung) unten die Stellung hält. Das vielseitige Abendessen bestreiten wir inmitten trinkfester Chinesen. Das schließen wir leicht aus den randvoll mit Schnaps gefüllten Wassergläsern. Bernd gesteht, dass er vor allem wegen des Essens nach China gereist ist. Zu Recht. Nachdem wir, inspiriert durch den Nachbartisch, den ersten, als „interessant“ befundenen, Hirse-Schnaps (Baijiu) gekippt haben, kehren wir ins Hotel zurück. In der Hotellobby verzapfen wir schnell in Zusammenarbeit diesen ersten Blogeintrag und verabschieden uns jetzt müde in die Kojen. Ahoi.

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Überraschung!?

Auf dem Dach der Welt, 24.09. bis 20.10.2013

Strecke ca.60km, Wetter Schnee, Schneeregen

Text von Eckart, tippen durfte Dagmar

Am Tag vorher, den wir in schönster Landschaft im Hochnebel gefahren sind, haben mich Dagmar, Reinhard und Gevatter Helmut im Windschatten wunderbar mitgezogen, sodass wir auf ebenen Stellen 23km/h erreichen konnten. Dass wollten wir am heutigen Tag wiederholen. Aber alles kam anders. Der Blick am Morgen aus dem Fenster verhinderte bei vielen jede Lust aufs Radfahren. Wir hatten gehört, dass in Garmisch viel Schnee gefallen war, offensichtlich ist dieses Tiefdruckgebiet zu uns gezogen. Schnee lag auf unseren Rädern.

In unserem Hotel in Tingri tropften die kaputten Rohre und in einem Zimmer auch das Dach, dabei waren die Zimmer ursprünglich mal schön ausgestattet. Eine sehr hübsche Bordüre und ein großherrschaftlicher Schrank zeugten von früherem Glanz. In Strümpfen ging ich zur Toilette, patsch ein Strumpf war nass. Überraschung ? Nein normal. Eine Motorradgruppe aus Australien auf gemieteten Royal Enfields beschloss um 11 Uhr abzufahren um ein besseres Hotel zu finden. Um dann bei besserem Wetter auch die Mount Everest Route zu befahren.
Am Vormittag nach dem Frühstück spielten wir dann wieder „Schwimmen“ – ein Kartenspiel – um uns die Wartezeit bis zum Aufbruch zu vertreiben. Gestern Abend hatte Jan das erste Spiel gewonnen, heute gewann er es schon wieder. Wir erklärten ihm, dass wir ihn mit Absicht haben gewinnen lassen, damit er bei guter Laune bleibt. Von unserer Gruppe radelten vier Wagemutige (Rosemarie, Jürgen, Ulrich und Jan)auch bei diesem Wetter nach Miibu. Die anderen folgten im Bus.

PS. Für alle diejenigen für die das Wort „Gevatter“ nicht geläufig ist: netter bayrischer Ausdruck für Opa.
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