Laos von innen

Land der Tausend Elefanten, 19.11. bis 11.12.2011

Homestay, also die Übernachtung bei einer Familie, ist das ultimative Laos-Erlebnis. Hautnah, statt nur mittendrin! Man kommt an, bekommt von der versammelten Familie Blumenkränze um den Hals gehängt (oder verwechsele ich das jetzt mit Hawaii?), die Töchter des Hauses führen traditionelle Tänze auf, die Söhne des Hauses reichen selbstgebrannten Schnaps. Der Vater des Hauses prostet ununterbrochen den Gästen zu, ist sofort per Du mit jedem und die Mutter des Hauses tafelt ein üppiges Festessen auf, welches selbst Napoleons Invasionsarmee für mehrere Tage gereicht hätte.

Wir hatten heute einen Homestay. Es war nicht ganz so wie oben beschrieben. Nicht mal annähernd. Dabei haben wir nicht irgendwo übernachtet, sondern im Haus des Dorfvorstehers von Don Chai. Nun ist Don Chai nicht gerade mit Reichtum gesegnet. Und auch der Dorfvorsteher lebt mit seiner Familie ein eher bescheidenes Leben. Hinzu kommt, dass wir als Gruppe scheinbar nicht wirklich für einen Homestay angekündigt waren. Unser treuer Kampai musste ein paar Minuten vor unserem Eintreffen vorfahren, um die Familienübernachtung mit dem Dorfvorsteher abzusprechen. Dieser hat dann spontan entschieden unsere kleine Gruppe bei sich aufzunehmen. Bei meinem letzten Besuch waren wir in anderen Häusern untergekommen. Von der Familie wurden wir sehr indifferent aufgenommen. Zum Futtern war auch nichts im Haus bzw. war man sich unsicher, was man den weit gereisten Gästen zumuten sollte.

Hier sprang für uns überraschend Yong in die Presche. Er stattete dem hauseigenen Gemüsegarten einen Besuch ab, luchste einem anderen Bauern zwei Hühner ab und begab sich in die Küche. Nach einer Stunde wuselns tischte er uns ein sehr leckeres Mahl auf. Die Erklärung: Yong begleitet auch Dschungeltrecks und muss dann nicht nur als Reiseleiter, sondern auch als Küchenjunge herhalten.

Die Nacht wurde unkomfortabel. Meinen Teilnehmern würden sicherlich noch andere Bezeichnungen dafür einfallen, keine mit positiveren Vorzeichen. Wir schliefen auf relativ dünnen Matten alle zusammen im Wohnzimmer der Familie. Richtig ruhig wurde es nie, mal kamen die Geräusche tierischen Ursprungs von draußen, mal menschlichen Ursprungs von innen. Ich glaube ich war der einzige, der in dieser Nacht halbwegs entspannt geschlafen hat.

Aber eigentlich sollte man ja nicht einen Tag mit dem Abend beginnen. Zuvor gab es nämlich noch 52 Kilometer. Die haben wir locker angegangen und in unserem Bungalowanwesen mit Hanglage solange abgewartet, bis sich der Morgennebel gelichtet hat und die wärmende Sonne herausgekommen war. Beim Frühstückstisch durften wir noch den zusätzlichen Daumen an der linken Hand der Herbergsmutter und das geldvernarrte Töuchterchen des Hauses bestaunen.