Auf den Nebelberg

Die Schöne Insel, vom 29.09. bis 20.10.2019

Ein Beitrag von Susanne.

Heute fahren wir Zug! Kurz nach 7 Uhr verlassen wir unser Hotel und machen uns auf auf den Weg zum nur wenige hundert Meter entfernten Bahnhof. Wir fahren zuerst nach Chiayi. Dort steigen wir nach einem kurzen Aufenthalt um in die Schmalspurbahn, die uns in einer dreistündigen Fahrt auf den über 2000 m hohen Alishan bringt. Die Bahn schlängelt sich den Berg entlang nach oben, fährt durch 49 Tunnel und über 77 Brücken, fährt durch mehrere Vegetationszonen hindurch. Wir fahren vorbei an Ananasplantagen, später kommen Bananen und Palmen. Ab ca. 1000 m Höhe wächst Tee. Man sieht deutlich, wie sich die Vegetation ändert, der Bambus wird dünner, aus Bambus werden Nadelbäume. Stellenweise könnte man meinen, man fährt durch den Schwarzwald. Nebel kommt auf. Die Zugstrecke, lese ich auf https://www.taiwantourismus.de, ist 72 km lang und „ist eine der drei übrig gebliebenen Hochlandeisenbahnen der Welt. Die Japaner haben diese Eisenbahnlinie gebaut, um Holz aus den Wäldern zu befördern. Von der ungefähr 30 Meter über dem Meeresspiegel liegenden Stadt Chiayi steigt die Eisenbahn auf über 2000 Meter über dem Meeresspiegel in die Berge hinein. Es gibt 49 Tunnel, 77 Brücken und unzählige wunderschöne Aussichten entlang der Strecke. Wegen des steilen Anstiegs muss der Zug im Zickzack hochfahren, was die Fahrt zu einem unvergesslichen Erlebnis macht.“

Der Zug fährt nicht schnell, und wir sind alle von der vorbeiziehenden Landschaft begeistert. Die Strecke ist dicht bewaldet, aber an manchen Stellen lichtet sich der Urwald und wir haben einen herrlichen Blick ins Tal. Für schöne Bilder mußte man nur schnell genug sein und die Kamera gerückt halten. Oft jedoch waren wir zu langsam und wir haben anstatt eine schönen Blick ins Tal den Tunnel von innen fotografiert. Im Hotel beginnt dann also das große Löschen. wird also jetzt das große Löschen.

Der Zug zuckelt vor sich hin. Langsam legt sich die Faszination. Wir bekommen Hunger und das gemütliche Wackeln des Zugs hat etwas einschläferndes. Eine Nudelsuppe wäre jetzt gut. Oder Kaffee. „Einen Vanilla Latte von Mr. Brown“ schwärmt Ina. Am besten beides.

Oben holt Wei Xin uns ab, und wir fahren noch ein paar Kilometer bis zum Eingang des Nationalparks. Nachdem wir unseren Eintritt bezahlt haben, parkt Wei Xin das Auto auf dem großen Parkplatz. Durch die Räder auf dem Dach, ist das Auto in der Menge leicht zu erkennen. Die Stimmung hier oben ist mystisch. Nebel kommt auf und verzieht sich so schnell wieder, wie er gekommen ist. Es ist kalt hier oben in 2000 m Höhe, alle ziehen sich etwas über. Wir essen eine Kleinigkeit zu Mittag und bummeln dann noch etwas durch die Touristen-Läden. Rudi und ich kaufen uns Tee aus dem Gebiet des Alishans und bekommen eine kleine Teezeremonie geboten um den Tee zu probieren. Dann steigen wir in den Shuttle-Bus, der uns zum Hotel bringt, denn im Nationalpark dürfen keine Privatautos fahren.

Nachher um 17 Uhr treffen wir uns wieder und spazieren in die kleine Touristenstation zu einem frühen Abendessen. Morgen früh werden wir um halb 5 geweckt, um 5 fährt der Zug zum Gipfel, kurz nach 6 ist Sonnenaufgang. Wir müssen also früh raus. Wir sollten uns mal erkundigen, welche der Götter hier für das Wetter verantwortlich ist und ein paar Räucherstäbchen anzünden.

Drei Pässe auf einen Streich

Goldenes Dreieck, vom 11.10. bis 02.11.2019

Fahrt von Menglun nach Mengla, weitestgehend bedeckt, 1700 Höhenmeter, 95 km

Heute wird geradelt, von früh bis spät. Zum Sonnenaufgang schlürfen wir bereits unsere Nudelsuppen, denn die 1700 Höhenmeter, die heute vor uns liegen, brauchen Zeit!

Obwohl mit Martin, Harald und Emmerich gleich die Hälfte der Gruppe noch arg mit der Verdauung zu kämpfen hat, strampeln wir uns allesamt Tapfer von Gipfel zu Gipfel. Drei Pässe sind heute zu erklimmen, einer vor, und zwei nach dem Mittag.

Wie erhofft ist es heute wieder bewölkt, das spielt uns in die Karten. Außerdem ist die Strecke sowieso recht schattig und führt über weite Strecken durch tropische Wälder, in denen große Bäume und riesige Farne stehen, und in denen Zikaden zu Hause sind, die in der Lage sind, einen unglaublich lauten und schrillen Pfeifton von sich zu geben. Ab und an können wir durch die Bäume hindurch wunderschöne Blicke in das umliegende Bergland erhaschen.

Die letzte Abfahrt des Tages, vom dritten Pass fast bis zum Hotel ist heute besonders süß! Man merkt schon, das man etwas geleistet hat, nach solch einem Radeltag.

Wegen der drei Magenverstimmungen sind wir heute etwas dezimiert beim Abendessen – aber Xiao Ding, Xiao Luo und die kleine Wen Wen leisten uns Gesellschaft und es schmeckt mal wieder vorzüglich. Ein von Xiao Luo selbst produzierter Maisschnaps darf danach natürlich nicht fehlen und wir sitzen noch ein Weilchen zusammen und klönen – morgen nachmittag werden uns die drei verlassen und wieder zurück nach Hause fahren, das tut jetzt schon ein bisschen weh.