Die schönste Abfahrt

Die Schöne Insel, vom 29.09. bis 20.10.2019

Ein Beitrag von Susanne.

Heute steht die Königsetappe an. 106 km und 900 Hm.

Nach dem bescheidenen Frühstück bringt uns der Shuttlebus des Hotels zu unseren Rädern. Wei Xins Auto ist auf dem großen Parkplatz sofort zu erkennen. Wir laden unser Gepäck ins Auto, holen die Räder vom Dach und fahren los. Jetzt, am Morgen ist es noch recht frisch, und bevor wir losfahren ziehen sich alle noch etwas über. Erst einmal geht es etwa 20 km lang bergauf, vom Alishan Nationalpark geht die Strecke in den Yushan Nationalpark. Von 2200 m Höhe fahren wir auf 2600 m Höhe. Die Straße ist schön zu fahren, die Steigung angenehm, der Autoverkehr hält sich in Grenzen. Und die Aussicht, die ist grandios.

Danach geht es etwa 60 km lang bergab. Wir sehen den Yushan mit seinen knapp 4000 m über dem Nebelmeer hervorschauen. Wie schon auf dem Weg bergauf, ist jede Aussicht auf das Tal und die Berge schöner als die andere. Irgendwann sehe ich ein, dass ich nicht überall halten kann. Das Aussortieren der Bilder wird dann um so schwerer.

Wir genießen die Abfahrt. Wir müssen jedoch etwas aufpassen, die Kurven sind teilweise eng und noch nass vom Nebel. Die Strecke bergab führt durch mehrere Tunnel, die meisten davon gut befahrbar. Zwei davon jedoch sind stockdunkel. Keine Beleuchtung, keine Reflektoren an den Wänden oder im Boden eingelassen. Da helfen auch unsere Lichter an den Rädern nicht viel. Der erste Tunnel ist einigermaßen gut zu fahren, man kann bei der Einfahrt in den Tunnel schon das Ende sehen. Hier heißt es, gerade aus fahren, einfach dem Licht entgegen und hoffen, dass kein Schlagloch kommt. Der zweite unbeleuchtete Tunnel macht im Tunnel eine Linkskurve. Diese wird zum Glück mit Reflektoren angezeigt. Aber in der Kurve und danach ist es stockdunkler, man sieht mehr oder weniger nichts. Ina und ich, die wegen der vielen Fotostopps die letzen der Gruppe sind, steigen vom Rad und tasten uns langsam durch die Kurve. Dann fahren wir, immer die schwach sichtbare gelbe Mittellinie im Blick, langsam gerade aus in Richtung Tunnelausgang. Zum Glück waren beide Tunnel eben und ohne Schlaglöcher!

Dann sind wir unten, und plötzlich haben wir Gegenwind. Jetzt sind die Schwergewichte der Gruppe jetzt eindeutig von Vorteil. Kleine, leichte Frauen wie Renate und ich kämpfen trotz dass es bergab geht gegen den Wind. Unser Gewicht gibt uns nicht das Tempo um bergab dem Wind etwas entgegensetzen zu können.

Im Tal hier wird hauptsächlich Gemüse angebaut: Kohl, Tomaten, Bohnen. Es ist warm, wir ziehen unsere Armlinge und WIndbreaker aus. Nach insgesamt 70 km machen wir Mittagspause. Wir halten in einem kleinen Straßenlokal und essen Nudelsuppe. Wie immer wird erst einmal mit Chili und Sojasoße nachgewürzt. Wir müssen ja schließlich an unseren Salzhaushalt denken.

Jetzt sind es nur noch wenige Kilometer bis die Straße einen Rechtsknick macht und wir unsere zweite große Steigung des Tages haben. Wir erklimmen noch einmal 400 Hm, dass teilweise durch ein legales Drogenanbaugebiet führt, nämlich an Betelnusspalmen vorbei. Dann sind wir am Sonne-Mond-See angekommen. Unser Hotel liegt auf einem Berg, was uns noch einmal etwa 200 Hm beschert. Vor dem Hotel genießen wir uns wohlverdientes Schmutzbier. Im Hintergrund ist der See, dahinter Berge mit einem schönen Sonnenuntergang.

Wir beziehen unsere Zimmer. Das Hotel ist in den Hang hineingebaut, und unsere Zimmer sind im unteren Stockwerk mit Aussicht zum Parkplatz, der ein Stockwerk über uns liegt. Vor allem Ina und Hans haben die A-Karte gezogen. Ihre Zimmer liegen direkt unter dem Eingang des Hotels. Die beiden hören alles: das Rollen der Koffer, das Trampel der Menschen, die das Hotel betreten, die beiden streiken zu Recht. Rudi verhandelt mit den Damen an der Rezeption und siehe da, morgen sollen wir neue Zimmer im 1. OG bekommen.

Nach dem Duschen treffen wir uns zum Abendessen, das wir heute im Hotelrestaurant einnehmen. Ich muss zugeben, wir haben auf dieser Reise schon deutlich besser gegessen. Und nachdem wir die letzten beiden Abende frittierte Bananen hatten, war heute unser großer Wunsch: Bananen zum Nachtisch. Es gab keine, auch keinen Pflaumenlikör. Enttäuscht und ohne Nachtisch verlassen wir das Restaurant und erholen uns von der langen, aber wunderschönen Strecke heute.

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