Abschiede, Heimreise und Statistik

Entlang der Teestraße, vom 03.10. bis 12.10.2019

Statistik der ersten zwei Etappen von Mythos Mekong: Die oberen Schluchten des Mekong und Entlang der Teestraße

Heute vor fünf Wochen habe ich mich auf den Weg nach Yunnan gemacht. Jetzt sitze ich zu Hause, um viele Bekanntschaften, Erfahrungen und Erlebnisse reicher. Sortiere Unterlagen, sichere Fotos und schaue, ob Haralds nächster Blog schon online ist.

In knapp fünf Wochen haben wir unglaublich viel gesehen. Die verschneiten 6.000er Gipfel der Meili Snow Mountains, Reisfelder, Teeplantagen und sämtliche dazwischenliegenden Klimazonen bis hin zum tropischen Urwald mit seinen wilden Elefanten. Dafür liebe ich Yunnan. Wir sind verschiedenen Mentalitäten und einer unglaublichen Gastfreundschaft begegnet. Haben Grenzen getestet und in Emmerich unseren Meister gefunden… alle Widrigkeiten überwunden… keine Nudelsuppe ausgelassen und uns durch die chinesische Küche probiert, zwei Geburtstage gefeiert und jede Menge Spaß gehabt. Abgesehen von den vielen Eindrücken… hier die Statistik:

1.721 gefahrene Radkilometer
19.208 Höhenmeter
knapp über 4.000 m Höhe geradelt
mit 2.079 HM einen unerwarteten Radtag gehabt

… wir sind ja nicht nur geradelt, sondern haben mindestens diese Orte besichtigt: Yuantong Tempel und Cuihu Park in Kunming, Songzanlin Kloster in Shangrila, Balagezhong Scenic Area, Dongzhulin Kloster mit Sandmandala unterwegs, Feilai Kloster und Aussichtsplattform am Meili Snow Mountain bei Deqin, Schwarzstumpfnasenaffen bei Tacheng, Steinschatzberg bei Shaxi, Drei Pagoden von Dali, daoistische Klöster am Weibaoshan, Teeplantagen bei Chabolan Yuan, Wild Elephant Valley bei Sanchahe, die Große Pagode und den Nachtmarkt von Jinghong. 

In Xishuangbanna gehen die „Oberen Schluchten des Mekong“ und „Entlang der Teestraße“ zu Ende. Wir machen letzte Stadtrundgänge und werden von Xiao Luo und Xiao Ding zum Abschiedsessen in ein Dai-Restaurant eingeladen. Erst verabschieden wir Wilfried, am nächsten Tag trete auch ich den langen Heimweg an.

Für unsere drei Jungs Emmerich, Harald und Klaus ist die Reise noch lange nicht zu Ende, sie folgen dem Mekong bis zur Mündung in Vietnam. Karl übernimmt die Gruppe und hat drei neue Radfahrer mitgebracht.

Euch allen: es war toll mit Euch, gute Weiterreise!

Neues vom Nebelberg

Die Schöne Insel, vom 29.09. bis 20.10.2019

Ein Beitrag von Susanne.

Mit Sauerstoffflaschen bewaffnet haben wir uns in dunkler Nacht durch die tiefen schwarzen Wälder bis zum GIpfel vorgearbeitet um pünktlich um 6:19 Uhr den spektakulären Sonnenaufgang auf dem Alishan zu erleben. Ein Abenteuer ohne Gleichen. So hätte Hans unser morgendliches Erlebnis geschrieben … So war‘s aber wirklich:

Kurz vor 4:30 Uhr werden wir vom Hotel geweckt. Zehn Minuten später treffen wir uns marschbereit unten im in der Lobby des Hotels. Zur Zugstation sind es nur wenige Meter, und obwohl man mindestens 20 Minuten vor Abfahrt des Zuges die Fahrkarten kaufen muss, müssen wir noch zehn Minuten warten bis der kleine Bahnhof öffnet und wir unsere Fahrkarten zum Gipfel des Alishan kaufen können. Jetzt heißt es nur noch auf den Zug warten, der soll laut Fahrplan um 5:10 Uhr. Es wird 5:09 Uhr, und wir dürfen immer noch nicht auf den Bahnsteig. Um 5:14 Uhr kommt ein Zug, er ist übervoll, und fährt ohne zu halten an der Station vorbei. Uns bleibt also nichts anderes übrig als auf den nächsten Zug zu warten. Hier sind dann wenigstens noch genügend Sitzplätze für uns frei.

Es ist schon hell als wir oben ankommen, aber die Sonne ist zum Glück noch nicht über den Bergen aufgegangen. Die Aussichtsplattform direkt an der Bahnstation ist voller Touristen. Wir entscheiden uns deshalb, auf die zweite, weniger frequentierte Aussichtspattform zu gehen, sie ist 500 m entfernt. Die Berge sind im Nebel gehüllt, aber langsam wird es hell über den Gipfel des Yushan, dem mit 3952 m Höhe höchsten Berg Taiwans. Dann geht alles ganz schnell. Erst ragt die Sonne nur wenige Zentimeter über den Gipfel des Yushan, plötzlich steht sie hoch oben am Himmel. Mit der Sonne kommt leider auch der Nebel nach oben, der schön erträumte Sonnenaufgang wurde zu Milchsuppe. Zu Fuß gehen wir zurück zum Hotel, nur Ina hat die Geduld oben zu warten, bis sich der Nebel verzogen hat und wird mit einem herrlichen Ausblick belohnt.

Jetzt gehen wir erst einmal frühstücken. Wir sind hungrig und freuen uns auf einen heißen Kaffee und heißen Tee und ein leckeres Frühstück. Entsprechend groß ist die Enttäuschung. Das Frühstück ist so bescheiden wie das Hotel. Das chinesische Frühstück schmeckt fad das groß angekündigte amerikanische Buffet besteht aus schrecklich schmeckender Marmelade, Erdnussbutter, seltsam aussehender Butter und Toast. Als Besteck gab es Stäbchen und chinesische Löffel. Also bestreichen wir den Toast mit Stäbchen, was bleibt uns auch anderes übrig. Der Kaffee schmeckt als wäre er noch von gestern übrig. Und wenn sogar Rudi auf Toast umsteigt sagt das viel über die Qualität des chinesischen Frühstücks aus. Auch Werner packt irgendwann einen Müsliriegel und eine Dose Mr. Brown Kaffee aus.

Wei Xin sagt, es würde sich hier um ein staatliches Hotel handeln. Das wirft irgendwie kein gutes Licht auf die taiwanische Regierung. Die Wände sind extrem dünn, in den Zimmern hört man Geräusche der Nachbarzimmer, die man besser nicht hören möchte. Die Wände scheinen nur als Sichtschutz zwischen den Zimmern zu dienen. Im Bad ist Schimmel, die Matratzen gleichen wieder einem Holzbrett. Als ich gestern die Balkon Tür öffnete und das Fliegengitter zu Seite schieben wollte, fiel es aus der Halterung und wäre fast zwei Stockwerke tiefer im Garten gelandet wenn das Balkongeländer nicht so hoch gewesen wäre. Aber die Zimmer sonst sind sauber und ordentlich, nur etwas lieblos.

Wir ruhen uns ein paar Stunden aus und machen dann eine kleine Wanderung im Nationalpark. Die Sonne verschwindet, es zieht Nebel auf. Der Wald wirkt jetzt mystisch, wie ein Märchenwald. Hier sehen Bäume, die bis zu 3000 Jahre alt sind, auch ein paar Tempel entdecken wir. Es ist ein netter Spaziergang, der im Coffee Shop des Alishan House endet. In dem 1913 von den Japanern erbauten Luxushotel trinken wir einen Kaffee um uns etwas aufzuwärmen. Unser Mittagessen sozusagen. Obwohl das Café des Hotels eigentlich schon geöffnet hat, müssen wir noch ½ Stunde warten, bis der Kaffeeautomat vorbereitet und startklar ist. Wir schauen uns solange im Hotel etwas um. Der Kaffee ist gut, Rudi und Wei Xin gönnen sich noch leckere Waffeln. Kurz vor 15 Uhr sind wir wieder in unserm bescheidenen Alishan Gou Hotel, in dem es nur abends heißes Wasser gibt. Wir haben jetzt noch zwei Stunden Zeit. Punkt 17 Uhr werden wir dann startklar in der Dusche stehen um vor dem Abendessen noch den Schweiß des Waldes abduschen zu können.

Zum Abendessen wollen wir in dem netten Lokal gehen, in dem wir gestern schon waren. Das Essen war gut, die Leute freundlich. Vor allem die frittierten Bananen, die wir zum Nachtisch bestellt hatten, haben es uns angetan. Zugegeben, ich glaube sie haben es vor allem mir angetan. Bei diesem Nachtisch bestehe ich auf Wiederholung.

Ein letztes Mal tönt die Muschelpfeife

Goldenes Dreieck, vom 11.10. bis 02.11.2019

Fahrt von Mengla nach Mohan, heiter bis wolkig, recht heiß, 58 km

Wen Wen, die süße kleine Tochter unserer Begleitfahrer hat eine Muschelkette um den Hals mit einer Pfeife dran. In den letzten Tagen hat es sich etabliert, dass sie damit immer zum Aufbruch mahnt. Nach jeder Pause, wenn es heißt, sich frisch gestärkt durch Obst und Kekse wieder auf die Drahtesel zu schwingen, bläst Wen Wen das Signal. Ein schöne Ritual, dass ihr und uns gleichermaßen Spaß macht.

Recht gut erholt von den gestrigen Strapazen starten wir heute den Tag – alle haben wieder Lust auf das Frühstück – ein gutes Zeichen! Unterwegs haben wir Spaß auf einer schön federnden Hängebrücke und schauen den Kautschukbauern beim Abfüllen des weißen Kautschuksaftes zu: Kanister um Kanister bringen die Bauern zu dieser Jahreszeit die weiße Flüssigkeit in die Abfüllstationen, in denen mit Hilfe eines modernen Messgeräts die Reinheit des Kautschuks bestimmt wird und verzeichnet wird, wer wieviel Liter abgegeben hat.

Auch heute tutet es wieder regelmäßig aus dem Auto, wenn es Zeit wird, weiter zu radeln. Und am Nachmittag, nach einem letzten gemeinsamen Essen mit unserer goldigen Begleitfahrerfamilie, die sich mal wieder herzallerliebst um uns gekümmert haben, tutet es dann zum letzten Mal: Da wir morgen über die Grenze nach Laos gehen, verabschiedet sich die Chinesische Begleitcrew heute von uns. Wen Wen bläst diesmal zu Ihrem eigenen Aufbruch, es soll wieder zurück nach Hause gehen, zu Ihren Großelterm, ihrem älteren Bruder und ihren Freunden.

Den Pfeifton zum letzten Mal zu hören, macht uns alle schon etwas traurig. Für unsere drei Mythos- Mekong-Reisenden geht damit ein fünfwöchiges Kapitel zu Ende, in denen sie die drei richtig ins Herz geschlossen haben.

Morgen beginnt dafür ein neues Abenteuer – von den Teilnehmern ist bisher noch niemand zuvor in Laos gewesen, und wir sind gespannt, was uns dort erwartet!