Der Bambus wogt im Wind

Die Schöne Insel, 21.10. bis 13.11.2011

Sonst wird er gegessen. Derzeit hat der junge Bambus „Meiren tui“ („Füße schöner Menschen“, es gibt sehr viele verschiedene Bambus-Sorten) Saison, man kann ihn überall an den taiwanischen Landstraßen erwerben. Aber vor allem wogt er wild am Straßenrand. Ein wolkenverhangener und fast stürmischer Tag, passend zum Pazifik, dem großen weiten Meer. Der Wind kommt fairerweise von allen Seiten, komisch, man segelt durch die Gegend und hinter der nächsten Biegung fährt man gegen eine Wand.

Nach etwa 20km hätten wir abfahren können zum Teresa Teng-Memorial, viele Chinesen bekommen bei diesem Namen feuchte Augen und fangen unwillkürlich an zu singen oder zu pfeifen. Teresa Teng war der erste und bis heute größte Popstar des chinesischen Kulturraums, wahrscheinlich sogar ganz Ostasiens. Eine Taiwanerin, die auf Kantonesisch, Japanisch, Mandarin gesungen hat, in den 70ern, 80ern. Sollte man sich anhören, sehr schöne und zuckersüße Musik! Für die Festlandchinesen war sie die verbotene Stimme der Freiheit. Teresa Teng (oder Deng Lijun) ist mit Anfang 40 an Asthma gestorben, in Chiang Mai, Thailand. Das ist die offizielle Version, wenn man Videos aus den späten 80ern von ihr sieht (KTV-Pflichtlektüre) glaubt man nicht so recht daran, verlebt und aufgedunsen sieht sie da aus. Egal, wenn sie nur ihren Mund aufmacht…und geboren wurde sie also in einem Dorf in Nord-Taiwan, die Göttin des Mandopop und des Kantopop.

Ansonsten: Wilfried war in einen kleinen Unfall verwickelt, was mit klassischem Shakehand unter Gentlemen behoben wurde. Dann sind wir durch die Hafenstadt Keelung gefahren, wo das Leben ehrlich und die Arbeit hart ist. Und zum Schluss noch eine langgezogene Rampe zum Städtchen Jiufen, Ernst wollte vor dem Anstieg noch Ballast abwerfen d.h. eine Rauchen, es dämmerte jedoch bereits und er musste seinen gesamten Tabak den Berg hochtragen, der Arme. Hat er aber gut gemacht.


„Jedes legt noch schnell ein Ei und dann ist‘s auch schon vorbei“

Berg und Wasser, 08. bis 29.10.2011

Der letzte Tag auf (Fahr)Rädern ist angebrochen. Frühstück ganz verloren zwischen lauter chinesischen Reisegruppen, die das gleiche frühstücken und doch ganz anders essen. Wir verspeisen die Reste unsere Wassermelone.
Ein letztes Gruppenfoto- „was mer hat, das hat mer!“ (Siggi)
Dann geht es los. Das Wetter ist umgeschlagen. Gestern noch sommerlich heiß, empfängt uns heute ein kühler Gegenwind. Der letzte kleine Berg, die letzte Abfahrt, dann geht es auf ebener Strecke nach Daxu. Die Altstadt liegt versteckt zwischen Neugebautem. Letztes Jahr noch hatte man den Eindruck, auch dieser Ort sei dem Verfall preisgegeben, jetzt regt sich hier vermehrt Bautätigkeit. Neue Gebäude im Alten Stil, drängen sich zwischen windschiefe Hütten.
Ein alter Mann macht mich darauf aufmerksam, wie schön die roten Laternen an den alten Dachvorsprüngen aussähen.
Auch die Verkaufsstände, zwar immer noch übersichtlich an Zahl, sind mehr geworden. Wir spazieren durch die alten Gassen, die -angenehm- die Aufgeregtheit solcher Orte wie Yangshuo vergessen los. Ein leichter Schauer setzt ein.

Auf dem letzten Abschnitt unserer Reise geht es schnell voran.
Wir fahren über die Brücke zurück, die uns noch von der Flussseite unseres Hotel trennt. Wir wissen, kaum noch 5 Minuten, dann ist unsere Tour, zu der wir vor zwei Wochen aufgebrochen sind, vorüber.
Wir fahren vorbei an dem halb eingerissenen Haus, der Verfall ist vorangeschritten, die Plakate teilweise von den Wänden gefallen, aber immer noch halten einige Bürger tapfer die Stellung, andere sind emsig dabei, ihr Hab und Gut aufzuladen und wegzuziehen.

Angekommen. Ein letztes Bier, verdreckt und verschwitzt in der Hotellobby, während die französische Reisegruppe angestrengt versucht uns zu übersehen.
Alles weitere ist Routine: Zimmer beziehen, Fahrräder fertig machen, Zum Radladen.
Wieder in die Fussgängerzone. Wieder in das Jiaozi-Restaurant, wie am ersten Abend. Dann trennen sich für die nächsten dreieinhalb Stunden unsere Wege.

Abendessen – zurück im Hotel sind einige von uns auf der Suche nach etwas Süßem um das eben genossene Mahl abzurunden. Im Hotelladen werden wir fündig, die Verkäuferin lässt uns alle möglichen Süßigkeiten ausprobieren. Schließlich kauft Siggi die Sorte mit Taro-Geschmack. In der Lobby verspeisen wir die staubigen Teile – eigenartiges Essgefühl, aber guter Geschmack. Und so neigt sich der Tag dem Ende entgegen.


Professionell -> professioneller -> Giant Bike Tours

Die Schöne Insel, 21.10. bis 13.11.2011

Folgender Beitrag erreichte uns von unserer Auslandskorrespondentin Monika Z., diesmal aus Danshui, ROC

Heute gibt’s die Räder. Schon im Frühstücksraum ist das Giant Bike Team da. In Radlbekleidung – immerhin haben sie den Helm abgesetzt – beugen sie sich mit Jan und Johannes über die Landkarten.

Wir bekommen Rennräder und einen ersten Eindruck von dem gut organisierten Team. Sie ziehen hilfsbereit alle notwenigen Utensilien aus dem Begleitfahrzeug, die Räder werden unaufgefordert geprüft und sofort aufgepumpt. Helme, Wasserflaschen, Gepäckanhänger alles ist sorgfältig mit unseren Namen beschriftet.

Unsere Gruppe schwankt zwischen Begeisterung und Bestürzung. Die sportlich leichten Renner haben keinerlei unnötigen Ballast wie Schutzbleche, Ständer oder Gepäckträger. Wohin bloß mit dem ganzen Zeug, das man sonst so am Rad befestigt? Ist ja schon alles dran – sogar der Computer. Ernst und Heiko schrauben noch ein bisschen herum wo es eigentlich nichts zu schrauben gibt. Das Gepäck wandert komplett ins Auto. Handy und Geldbeutel passen in das Lenkertäschchen.
Root ist unser Taiwan-Guide von Giant. Etwa 1,80 groß, höchstens 55 kg schwer und an seinen Waden kann man jede Muskelfaser zählen. Er ist gnädig mit uns, fährt vorweg im recht humanen Tempo und gibt uns Zeit für erste Tretversuche auf ungewohnt schmalen Reifen. Er reckt die Faust an jeder roten Ampel hoch, hat Sprechfunk dabei und lotst uns raus aus der Stadt zum National Palace Museum of Taiwan. Nachdem uns die Strecke heute nur in die Nachbarstadt am Meer führt haben wir genügend Zeit durch die 3 Stockwerke zu laufen.

Die Kaligraphie Abteilung ist etwas ganz Besonderes. Kostbare Pergamentrollen mit alten schön geschwungenen Schriftzeichen. So alt, dass sie selbst für viele Taiwaner nicht lesbar sind. Für ein ungeschultes Auge sehen manche aus wie eine Alessi Zitronenpresse, wie ein Kaktus oder eine sich aufbäumende Schlange. Ein 11m langer Papierstreifen ist mit Szenen vom Leben am Fluss bemalt. Liebevoll bis ins kleinste Detail ausgearbeitet. Ochsenkarren, Menschen auf dem Feld, beim Fischen, beim Feiern. In jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken. Fast wie ein Wimmelbild-Kinderbuch.

Wir radeln den Fluss entlang in die nächste Stadt und müssen nicht auf die Straße – es gibt einen gut ausgebauten Radlweg, sportliche junge Männer joggen neben uns her und zeigen stolz ihren nackten Oberkörper. Die Stadt rückt näher und Hochhäuser reihen sich am Fluss auf. Es wird früh dunkel in Taiwan. Wir montieren unsere Lampen am Lenker und flitzen durch die belebte Stadt. Direkt am Meereszufluß gibt es einfache Open-Air Küchen mit frischem Fisch und Chili-Muscheln. Sehr lecker – der Mund brennt angenehm.

Zum Tagesabschluss noch das Dessert auf dem Nachtmarkt. Jan und David tigern unnachgiebig aber erfolglos durch ca. 37 kleine Geschäfte auf der Suche nach Lenkertaschen, damit wir unsere Habseligkeiten doch noch mit uns transportieren können. Zurück zum Hotel – Schluss für heute – vielleicht morgen.


Easy Peasy

Die Schöne Insel, 21.10. bis 13.11.2011

In Taipeh gibt es eine Karte, die fast alles für einen bezahlt, die Easy Card. Man muss sie leider manchmal aufladen, aber dann bringt sie einen durch den öffentlichen Nahverkehr und bezahlt die meisten Einkäufe. Ich denke man hat hier die Mutter aller städtischen und nicht-personalisierten Geldkarten kopiert, die geliebte Octopus Card aus Hongkong. Dort ist das System so tief in die Gesellschaft eingedrungen, dass es den Octopus in allen möglichen Acessoires und Formen gibt, einige haben sich den Chip dort sogar unter die Haut transplantieren lassen und sich so einem sanften Cyborg-Dasein verpflichtet. Taipeh ist noch nicht so weit in seiner Zuneigung zur Easy Card. Aber es ist eine elegante Form der Geldabnahme! Wahrscheinlich, natürlich, gibt man dabei viel mehr aus.

Mit unseren schicken kleinen Karten sind wir heute kreuz und quer durch die Stadt gefahren, Metro, Gondel, Bus. Taipeh hat viel zu bieten, eine interessante Mischung aus alten verlebten Vierteln, schicken neuen Gegenden mit schnurgeraden Alleen. Und außen rum viel Grün. Zuerst waren wir im Geschäftsviertel der Stadt, inmitten von Chrom und Hochglanz, aber vor allem auf dem dritthöchsten Gebäude der Welt: Taipeh 101. Ein Phallus ist ein Phallus (F. Fellini). 101 beherrscht eigentlich unverhältnismäßig das Stadtbild, es gibt einfach zu wenig andere echte Wolkenkratzer neben ihm, manchmal wirkt er unverschämt, manchmal majestätisch. Der schnellste Fahrstuhl der Welt hat uns flugs auf die Aussichtsplattform gebracht, von der man eine schöne Sicht hat – eine verlockende Sicht auf die sattgrünen Hügel die sich um die Stadt herum wellen. Also danach in die Natur, mit der Gondel ganz im Süden der Stadt. Dort sind wir dann schön spazieren gewesen.

Und gerade kommen wir zurück aus dem alten Taipeh, aus der Gegend des ältesten Tempels der Stadt, dem Longshan Gong. Eine interessante Nachbarschaft, natürlich Nachtmarkt, Schlangen werden ausgestellt und zubereitet, aber heute nicht für uns. Viele andere kleine Leckereien haben uns stattdessen den Weg zurück in Richtung Metro und Hotel geebnet. Der Tempel selber ist herrlich instandgehalten und trotzdem nicht seiner Patina beraubt, das religiöse Leben darin erscheint echt und ungekünstelt. Das alles unterscheidet Taiwan von der Volksrepublik, wo so viel abgerissen wurde und immer noch abgerissen wird, mittlerweile nur um neuen langweiligen Bauten Platz zu machen.

Fast da!

Berg und Wasser, 08. bis 29.10.2011

Heute ist unser vorletzter Radtag und unsere letzte etwas anstrengendere Etappe.
Wie immer (bis auf den einen Ausrutscher auf dem Weg nach Ping‘an) begrüßt der Tag uns mit strahlendem Sonnenschein. Laut Wetterbericht soll erst an unserem Abreisetag das Wetter in der Gegend wieder schlechter werden.

Wir verlassen also Yangshuo und es dauert nicht lange, da haben wir den ganzen Touristentrubel schon hinter uns gelassen. „Die Tür ist zu“ wie Heinz sagen würde. Unseren Fahrer haben wir auf der Schnellstrasse nach Fuli geschickt. Wir radeln durch malerische Dörfer, grüne und gelbe Reisfelder auf ruhiger Strecke am Fluss entlang. Setzen irgendwann mit der Fähre über und erreichen nicht lange darauf wieder vollständig (mit Fahrer) Xingping. Diese Flusslandschaft mit Karstfelsen ist so bekannt, das sie den Weg auf die Rückseite des 20 Yuan-Scheins gefunden hat. Dementsprechend gut besucht ist dieser Ort auch. Es fällt uns dann auch nicht schwer, dieser Szenerie, trotz ausgesuchter landschaftlicher Schönheit, den Rücken zu kehren und die Reststrecke nach Caoping zurückzulegen, die uns wieder durch verlassen Landschaften, ab und an von friedlichen Dörfern durchbrochen, führt.
Unser Fahrer ist wieder mit von der Partie. Er scheint das, was wir hier so treiben, ziemlich lustig zu finden, zumindest lacht er immer zu. Gerade steht er wieder auf einem Stein und pfeift ziemlich kunstvoll, jetzt bläst er auf einem Grashalm – und zwar ganze Melodien! Ich wäre froh, wenn ich so einem Halm überhaupt einen Ton entlocken könnte. Heinz reizt das natürlich und er liefert sich mit unserem „Schieschu“ (shifu) ein kleines Grasblas-Duell, was er, man ahnt es schon, haushoch verliert (sorry Heinz).

Ziemlich verdreckt (von der Schotterpiste), aber glücklich kommen wir in Caoping an. Das Bier tut allen verdammt gut und Simone, Heinz, Hans und Siggi gehen fast sofort in den Pool, mit Radklamotten. Nur Siggi beweist Stil und zieht sich eine Badehose an.

Zum Abendessen schlachten wir endlich unsere Riesenmelone. Obwohl zu Siebt, schaffen wir mit Ach und Krach nur die Hälfte. Und zu Verdauung hat die Gruppe wieder zum Schnaps zurückgefunden. interessiert werden die verschiedenen Flaschen beäugt. Ein Aufguss mit Ginseng,ein andere mit Schlangen. Am Ende entscheidet man sich für den 53prozentigen mit Weißdorn, der am Pool unter offenem Sternenhimmel verzehrt wird.


Fast alle da

Die Schöne Insel, 21.10. bis 13.11.2011

Liebe Grüße aus Taipeh, ich bin gestern aus Bangkok gekommen, wo es chaotisch zugeht (aber dabei mit typisch thailändischer Gelassenheit). Unten ein paar Impressionen aus dem Neuen Venedig des Ostens.

Hier sind jetzt fast alle Schäfchen beisammen. Beate und Franz mussten leider absagen, sehr schade! Aber das nächste Mal…dafür hat sich Eckhard von Kathmandu aus hergekämpft und ist auch auf dieser Tour mit von der Partie, einige ehemalige Teilnehmer werden davon überrascht und begeistert sein! Jens ist aus Shanghai eingeflogen, der Rest ist heute Abend von Wien aus hierher gekommen. Einer hat es nicht geschafft aber ich werde ihn hier selbstverständlich nicht bloßstellen : ) Ich hoffe schwer, dass er es bis morgen macht, er war ja schon öfters dabei und wird sehr geschätzt. Überhaupt. Monika baut ihre Überstunden ab und ist mit von der Partie, sie wird sicher den ein oder anderen Beitrag schreiben. David hilft mir bei der Tour, und auch er wir ab und zu mal an den Rechner müssen. Heiko macht den Kassenwart, sofort mit beruhigender Eloquenz.

Heute war noch kein Programm, ein nettes Abendessen und die Leute freuen sich auf ihr Bett. Kurz die Bundesliga abgecheckt. Draußen weht eine warme Brise und die Neonlichter glimmern.

„Anyone vegetarian? – No?- Good!“

Berg und Wasser, 08. bis 29.10.2011

Heute ist Entspannung angesagt, soweit das in diesem Ort überhaupt möglich ist. Unser Frühstück fällt heute seit langem mal wieder westlich aus. Außer bei Silke und Andreas, die halten hartnäckig an Jiaozi und Nudelsuppe fest, keine schlechte Wahl, wie es scheint.

Danach entfliehen wir erst einmal der Stadt mit ihrem lauten Treiben, Pizzarestaurants, Mc Donalds und Lollex-Verkäufern und radeln zum Mondberg. Durch die halbrunde Öffnung des Karstfelsens hätte man einen schönen Blick auf die Umgebung – wäre das Wetter nur nicht so diesig.
Dort angekommen werden wir sehnsüchtig von einem Trupp Frauen empfangen, die uns Getränke, Früchte, Postkarten und Derlei verkaufen wollen. Sich nicht der Mühe scheuen, uns ständig Luft zufächelnd bis auf den Gipfel zu folgen.

Shuaige macht übrigens einen nicht geringen Eindruck auf sie. „Hässlich“ sagt eine „wie ein Gespenst“. „Eigentlich ganz hübsch“ meint eine andere „nur die Beine sind etwas dünn geraten“.

Nach dem Mondberg trennen sich unsere Wege. Heinz bekommt das GPS, er will mit Simone und Hans eine größere Tour fahren. (siehe unten) Silke, Andreas, Siggi und ich frönen leiblichen Genüssen: Nach der Rückkehr ins Hotel gehen wir erstmal Fisch essen und danach besuchen wir einen Kochkurs. Als dicke Reiseleiterin muss ich ja schließlich meinem Ruf gerecht werden, nicht?

Zu dem Kochkurs werden wir von einer kleinen „Hip-Hop-Chinesin“ mit Basecap und Sonnenbrille namens „Helen“ abgeholt. Sie führt uns erstmal auf den lokalen Fleisch und Gemüse Markt, wo wir das erste Mal auf dieser Reise auch geschlachtet Hunde sehen (und wir haben schon so einige Märkte hinter uns. Auf dem Weg dahin spricht sie noch eine holländische Familie an – der Kochkurs ist mit uns vier wohl noch zu dünn besetzt (obwohl ich dabei bin).

Die Kochschule an sich, liegt idyllisch am Ufer des Flusses. Am beeindruckendsten für Siggi ist allerdings nicht die landschaftliche Szenerie, sondern die Verwandlung Helens von der basecaptragenden Hip-Hopperin zu einer Köchin. Zumindest dauert es eine Weile, bis er sie wieder erkennt.
Die Zubereitung der verschiedenen Speisen bündelt unsere ganze Aufmerksamkeit und macht Spass, ist aber eine recht ölige Angelegenheit. Ich zumindest fühle mich nach getaner Arbeit wie eine verklebte Dunstabzugshaube (Silke geht es ähnlich und auch Siggi und Andreas schreien nach einer Dusche). Das beste ist aber, dass wir unsere Eigenproduktionen am Ende selbst verzehren können.

Als wir uns satt und zufrieden auf den Rückweg machen, ist es bereits dunkel und wir sind gespannt auf den Bericht der anderen drei.

Und hier der Bericht der „anderen drei“.
Herzlichen Dank dafür an KH, AKA Guude!

2. Tag Yangshou: an den Touristentrubel hier hat man sich relativ schnell gewöhnt. Doch die weiblichen „Guides“ am Mondberg nerven rasch: Nein, wir wollen keine Getränke kaufen, weder auf den 800 Stufen rauf auf den Berg, noch auf dem Rückweg zu unseren Rädern. Erst ein chinesisches Machtwort von Katharina lässt die Damen verstummen (Size matters).

Danach trennt sich die Gruppe: Silke, Andreas, Siggi und die Chefin wollen in einem Kochkurs den Geheimnissen der chinesischen Küche auf den Grund gehen – verbunden mit der Androhung, die erzielten Resultate selbst verspeisen zu dürfen 🙂

Simone, Hans und ich wollen dagegen die Umgegend von Yangshou mit dem Rad erkunden. Und siehe da, schon 3 km hinter dem Mondberg und nach nur einer Abzweigung ist von der Hektik und dem Gewusel der Stadt rein garnichts mehr zu spüren. Die typischen Karstkegel dominieren das Landschaftsbild, dazwischen Reisfelder und Mandarinenhaine. In den kleinen Dörfern kommen wir aus dem Winken, Klingeln und Hupen garnicht mehr heraus – die zahlreichen „Hello-„Rufe der Kinder müssen ja beantwortet werden. Die kurze Mittagsrast bei undefinierbaren aber leckeren Keksen, Bananen und Wasser lässt einen älteren Chinesen flüchten. Dabei standen doch vier Liegestühle vor der Kneipe…

An einigen Wasserbüffeln vorbei geht es über zwei mittlere Hügel wieder Richtung Yangshou. Am Li-Fluss drapieren sich die Hochzeitspaare, Simone überkommt spontan die Lust nach Trockenobst und kurz vor der Stadtgrenze sorgt eine fünfköpfige Büffelfamilie für einen kurzzeitigen Verkehrsstau. Das Schmutzbier im Stadtpark und der freundliche Einheimische, der mir meine im Park liegengelassene Kamera bringt, sorgen dann endgültig für den gelungenen Abschluss einer „halben Tages zur freien Verfügung“.


Ohne Schirm, aber mit Charme und Melone

Berg und Wasser, 08. bis 29.10.2011

Heute Morgen spazieren wir an der Uferpromenade von Yongfu entlang. Unser Ziel sind die kleinen Nudelschuppen, wo man Suppe, Jiaozi, Baozi, ölige Teilchen, eben das, was man hier so zum Frühstück ist, bekommt. Mir sind nämlich noch die Worte der Hotelangestellten vom letzten Jahr im Ohr, dass sie uns keinesfalls raten würde im Hotelrestaurant zu speisen, das wäre schlecht und teuer.
Shuaige ist diesmal nicht mit von der Partie, der hängt schon mit Kabelbinder befestigt am Gepäckträger meines Rades.

Sieben Langnasen irgendwo im chinesischen Nirgendwo beim Frühstück. Nudelsuppe und Kaffee, wie gewöhnlich. Wir haben die Nudelbude mit den Hockern mit (kniev)erträglicher Höhe gewählt. Man starrt uns an und wir starren zurück. Zwei Männer laufen vorüber und schauen interessiert auf unseren Tisch. „Was trinken die den da?“ fragt der eine „Das ist Kaffee, die trinken Kaffee.“ erklärt der andere „Sieht aus wie Sojasoße“ darauf sein Kumpel.
Auf dem Markt gegenüber decken wir uns noch mit ca. 50 Mandarinen und 16 Bananen ein. Jetzt fühlen wir uns gut versorgt und es kann los gehen.

Der Tag verspricht wieder warm zu werden, noch ist es aber etwas bedeckt und so radelt es sich angenehm durch die schöne Landschaft. Heute ist der Tag der Aubergine. Siggi hat sich schon solange gewünscht, chinesische Auberginen unverarbeitet zu sehen, jetzt endlich ist es soweit. Gleich mehrere mit diesem Gemüse beladene Wagen, rollen uns über den Weg.
Außerdem fahren wir an einigen Melonenfeldern vorbei, wo fleißig geerntet wird. Die Früchte sehen so gut aus, dass wir beschließen eine mitzunehmen. Der Bauer will die Melone uns zuerst nicht zu dem Preis verkaufen, den wir ihm vorschlagen. Er jammert die ganze Zeit, dass seine Frau ihm verboten habe, eine für weniger als 50 Yuan herzugeben. Er ist dann aber doch recht schnell mit unserem Vorschlag einverstanden.
Bananen, Mandarinen, Riesenmelone – „jetzt fehlt nur noch der Bierlaster“ meint Heinz.

Nach einer guten Woche Radtour im touristischen Niemandsland sind wir heute in einer Urlaubs-Hochburg par excellence angekommen – in der AAAA Scenic Area Yangshuo.
Die Ankunft in diesem schillernden Ort wirkt auf uns erstmal wie ein Kulturschock. Das Abendessen in einem Strassenrestaurant, ist zwar nicht wirklich beschaulich, aber doch recht interessant. Uns werden nicht nur alle möglichen Dinge zum Verkauf angeboten, wir werden auch von allen Seiten dauerbeschallt – auf der einen Seite steht der Saxophonist, auf der anderen haucht einer chinesische Popsongs ins Mikro, um nur wenig später von einem Flötisten und noch später von einer Sängerin abgelöst zu werden.

Silke und Andreas haben in einem T-Shirt Laden im übrigen gefakte China-by-bike T-Shirts entdeckt…..


Durststrecke

Berg und Wasser, 08. bis 29.10.2011

Bevor wir heute nach Yongfu, der Stadt des immer währenden Glücks, aufbrechen, machen wir noch einen kleinen Spaziergang in die Altstadt von Baishou. Die alte Stadtmauer mit ihren vier Toren wurde einst restauriert, die Gebäude inner- und außerhalb derselben, sind aller mehr oder minder dem Verfall preisgegeben.
Die Menschen auf der Strasse und vor den Häusern beobachten uns amüsiert dabei, wie wir ihre alten, fast zusammenbrechenden Häuser fotografieren.

Auf dem örtlichen Markt decken wir uns noch mit Verpflegung für die Fahrt ein, dann kann es losgehen. Alles ist startklar, da rennt der Nachbar von gegenüber noch schnell ins Haus, holt seine Kamera uns fotografiert uns – ausgleichende Gerechtigkeit.

Der Weg führt uns durch Mandarinen- und Orangenhaine am Fluss entlang. Hängebrücken führen von der Straße in die Dörfer, die sich auf der gegenüberliegenden Flussseite aneinander reihen. Eine dieser Brücken probieren wir auch direkt aus. Sie ist nur aus dünnen Stämmen zusammengezimmert und macht einen eher unsicheren Eindruck. Hans und Andreas befinden das Bauwerk aber als stabil und sicher genug, springen darauf herum und Andreas läuft bis zur Mitte. (wo ihn allerdings der Mut verlässt….)

In den Orten, die wir passieren, sehen wir überall Menschenansammlungen im Schatten sitzen und Karten spielen. Überall das gleiche Bild. Und auch auf unserem Hotelzimmer wird uns heute nachmittag nicht nur Wasser und Tee erwarten, sondern auch mehrere Sets verschiedener Kartenspiele zum käuflichen Erwerb.

Wir fahren gemütlich und ohne Eile. Mittlerweile machen sich bei einem Teil von uns, die ständige Flut neuer Eindrücke und das permanente radeln bei heißem Wetter bemerkbar. Wir freuen uns auf eine kleine Pause und ein kühles Getränk nach der Ankunft.

Der Spaziergang durch Yongfu gleicht einem Rundgang durch den Zoo, nur sind wir die Tiere die begafft werden. Auch in dem Restaurant, in dem wir zu Abend essen, sitzen wir sprichwörtlich im Schaufenster. Jeder, der vorbeigeht, bleibt stehen und schaut herein. Wir sind die Attraktion. Unsere Anwesenheit wird durchaus als geschäftsfördernd betrachtet, Die Wirtin lädt uns mehrmals ein, wieder zu kommen und läuft uns noch auf der Strasse hinterher, in der Hoffnung uns ihr zweites Restaurant zeigen zu dürfen.
Das Essen beschließen wir gewohnheitsmäßig mit einem Schnaps.

Auf dem Rückweg entlang der Uferpromenade verweilen wir bei einer Karaoke-Gruppe, hören uns einige der Songs an. Siggi meint, er sei froh ausreichend Schnaps getrunken zu haben, sonst könne er das hier alles nicht so ertragen.

In Yongfu sind wir auf unser Radtour-Maskottchen gestoßen. Das attraktive Kerlchen hört auf den Namen „shuai ge“ und möchte uns auf dem Rest unsere Reise begleiten.


Namaste

Auf dem Dach der Welt, 27.09. bis 22.10.2011

Liebe Grüße aus Bangkok. Es ist nass hier, die Sois um mein Gästehaus sind überschwemmt und man muss fast knietief durch das Wasser. Von den Fluten habe ich erst im Flugzeug gelesen, auf dem Weg in die Stadt hat es zwar geregnet, aber es sah mir nicht so wild aus. Das hier ist kein Spass, keine Gäste ausser mir, vor ein paar Tagen noch gab es wohl überhaupt kein Durchkommen. Einige östliche Bezirke der Stadt sollen demnächst geflutet werden um den Druck zu verringern.

Also Grüsse, vor allem an meine tolle Gruppe, die ich verfrüht verlassen musste und die jetzt wahrscheinlich hilf- und orientierungslos durch Kathmandu irrt : ) Aber kümmern tut sich doch Explore Nepal, und das bestimmt rührend. Auf den Fotos unten sieht man Bharat, den Big Boss, und Subechhya, eine seiner Töchter. Die Familie macht das fantastisch und kundennah, in ihrem Kanthipur Temple House fühlt man sich prima aufgehoben, außerdem haben sie noch viele andere Projekte und fördern Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein, wo sie können.

Als Gruppe hatten wir viel Spaß miteinander. Die Bedingungen waren manchmal nicht einfach (Höhe, Kälte, einfachste Herbergen…) aber alle haben an einem Strang gezogen. Dass sich Silke als einzige Frau gut geschlagen hat, kann man eigentlich nicht behaupten. Man müsste eher sagen, dass wir Männer uns ganz gut geschlagen haben, Silke war ja die fitteste von allen. Wir werden uns sicher mal wieder treffen, vielleicht ja in den Niederungen der Zweiten Liga, bei den 60ern, Dynamo Dresden oder St. Pauli.

Gestern war noch die Stadteinfahrt nach Kathmandu, hat man auch selten gesehen, so etwas. Ein einziges Drunter und Drüber auf den Straßen. Wir haben uns zwischenzeitlich verloren, das Begleitfahrzeug war mit ein paar Leuten vorne, ich mit ein paar anderen hinten. Wir mussten uns dann irgendwie zum Hotel durchschlagen, das liegt sehr versteckt in der Altstadt und dort war irgendwann Schluss mit der GPS-Unterstützung (die Gassen sind einfach zu schmal und zu hoch). Ein kleines lustiges Abenteuer! Irgendwann waren wir natürlich wieder glücklich vereint und haben unseren großen Erfolg begossen (u.a. mit Tongba aka Chang, tibetischem Gerstenwein): keine Stürze, keine außergewöhnlichen Pannen. Bestes Wetter, beste Laune.

Ich hoffe die anderen haben noch eine gute Zeit in Kathmandu! Das ist eine tolle Stadt, und ich denke wir werden unsere Touren langsam auch nach Südasien ausweiten. Ich selber bin schon wieder auf dem Sprung zur nächsten Reise, in Richtung Taipeh, eben mit kurzem Stoppover in Thailand. Irgendwie mache ich in letzter Zeit nur Reisen in die chinesischen Grenzgebiete, symbolisch und geographisch – Xinjiang, Tibet, Taiwan. Wenn mich das mal nicht verdächtig macht…melde mich in ein paar Tagen wieder, mich kriegt man hier nicht so schnell los…